Was passiert eigentlich mit dem Körper eines Wals, wenn er mitten im Ozean das Zeitliche segnet? Das wollten Forscherinnen und Forscher im Südchinesischen Meer herausfinden und die Veränderung auf das Tiefsee-Ökosystem dokumentieren.
Dabei lockten sie hungrige Gäste für ein Festmahl an, die es dort gar nicht geben dürfte. Zuerst darüber berichtet hatten die Kolleginnen und Kollegen von MeinMMO.
Die Studie
Erschienen ist die Studie im Fachjournal Ocean-Land-Atmosphere Research unter der Leitung von Han Tian, einem Forscher der Sun Yat-sen University in Zhuhai.
- Das Experiment sollte einen sogenannten »Whale Fall« simulieren, bei dem ein Kadaver über Jahre hinweg Einfluss auf ein bestehendes Tiefsee-Ökosystem nimmt.
- Statt eines toten Wales kam eine tote Kuh zum Einsatz. Sie ist in Größe und Gewebe einem Wal relativ ähnlich – und ist auch deutlich einfacher zu beschaffen.
- Der Kuhkadaver wurde in 1.629 Metern Tiefe vor der Insel Hainan versenkt.
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Die Ergebnisse
Neben kleineren Aasfressern wurden auch Haie angelockt; das ist in einem eingebetteten Video im obigen Link zur Studie zu sehen.
Was wurde durch den Kuhkadaver angelockt?
Besonders interessant: Im Verlauf des Experiments sind acht pazifische Schlammhaie aufgetaucht. Damit ist das die erste dokumentierte Sichtung dieser Gattung im Südchinesischen Meer.
Normalerweise leben die Tiere im Nordpazifik, etwa auf der Höhe von Japan bis Baja California. Damit markiert diese Entdeckung den bekanntesten südlichen Punkt, an dem Schlammhaie im Pazifik je aufgetaucht sind.
Das Verhalten der Tiere war ungewöhnlich
Wenn wir an fleischfressende Haie denken, dann haben wir ein Bild von einem Raubtier im Kopf, das seine Opfer reißt. Im Falle der pazifischen Schlammhaie ist genau das Gegenteil der Fall.
Die acht Weibchen haben eine Art Rotation gebildet und nacheinander gefressen, fast, als würden sie sich für ein Buffet anstellen. Das stellt das Bewusstsein in Bezug auf Fresshierarchien auf den Kopf.
- Größere Tiere gingen gezielt aggressiver vor.
- Kleinere Tiere hielten zunächst Abstand.
- Anstelle eines Fresskampfes kam es zu einem geordneten System, bei dem fast jeder ein Stückchen vom Ku(h)chen abbekam.
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Eine andere biologische Beobachtung bezieht sich auf die Augen der Schlammhaie. Die Tiere haben ihre Augen immer wieder zurückgezogen, was von den Forscherinnen und Forschern mit Selbstschutz begründet wird. Den Haien fehlt nämlich die Nickhaut, ein schützendes drittes Augenlid.
Darüber hinaus war bei mehreren Exemplaren ein Parasit in den Augen zu sehen, der sonst nur bei Grönlandhaien vorkommt.
Welche Tiere sind sonst noch aufgetaucht?
Neben den Schlammhaien tummelten sich auch andere Tiere rund um den Kadaver, die darauf hindeuten, dass tropische Tiefsee-Ökosysteme womöglich viel lebendiger sind, als wir bisher angenommen haben.
- Schneckenfische
- Amphipoden (kleine Krebstiere)
Was bedeutet das für die Forschung?
Die vermutlich dringendste Frage, die sich bei dieser Studie stellt:
- Haben sich durch den Klimawandel Lebensräume verschoben?
Das lässt sich bisher nicht sagen, denn dazu gibt es zu wenig entsprechende Forschung. Ein vergleichsweise hohes Vorkommen von Schlammhaien an einem Ort und einer Tiefe, in der sie sich sonst nicht aufhalten, könnte auch andere Implikationen haben. Vielleicht finden sich dort unten mehr Nahrungsquellen, als wir bisher vermutet haben.
Klar ist mal wieder: Die Menschen wissen vergleichsweise wenig über die Tiefsee. Es braucht auch in Zukunft Studien und Forscherinnen und Forscher, die dem wortwörtlich auf den Grund gehen.
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