Organisierte Banden kapern Lkw mit Hardware für Rechenzentren: Beute übersteigt bereits 100 Millionen Dollar

Der weltweite KI-Hype verwandelt Server, Chips und Speicherbausteine in Millionengüter: Seit Juni haben Diebstähle von Tech-Fracht in den USA Schäden von über 110 Millionen Dollar verursacht.

Kriminelle Banden haben es derzeit besonders auf Server, Kupferkabel und Speicherchips abgesehen. (Bildquelle: Unsplash Nishat Samadzai) Kriminelle Banden haben es derzeit besonders auf Server, Kupferkabel und Speicherchips abgesehen. (Bildquelle: Unsplash / Nishat Samadzai)

Der Goldrausch rund um Künstliche Intelligenz erinnert an einen modernen Wilden Westen – inklusive aller typischen Zutaten. Es gibt die neuen Goldminen in Form gewaltiger Rechenzentren und Glücksritter mit prall gefüllten Taschen, die bereitwillig Unsummen für Schaufeln und Ausrüstung zahlen. Nur dass das begehrte Edelmetall heute aus Daten und Silizium besteht.

Was bisher noch fehlte, waren die Postkutschenräuber – doch auch sie sind längst im Spiel. Die Postkutschen von heute sind Sattelschlepper, vollgepackt mit Hardware für den Ausbau moderner Rechenzentren. Wie der US-Sender NBC News berichtet, haben es Kriminelle auf Server, Kupferkabel und Speicherchips abgesehen.

Dabei überlassen die Täter nichts dem Zufall: Sie wählen ihre Beute gezielt aus, noch bevor der Lkw das Lager verlässt, und fangen die Fracht ab, bevor sie ihr Ziel erreicht.

Dieser Artikel stammt im Original von unserer spanischen Schwesterseite xataka-es und erscheint bei GameStar Tech in übersetzter und angepasster Form.

Über 100 Millionen US-Dollar Schaden seit Juni

Seit dem 3. Juni belaufen sich die bekannten Diebstähle von Tech-Frachtgut auf schätzungsweise 110,6 Millionen US-Dollar. Wie das Branchenportal FreightWaves unter Berufung auf Scott Cornell – Vorsitzender der Transported Asset Protection Association (TAPA Americas) sowie Vizepräsident und Frachtkriminalitätsexperte bei SPG Cargo & Logistics – berichtet, bewegen sich die Verluste pro Einzelfall zwischen 2 und 38 Millionen US-Dollar.

Im US-Bundesstaat Illinois stellte der Sheriff von Cook County kürzlich zwei gestohlene Auflieger mit Kupfer und Rechenzentrumsausrüstung im Wert von 1,3 Millionen US-Dollar sicher.

Video starten 1:46 Klassische PCs waren gestern: Nvidia will das Rechner-Rad zusammen mit Microsoft neu erfinden dank RTX Spark

Zwar ist die Gesamtzahl der Übergriffe in den vergangenen Monaten leicht gesunken, der finanzielle Schaden pro Ladung explodierte jedoch regelrecht. Die Sicherheitsagentur Verisk CargoNet erfasste im zweiten Quartal 2026 insgesamt 677 Vorfälle – 26 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Dennoch stieg der Gesamtwert der erbeuteten Fracht von 135,7 Millionen auf stolze 304,6 Millionen US-Dollar. Keith Lewis, Vizepräsident für den operativen Bereich, warnt deshalb eindringlich: »Ein geringeres Vorfallvolumen darf keinesfalls mit einem geringeren Diebstahlsrisiko verwechselt werden.«

Gefälschte E-Mails als Einfallstor

Hinter den Raubzügen stecken keine spontanen Überfälle auf offener Straße. Bereits im April warnte das FBI davor, dass Kriminelle Frachtunternehmen mit gefälschten E-Mails und Phishing-Links ins Visier nehmen, um in deren Logistiksysteme einzudringen.

Mit den gekaperten Unternehmensprofilen platzieren die Täter Scheinangebote auf digitalen Frachtbörsen, auf denen Transportaufträge vergeben und ersteigert werden.

