Antikes Armageddon: Die größte Schifffahrtskatastrophe der Geschichte kostete 100.000 Menschen das Leben

Ein Sturm nahe der antiken Stadt Kamarina vernichtete 255 vor Christus Hunderte Schiffe – und geriet fast in Vergessenheit.

Die Schiffskatastrophe von Kamarina forderte so viele Menschenleben wie kein anderes Unglück der Seefahrt. (Bildquelle: Adobe Firefly, KI-generiert; Prompt: Alexander Köpf) Die Schiffskatastrophe von Kamarina forderte so viele Menschenleben wie kein anderes Unglück der Seefahrt. (Bildquelle: Adobe Firefly, KI-generiert; Prompt: Alexander Köpf)

Den Untergang der Titanic halten viele für die größte Schiffskatastrophe aller Zeiten. Doch das ist sie nicht – jedenfalls nicht gemessen an der Zahl der Opfer.

Das gilt nicht einmal für das 20. Jahrhundert. Im Zweiten Weltkrieg wurden etliche Schiffe versenkt, die deutlich mehr Menschenleben forderten.

Allen voran das deutsche Passagierschiff Wilhelm Gustloff, das 1945 von einem sowjetischen U-Boot torpediert wurde und rund 9.000 auf der Flucht befindliche Soldaten und Zivilisten mit in die Tiefe riss – darunter viele Kinder.

Ein fast vergessenes Massenunglück

Doch selbst diese Tragödie verblasst im Vergleich zu dem, was sich vor rund 2.280 Jahren an der Südküste Siziliens nahe der antiken Stadt Kamarina zugetragen hat.

Im Jahr 255 vor Christus sanken dort in einem einzigen Sturm Hunderte römische und karthagische Schiffe. Moderne Schätzungen gehen von bis zu 100.000 Toten aus.

Video starten 0:54 Im Dienste der Wissenschaft: Massenhaft schwarze Bälle werden in ein Wasserreservoir geschüttet

Die Flotte vor Sizilien

Die Katastrophe ereignete sich während des Ersten Punischen Krieges (264 bis 241 vor Christus), als Rom und Karthago um die Vorherrschaft im westlichen Mittelmeer kämpften.

Die beiden römischen Konsuln Servius Fulvius Paetinus Nobilior und Marcus Aemilius Paullus waren beauftragt worden, Überlebende der zuvor geschlagenen römischen Expeditionsarmee aus Nordafrika zu evakuieren. Dafür standen ihnen 350 Kriegsschiffe zur Verfügung.

Auf der Hinfahrt im Juni besiegten sie eine kleinere karthagische Flotte und kaperten dabei 114 Schiffe, die sie in den eigenen Verband eingliederten.

Nachdem die Überlebenden in Clupea an Bord genommen worden waren, trat die Flotte die Rückreise an.

Dabei unternahmen die Römer auch Beutezüge – und genau das wurde ihnen letztlich zum Verhängnis. Denn entgegen dem Rat erfahrener Steuerleute befahlen die beiden Konsuln, an der gefährlichen Südküste Siziliens entlangzusegeln.

Im Juli geriet die Flotte in einen schweren Sturm. 384 von insgesamt 464 Schiffen sanken oder zerschellten an der felsigen Küste.

Die überraschende Reaktion Roms

Bemerkenswert ist auch, wie Rom darauf reagierte. Trotz der gewaltigen Verluste wurden Servius Fulvius Paetinus Nobilior und Marcus Aemilius Paullus nach ihrer Rückkehr triumphal empfangen. Aemilius Paullus wurde sogar mit einer columna rostrata geehrt, einer Ehrensäule für besondere Leistungen in der Seekriegsführung.

Man sah also weniger die Katastrophe selbst als vielmehr die Tatsache, dass ein Teil der Flotte überhaupt zurückgekehrt war – fast so, als habe Rom nicht einmal vor der Gewalt der Natur kapituliert.

Warum das Unglück so verheerend war

Dass die Opferzahl so hoch ausfiel, lag an der schieren Größe und Dichte des Verbands. An Bord waren nicht nur Soldaten, sondern auch Ruderer, Seeleute und wahrscheinlich zahlreiche Gefangene.

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Moderne Kommunikation, Wettervorhersagen oder koordinierte Rettungssysteme waren den Menschen damals selbstverständlich fremd. Hinzu kommt, dass antike Schiffe einem schweren Sturm deutlich stärker ausgeliefert waren als moderne.

Wer in einem solchen Verband in Seenot geriet, hatte oft kaum eine Überlebenschance. Genau deshalb gilt das Desaster von Kamarina als größte bekannte Einzelkatastrophe der Schifffahrtsgeschichte – obwohl kaum jemand ihren Namen kennt.

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