Rasierer gehören zu den langweiligsten Geräten in meinem Badezimmer. Sie surren, tun ihren Job, und danach verschwinden sie wieder im Schrank. Über das Design habe ich mir dabei nie Gedanken gemacht.
Und dann stolperte ich dieses Jahr auf der IFA beim Laifen-Messetand über den P3.
Laifen kennen viele von euch wahrscheinlich von Föhns oder elektrischen Zahnbürsten. Mit dem P3 versucht sich die Marke aber auch an Rasierern, und der P3 sieht so gar nicht nach Badezimmerschrank aus. Eher nach etwas, das glatt von Apple stammen könnte, wenn die iPhone-Schmiede plötzlich Lust auf Pflegeprodukte hätte.
Vier Wochen lang hatte ich den Laifen P3 im Einsatz, sowohl zu Hause, als auch unterwegs im Urlaub. Und dabei schnell gemerkt: Das Design ist nur die halbe Geschichte.
Was ist der Laifen P3?
Der P3 ist ein kompakter Folienrasierer, der statt eines klassischen Stiels einfach in der Handfläche liegt. Das bauchige Gehäuse hat eine matte, keramikähnliche Oberfläche. Ein kleines Sichtfenster offenbart die Technik im Inneren.
Darin arbeiten zwei Linearmotoren mit jeweils 12.000 Schnitten pro Minute, dazu kommt ein Scherkopf mit drei Klingen. Der Kopf hält magnetisch und lässt sich zum Ausspülen einfach abziehen. Dank IPX7-Zertifizierung könnt ihr ihn nass und trocken nutzen.
Der P3 kostet rund 160 Euro, im Set mit Reisetasche je nach Händler 180 bis 190 Euro. Daneben gibt es noch den P3 Pro mit Aluminiumgehäuse, zu dem ich weiter unten noch komme.
Design und Bedienung: So muss ein Rasierer aussehen
Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, aber:
Der Laifen P3 ist einer der schönsten Rasierer, die ich je gesehen habe.
Noch dazu fühlt er sich hochwertig an, nichts klappert, nichts wirkt billig. Durch die runde Form liegt er angenehm in der Hand und die Oberfläche des Keramikgehäuses ist ein echter Handschmeichler. Er sieht nicht aus wie ein Rasierer, sondern wie ein Luxus-Gadget, was es irgendwo ja auch ist.
So clean das Äußere, so simpel ist die Bedienung. Es gibt genau einen Knopf: Drücken zum An- und Ausschalten, gedrückt halten, um die Reisesperre zu aktivieren, damit sich der P3 im Koffer nicht von selbst einschaltet. Eine Anleitung braucht hier wirklich niemand. Eine App schon gar nicht.
Im Alltag kommt mir der P3 nicht sonderlich laut vor. Meine Apple Watch Series 7, die ich zum Nachmessen genommen habe, sieht das allerdings anders.
Aus rund zehn Zentimetern Entfernung habe ich 74 bis 75 Dezibel gemessen (deutlich hörbar). Mein Philips-Bartschneider kommt unter denselben Bedingungen auf 69 bis 70 Dezibel und ist damit spürbar leiser. Ein Flüsterrasierer ist der P3 also nicht.
Trotzdem empfand ich den P3 nicht als störend laut. Er surrt eher hoch, mein Philips brummt tiefer. Wirklich unangenehm finde ich beide nicht.
Apropos Alltag: Geladen wird per USB-C. Eine proprietäre Ladestation, die beim Packen garantiert zu Hause liegen bleibt, gibt es nicht. Ich lade den P3 einfach mit demselben Kabel wie mein iPhone.
Laifen verspricht bis zu 100 Minuten Laufzeit pro Akkuladung. Ich musste den P3 in vier Wochen genau einmal laden, weil eine Rasur meist recht schnell erledigt ist. Für den Notfall sollen drei Minuten am Kabel für eine siebenminütige Rasur reichen.
Die Rasur: Glatte Flächen ja, Rundungen eher nicht
Normalerweise trage ich meinen Bart kurz getrimmt, glatt rasiere ich mich nur selten. In den vier Wochen habe ich den P3 deshalb auf zwei Arten genutzt. Mal für eine komplette Glattrasur, mal nur für saubere Konturen an Wangen und Hals.
Auf geraden, glatten Flächen macht er seinen Job richtig gut. Ein, zwei Züge, und die Haut ist sauber. Dazu fühlt sich die Rasur auf der Haut angenehm an. Ich hatte weder Probleme mit Rötungen, noch mit Juckreiz oder Schmerzen.
Der Laifen P3 erwischt nahezu alle Haare – ohne die Haut zu reizen.
