Sonys Playstation 5 ist eigentlich ein streng abgeschottetes System – doch was passiert, wenn man die Konsole zwingt, ein waschechter PC zu sein? Genau dieser spannenden Frage sind die Technik-Experten von Digital Foundry in der neuesten Ausgabe ihres YouTube-Formats »DF Direct Weekly« nachgegangen.
Mithilfe eines Tricks haben sie ein Linux-System auf der eigentlich geschützten Konsole zum Laufen gebracht, um vollwertige Steam-Spiele über die Proton-Kompatibilitätsschicht zu testen. Genau die Technologie, die auch Valves Steam Machine nutzen wird, um PC-Spiele auf der Linux-Umgebung zum Laufen zu bringen.
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Einige Titel erreichen die Performance der PS5-Version
Das verblüffende Ergebnis des Experiments: Bei Titeln wie Black Myth: Wukong reicht die Leistung überraschend nah an die der nativen PS5-Version heran.
Obwohl das PC-Spiel unter Linux durch die Übersetzungs-Software Proton (von DirectX zu Vulkan) geschleust werden muss, lieferte es laut Richard Leadbetter von Digital Foundry fast haargenau dieselbe Performance und visuelle Qualität wie der native PS5-Performance-Modus.
Für DF-Experte Alex Battaglia ist das ein »völlig unerwartetes« Ergebnis. Da die Hardware unter Linux mit generischen Treibern stark im Nachteil sein müsste, deutet das Ergebnis für ihn eher darauf hin, dass der offizielle Konsolen-Port von Wukong die PS5-Hardware schlicht nicht optimal ausnutzt.
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Kuriose Grafikfehler und Speicherlimits
Bei anderen Spielen zeigten sich in den Tests allerdings die Grenzen des Experiments, manchmal auch mit kuriosen Folgen. Zwar lief die PS5 im Spiel Crimson Desert in manchen Szenen etwas schneller als die PC-Version, allerdings wurde der Himmel wegen eines Rendering-Fehlers nur als schwarze Fläche dargestellt.
Generell stieß das inoffizielle Betriebssystem bei speicherhungrigen Spielen schnell an seine Grenzen. Hauptgrund hierfür sei der gemeinsame Speicherpool der Playstation 5, auf den das Linux-System nicht zugreifen könne. Dies führe bei aufwendigeren Texturen schnell zu Rucklern.
Control schlägt die native Konsolen-Fassung
Eine weitere Überraschung erlebten die Tester von Digital Foundry bei dem Spiel Control von Remedy. Die Steam-Version lief auf der Playstation in 1080p mit eingeschaltetem Raytracing und Medium-Einstellungen mit 50 bis 60 Bildern pro Sekunde. Interessant hierbei ist vor allem, dass die offizielle Playstation-Version des Spiels ebendiese Kombination nicht unterstützt.
Im Performance-Modus der Konsole gibt es zwar 60 Bilder pro Sekunde, aber kein Raytracing.
Hohe Hürden für den Alltag
Trotz des überraschenden Ergebnisses bleibt das Experiment zum aktuellen Zeitpunkt ein Community-Projekt für Bastler. Die Gründe sind vielfältig:
- Die Playstation 5 muss mit der älteren Firmware 4.5 oder noch älter laufen.
- Der Trick funktioniert nur pro Sitzung. Wird die Konsole ausgeschaltet, muss er erneut angewendet werden.
- Die Videoausgabe ist zurzeit auf 1080p und 60 Bilder pro Sekunde beschränkt. Features wie 120 Hz oder eine variable Bildwiederholrate sind noch in der Entwicklung.
Dennoch blickt das Team von Digital Foundry optimistisch auf das, was die Modding-Szene hier leistet. Sie sieht in der PS5 vor allem eine perfekte Plattform für Emulation, sobald die fehlenden Features nachgereicht worden sind.
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Am Ende liefert der Linux-Ausflug ein faszinierendes »Was-wäre-wenn«-Szenario. Er weckt Erinnerungen an OtherOS der Playstation 3, das es Spielern erlaubte, alternative Betriebssysteme zu nutzen.
Für Digital Foundry ist das Thema jedenfalls noch lange nicht abgehakt: Das Team kündigte am Ende des Videos bereits an, die PS5-Linux-Box bald mit weiteren, auf dem System eigentlich »unmöglichen« PC-Features wie Path Tracing bei älteren Spielen auf Herz und Nieren zu prüfen

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