Seite 2: Test: Ich habe Legos Volvo Bagger fertiggebaut und frage mich jetzt, warum in aller Welt der fast 400 Euro kostet

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Langsam und kraftlos

Ein großes Verkaufsargument von Set 42215 und vermutlich auch neben der Volvo-Lizenz der Grund für den hohen Preis sind die Motorfunktionen. Sechs AA-Batterien treiben den 9V-Motor an, der anschließend den zweiteiligen Baggerarm bewegt.

Das war's an Funktionen: Weder fährt das Lego Technic Set vor und zurück noch könnt ihr die (manuell sehr leichtgängige) Drehung des Baggers motorisieren. Eine Möglichkeit, das Ganze per App fernzusteuern oder gar bestimmte Bewegungen zu programmieren, ist ebenfalls nicht gegeben.

Arm #1 Der schmale Arm nutzt solche Zylinder (Mitte), um die Bewegung zu erzielen.

Arm #2 Die möglichen Neigungswinkel decken ein großes Spektrum ab.

Arm #3 Neben der großen Baggerschaufel lässt sich auch ein Presslufthammer montieren und problemlos austauschen.

Arm #4 Die Aufsätze werden einfach eingehängt, sind aber trotzdem ausreichend fest montiert.

Arm #5 Wenn da nur ein Zahnrad falsch steckt, gibt's Probleme.

Arm #6 Jap, die Schaufel ist hier falsch rum montiert. Seht es als Easteregg!

Die größte Enttäuschung ist aber die Geschwindigkeit, mit der sich der Bagger unter Strom bewegt. Das hat nämlich etwas vom Beobachten einer Kontinentalplatte oder eines Eisbergs. Die Konstruktion surrt angestrengt, während sich der Arm in Zeitlupe hebt oder senkt.

Das Problem sind die Zylinder, die zwar massiv und lang sind, sich aber nur durch Drehen verlängern oder verkürzen lassen und das in einem elendig geringen Tempo. Das sorgt auch dafür, dass sich der Baggerarm nicht bei ausgeschaltetem Monitor bewegen lässt, da könnt ihr so viel drücken und zerren, wie ihr wollt.

Wer es nicht glauben mag, hier seht ihr den Volvo Bagger in Aktion (ab 10:13):

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Fast eine Minute (40 Sekunden) dauert es, den Arm von einem Extrem zum anderen zu bewegen, also etwa von ganz nah am Korpus bis ganz weit weg. Das braucht viiiiiel zu viel Zeit und macht den Bagger zu einem reinen Ausstellungsstück, bei dem man die Batterien entfernt, nachdem man den Arm in die für das Regal gewünschte Position gebracht hat.

Wie es besser (und dabei günstiger) geht, zeigt die Konkurrenz. So gibt's etwa den schicken gelben Raupenbagger von Mould King mit 1.829 Teilen für nur 112 Euro mit App-Fernbedienung. Der ist fast genauso lang wie das Lego-Modell (50 Zentimeter). Zu weniger als einem Drittel des Preises bekommt ihr ein bespielbares Modell, dass sich weitaus flexibler bewegen lässt. Auch ist hier die Optik noch ein bisschen kohärenter, trotz fehlender Lizenz.

Der Cada-Bagger mit 1.702 Steinen und einer UVP von 94,90 Euro ist inzwischen nicht mehr lieferbar, ließ sich aber auch manuell bedienen.

Und ja, auch Lego selbst hat es schon besser gemacht, etwa beim 42100 Liebherr R 9800 von 2019. Schon damals ließ sich der Bagger per App kontrollieren und bot ein deutlich besseres Preis-Leistungs-Verhältnis von 11 Cent pro Stein (42215: 17 Cent). Der 8043 Raupenbagger war derweil ein RC-Modell mit physischer Fernbedienung, bei dem man 2010 Ketten-Unterbau und Arm unabhängig voneinander per Motor bewegen konnte.

Fazit zu Lego Technic 42215: Volvo EC500 Hybrid Bagger

Ihr seht schon, es fällt schwer, Legos Volvo Bagger über den grünen Klee zu loben. Dafür gibt es einfach zu viele Negativpunkte:

Pro
  • beeindruckende Ausmaße
  • meist spaßiger Aufbau
  • sieht dem Original recht ähnlich
Kontra
  • heftiger Preis bei geringer Leistung
  • extrem langsam und nur teilweise motorisiert
  • kein einziger bedruckter Stein
  • Cockpit könnte detaillierter sein
  • recht viele offene Stellen

Tatsächlich habe ich mich beim Aufbau mehr als einmal gefragt, welche Zielgruppe Lego damit ansprechen will.

  • Wer eine Leidenschaft für dicke Maschinen von Volvo und anderen Herstellern hat, wird sich über kleine Unstimmigkeiten ärgern.
  • Möchte jemand dagegen möglichst viel mit den Motorfunktionen herumspielen, findet er oder sie anderswo Besseres.

Einzig, wer wie ich damit zufrieden ist, sich den Bagger in die Vitrine zu stellen und nie wieder anzufassen, könnte eine gewisse Befriedigung aus dem Kauf ziehen, zumal mir der Aufbau für ein Technic-Set abwechslungsreich und fordernd erschien.

Aber der exorbitante und angesichts der Kritikpunkte kaum zu rechtfertigende Preis wird selbst bei solchen Menschen dafür sorgen, dass sie sich den Kauf zweimal überlegen. Für 400 Euro könnt ihr euch nämlich viele schöne andere Baukästen besorgen, egal ob von Lego oder anderen Herstellern. Warum sich also mit einem der schwächeren Sets aus dem 2025-Lineup zufriedengeben?

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