Schwieriger wird es überall, wo das Gesicht rund wird. Am Kinn und an den Wangen muss ich mehrmals drübergehen, bis wirklich alles erwischt ist. Der Scherkopf selbst ist nämlich starr, nur die Klingen federn. Den Winkel muss ich deshalb mit der Hand nachführen, und das klappt an Rundungen eher mäßig.
Achtung bei zu langen Stoppeln. Sind die Barthaare etwas länger, ziept es unangenehm. Ein 3-Tage-Bart ist okay, bei einem 7-Tage-Bart dagegen wird's eher schmerzhaft. Am besten funktioniert der P3, wenn ihr regelmäßig rasiert und die Haare kurz haltet.
Auch für Konturen ist er nur bedingt gemacht. Eine präzise Kante an Wange oder Hals zu ziehen, fällt mir mit dem Scherkopf schwer. Dafür greife ich lieber wieder zum Bartschneider.
Nach dem Gebrauch lässt sich der P3 leicht reinigen. Dazu nehmt ihr den magnetisch haltenden Kopf einfach ab und haltet ihn unters Wasser. Ihr müsst kein Knöpfchen drücken und euch nicht die Fingernägel an einer Kante abbrechen, weil irgendwas klemmt. Das hat Laifen gut gelöst.
Was besser sein könnte
Neben der Rasurleistung an Rundungen gibt es ein paar Kleinigkeiten, die mir bei einem Gerät für 160-180 Euro etwas sauer aufstoßen.
Keine Längeneinstellung: Stufen für die Haarlänge sucht ihr vergeblich, einen ausklappbaren Trimmer ebenfalls. Wer wie ich einen kurzen Bart trägt, braucht also weiterhin einen Bartschneider daneben.
Keine richtige Akkuanzeige: Eine kleine LED meldet sich zwar, wenn der Akku fast leer ist. Wie viel Laufzeit noch übrig ist, verrät der P3 aber nicht. Bei bis zu 100 Minuten Laufzeit ist das verschmerzbar, schön ist es trotzdem nicht.
Kaum Zubehör: Abgesehen von Ladekabel, Schutzkappe und meiner Reisetasche liegt nichts bei. Kein Reinigungspinsel, keine Aufsätze, kein Netzteil. Für den Preis hätte ich mir zumindest ein Pinselchen gewünscht.
Die Reisetasche spart weniger Platz als gedacht. Im Urlaub hatte ich den P3 samt Täschlein dabei. Das sieht schick aus, ist aber quadratisch. Dadurch braucht es im Gepäck kaum weniger Fläche als der Beutel meines Philips-Bartschneiders. Der ist zwar länger, dafür aber deutlich schmaler. Kompakt ja, ein Platzwunder nein.
Laifen P3 Pro und T1 Pro als Alternative
Wer Wert auf ein stylishes Design legt, findet kaum hübschere Rasierer als von Laifen. Der Hersteller hat noch zwei weitere Modelle im Portfolio. Der große Bruder P3 Pro steckt in einem Gehäuse aus Aluminium, technisch ist er sonst weitgehend identisch.
Offiziell kostet er 200 Euro, im Handel ist er teilweise aber schon für rund 150 Euro zu haben. Damit liegt er preislich mitunter gleichauf mit dem P3. Vergleicht vor dem Kauf also genau die Preise.
Wer eher Konturen ziehen als glatt rasieren will, sollte sich den Laifen T1 Pro anschauen. Er ist schlank wie ein Stift, kommt mit Trimmeraufsätzen und kostet rund 160 Euro. Für die komplette Rasur ist er aber weniger gemacht.
Fazit: Für wen lohnt sich der Laifen P3?
Ich mag den P3. Jedes Mal, wenn ich ihn in die Hand nehme, freue ich mich ein bisschen über dieses Design. Er ist kinderleicht zu bedienen und lädt über dasselbe Kabel wie mein Handy.
Bei der eigentlichen Rasur kommt er an das Niveau seines Designs aber nicht ganz heran. Auf glatten Flächen arbeitet er gründlich, an Kinn und Wangen muss ich nacharbeiten, und bei längeren Haaren ziept es unangenehm. Für präzise Konturen taugt er nur bedingt.
Für euch heißt das: Der P3 ist ein Rasierer für alle, die sich regelmäßig glatt rasieren. Wenn ihr die Stoppeln kurz haltet und einen schicken, reisetauglichen Rasierer mit USB-C sucht, macht ihr mit ihm wenig falsch. Wer dagegen einen Bart trägt und vor allem Konturen ziehen will, ist mit einem Bartschneider besser bedient.
Und klar: Den Preis für den P3 zahlt man vor allem wegen des Designs und der Wertigkeit. Wem das egal ist, kann zu deutlich günstigeren Alternativen greifen, muss dann aber gegebenenfalls auf den Komfort der sanften Rasur und leichten Reinigung verzichten.

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