Anschließend nehmen sie reale Aufträge im Namen der echten Spedition an, ändern eigenmächtig die Lieferadresse und übergeben die Fracht an ahnungslose Fahrerinnen und Fahrer – oder direkt an Komplizen. Statt eines filmreifen Überfalls auf der Autobahn beladen die Hardware-Distributoren die Lkw der Diebe im festen Glauben, es handele sich um reguläre Transportpartner, oft sogar selbst.

GameStar PC NEON S
GameStar PC NEON S
CPU: AMD Ryzen 5 7500X3D (6x bis zu 4,6 GHz)
Grafik: Nvidia GeForce RTX 5070 12 GB GDDR7
RAM: 32 GB DDR5-6000 (2x 16 GB)
SSD: 2.000 GB M.2 PCIe 4.0 SSD Kingston NV3
Mainboard: Asus ROG Strix B850-F Gaming Wifi7 Neo
  • Schneller X3D-Sechskernprozessor
  • Hohe Details und FPS in WQHD
  • Sehr gute RAM und SSD-Ausstattung
  • 16 GB Grafikspeicher wären wünschenswert
2299 €

Wenn die Ladung wertvoller ist als der Lkw

Ein einziger Sattelschlepper voller Highend-Server kann einen Warenwert von mehreren Dutzend Millionen US-Dollar erreichen – wird auf der Straße aber oft nicht besser gesichert als eine Ladung gewöhnlicher Haushaltsventilatoren. Cornell erklärte dazu: »Wenn die Fahrer Kriminelle sind und das Begleitpersonal abgefangen wird, ergreifen sie die Flucht.«

Hinzu kommt: »Die Fahrer wurden im Vorfeld nicht ordnungsgemäß überprüft.« Die Logistikkette erweist sich mit ihren Papieren und Sicherheitsbegleitungen oft als schwächstes Glied.

Deshalb rüsten die Unternehmen inzwischen bei den Schutzmaßnahmen auf. Im Juni rammte ein Auto laut einem Bericht von NBC News gezielt das Begleitfahrzeug eines Transports, der Hardware im Wert von 13 Millionen US-Dollar zu einem Rechenzentrum bringen sollte. Damals konnte der Lkw noch entkommen. Nur wenige Wochen später traf ein ähnliches Schicksal einen Konvoi in Texas – mit Fracht im Wert von 10 Millionen US-Dollar.

Angesichts der gigantischen Herausforderung, immer mehr Rechenzentren zu bauen, entwickeln die USA das »Tesla unter den Baggern«.


Auch interessant:


Die RAM-Räuber schlagen zu

Mit dem Phänomen organisierter RAM-Diebe hat vor Kurzem wohl kaum jemand gerechnet, doch aus wirtschaftlicher Sicht ergibt das Vorgehen Sinn: Chiphersteller priorisieren die Belieferung von Servern, was die Knappheit und die Preise im Markt massiv anheizt.

Nach Berechnungen von TrendForce verteuerte sich DDR5-Serverspeicher allein im ersten Quartal 2026 um 93 bis 98 Prozent. Für das vierte Quartal wird ein weiterer Anstieg von 10 bis 15 Prozent bei herkömmlichem DRAM erwartet. Die knappen Produktionsmengen fließen fast vollständig in langfristige Verträge.

Shakil Barkat, Vizepräsident bei Google, räumte bereits ein: »Einen solchen Preisanstieg beim Speicher haben wir noch nie erlebt.« Genau diese Verknappung ruft Frachtdiebe auf den Plan – zumal RAM-Riegel extrem kompakt und leicht zu verstecken sind. Cornell bringt es auf den Punkt: »Ich kann die Ware einfach tarnen, indem ich die Frachtpapiere fälsche.«

Wer die gestohlene Hardware kauft? Der Chef von SPG Cargo & Logistics hegt daran keine Zweifel: »Sie haben feste Kunden, sie bedienen eine etablierte Abnehmerbasis und arbeiten gezielte Bestellungen ab.« Nach seinen Schätzungen verlassen sechs bis sieben von zehn in den USA gestohlenen Frachten das Land und landen direkt in ausländischen Rechenzentren.


Kommentare(1)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.