Nach dem Tod von Papst Franziskus am 21. April 2025 beginnt bald ein Konklave zur Wahl eines neuen Papstes. Während die Welt auf weißen Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle wartet, kommen im Inneren des Vatikans technische Sicherheitsmaßnahmen zum Einsatz, die das jahrhundertealte Prozedere vor moderner Spionage schützen sollen.
Digitale Isolation: Wie das Konklave abgeschottet wird
Die technische Isolation der Kardinäle während des Konklaves ist ein zentraler Bestandteil der Papstwahl. Sämtliche moderne Kommunikationsmittel, also die Benutzung von Fernsehen, Rundfunkgeräten, (Mobil-)Telefon, Tonbandträgern, Mikrofonen sowie Film- und Fotoapparaten, sind strikt verboten, wie beim Bistum Augsburg nachzulesen ist.
Dieses Verbot wurde im Laufe der Zeit immer weiter an die technologische Entwicklung angepasst und umfasst heute auch Internet, Smartphones und alle weiteren digitalen Kommunikationsgeräte.
- Mit dem Einzug ins Gästehaus Santa Marta müssen die Kardinäle jeden Kontakt zur Außenwelt abbrechen. Fernsehen, Zeitung, Radio, Telefon, Internet – all das ist strikt verboten. Diese digitale Quarantäne soll sicherstellen, dass die Wahl ohne äußere Einflussnahme stattfinden kann.
- Früher mussten die Kardinäle während des gesamten Konklaves in der Sixtinischen Kapelle bleiben. Seit der Neuregelung durch Papst Johannes Paul II. im Jahr 1996 wohnen sie im Gästehaus Domus Sanctae Marthae, bleiben aber weiterhin von jeder Kommunikation mit der Außenwelt ausgeschlossen.
- Bei der letzten Papstwahl nach dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2013 wurden auch Mikrofone und Kommunikationsgeräte durchsucht (via Business Insider).
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Ein faradayscher Käfig für den Heiligen Geist
Neben der digitalen Quarantäne greift der Vatikan auch zu modernen Abwehrmaßnahmen zur Verhinderung von technischer Überwachung, wie Wired berichtet.
- Die Sixtinische Kapelle, in der die Wahl stattfindet, wird mit einem faradayschen Käfig ausgestattet – einer elektrisch leitenden Umhüllung, die elektromagnetische Felder blockiert und somit das Senden und Empfangen von Signalen verhindert.
- Zusätzlich werden unter dem Boden der Kapelle Störsender installiert, die jegliche drahtlose Kommunikation unterbinden sollen. Diese Störsender erzeugen ein elektromagnetisches Rauschen auf denselben Frequenzen, die von Mobiltelefonen und anderen Kommunikationsgeräten genutzt werden, wodurch diese keine stabilen Verbindungen aufbauen können.
Die physische Bewegung der Kardinäle zwischen dem Gästehaus Santa Marta und der Sixtinischen Kapelle wird ebenfalls technisch abgesichert. Die Kardinäle werden mit einem kleinen Zubringerbus hin und her pendeln, dessen Fensterscheiben nicht durchsichtig sind.
Diese Maßnahme verhindert nicht nur visuelle Beobachtung von außen, sondern unterbindet auch mögliche optische Signale oder Laserabhörmethoden, bei denen Schwingungen von Fensterscheiben zur Sprachrekonstruktion genutzt werden könnten. Das Gästehaus selbst ist während des Konklaves weiträumig abgesperrt, und auf ihrem Weg zur Kapelle werden die Kardinäle begleitet.
- Die technischen Sicherheitsmaßnahmen werden durch strenge Eide und Strafandrohungen ergänzt. Nicht nur die Kardinäle selbst schwören Geheimhaltung, auch »alle Sicherheitsleute, Ärzte und Reinigungskräfte müssen vorher einen Eid ablegen«, wie Welt in einer Analyse von 2013 erklärt.
- Verstößt einer der Beteiligten gegen die Geheimhaltung, droht ihm die automatische Exkommunikation – der Ausschluss aus der katholischen Kirche. Diese Regelung wurde von Papst Benedikt XVI. vor seinem Rücktritt noch verschärft.
Der Kontrast könnte also kaum größer sein. Während draußen auf dem Petersplatz Smartphones und Kameras auf den Schornstein gerichtet sind und die Nachrichten in Echtzeit über soziale Medien verbreitet werden, sind die Kardinäle in einem Raum eingeschlossen, der mit modernster Technologie von ebendieser digitalen Welt abgeschirmt ist.
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