Wozu benötigt man einen zweiten Bildschirm in einem Laptop? Sicherlich nicht zum Spielen, denn dafür hat das ThinkBook Plus unzureichend grafische Pferdestärken. Zum Arbeiten? Schon eher, nur kommt es darauf, an, was man mit diesem dünnen Allrounder anstellen möchte.
An reiner Rechenkraft mangelt es keineswegs, denn davon bringt die bis zu 4,7 GHz schnelle Intel Core i7 12700H-CPU, die in unserem Testmuster verbaut wurde, mehr als genug mit. 32 Gigabyte fest verlöteter LPDDR5-Arbeitsspeicher sowie eine NVMe-Festplatte von einem Terabyte genügen allemal für ungehindertes Arbeiten.
Ausschlaggebend ist vielmehr der Formfaktor. Da die dritte Generation des ThinkBook Plus nicht mehr dem handelsüblichen 17-Zoll-Format ihres Vorgängers folgt, sondern auffällig in die Breite gewachsen ist, ergeben sich diverse Vor- und Nachteile.
Ultraweit und hochwertig
Wenn man das Thinkbook Plus Gen 3 zum ersten Mal aus der Verpackung holt, staunt man nicht schlecht. Mit seinen Maßen von 42 x 22 x 1,7 cm und 2 kg Gewicht wirkt es auf den ersten Blick zwar angenehm schlank, aber auch wuchtig breit. Befürchtungen, es passe nicht in eine typische Laptoptasche, erweisen sich dennoch als unbegründet.
Beim Aufklappen offenbart das Gerät alle Vorteile seines Designs auf einen Schlag: Ein 17,3 Zoll Touchscreen im 21:10-Format thront über einer linksbündigen Tastatur mit angenehm großen Tasten und einem rechtsbündigen 8-Zoll-IPS-Touchscreen in Hochkant-Ausrichtung.
Ein prüfender Blick zeigt, dass alle Bauteile ästhetisch wie haptisch aufgeräumt sind und von hoher Fertigungsqualität zeugen. Dünne, aber stabile Scharniere, wenig Plastik, dafür viel kühles Aluminium. Diesen Laptop in ausgeschaltetem Zustand zu betrachten, ist bereits Balsam für die Augen.
Ein Eindruck, der nach dem Einschalten über den mit einem Fingerabdrucksensor versehenen Netzschalter keineswegs entkräftet wird. Von der Klangqualität darf man bei solchen flachen Laptops normalerweise nicht zu viel erwarten, aber der Sound ist satter und kräftiger, als man denkt, was schon bei den ersten Windows-Jingles klar wird.
Beim Bildschirm punktet Lenovos Sprössling sogar noch deutlicher. 3072 x 1440 Pixel blitzen bei 120 Hz auf, um das vollkommen reflexionsfreie Ultrawide-Panel mit kräftigen Farben zu füllen. Etwa 400 Nits maximale Helligkeit mit 95 Prozent des P3-Farbraums bei einem Kontrast von 1000:1 unterstützt der Bildschirm, sodass Grafikkünstler keinerlei Einbußen fürchten müssen.
Nicht ganz so gut fällt das Urteil über den Zusatzbildschirm aus, der mit 800 x 1280 Pixeln arbeitet. Er offeriert in seinem 2:3-Format nur 60 Hz Bildwiederholrate, ist sichtbar blasser und ein wenig anfälliger für Reflexionen. Aber wozu braucht man den denn überhaupt?
Ein kleiner Alleskönner auf der Seite
Nun, sofern man nicht linkshändig veranlagt ist, taugt der zweite Bildschirm für so ziemlich alles, was der Produktivität zuträgt. Er macht sich als Werkzeug-Lager bei Photoshop ebenso gut wie als sekundäres Fenster in Blender. Mithilfe kleiner Touch-Symbole am unteren Rand zeigt er ein Nummernfeld an oder hält handschriftliche Notizen in einem virtuellen Schreibblock fest.
Will man diese nicht mit dem bloßen Finger kritzeln, holt man sich den Stylus zur Hilfe, der auf der Rückseite des Geräts in einem Einschub lagert und auch auf dem Hauptbildschirm nutzbar ist. Kleine Hilfsmittel wie das Heranzoomen per Fingergeste oder die Möglichkeit, den Inhalt des zweiten Bildschirms in ein weiteres Fenster auf dem Hauptbildschirm zu kopieren, verwandeln das vermeintliche Gimmick in ein flexibles Werkzeug.
Das Einzige, was im Testbetrieb ein wenig störte, war die wenig intuitive Handhabung beim Zurückschalten einiger Bildschirmfunktionen, denn manchmal verweigert der kleine Screen die Anzeige seiner Touch-Buttons.
Als Bonusfunktion für Besitzer ausgewählter Motorola Smartphones erlaubt der Zusatzscreen eine Bildschirm-Spiegelung oder die Verwendung der Handy-Kamera als Webcam. Dazu ist die App Ready For
nötig.
Das Koppeln geht dank des Scans eines QR-Codes kinderleicht, sodass sämtliche Nutzungsmöglichkeiten inklusive Datentransfer bei unserem Test mit einem Motorola Edge 30 Pro innerhalb von Sekunden zur Verfügung standen. Da diese Funktion aber Smartphones aller anderen Marken vorenthalten bleibt, kann sie leider nicht als echter Vorteil des Laptops gewertet werden.
Schade, wobei das den grundsätzlichen Nutzen des zweiten Bildschirms keinesfalls vermindert. Je mehr man sich an ihn gewöhnt, desto weniger will man ihn missen, obwohl der Hauptbildschirm mit seinem Ultrawide-Format mehr als genug Arbeitsfläche bietet.
Allein durch diesen Faktor zahlt sich das besonders breite Format dieses Laptops aus, denn nur so passen zweiter Bildschirm, Touchpad und Tastatur ohne Einbußen bei Größe und Haptik nebeneinander. Tippen ist so bequem wie bei jedem anderen großen Laptop. Trotzdem ergeben sich durch die Breite auch ein paar Nachteile.

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