4K-TV mit OLED und 120 Hertz: So müssen Spiele gespielt werden

Der LG OLED 65 CX verbindet Fernseher und Computer-Monitor. Wie gut es sich mit OLED-Technik und 120 Hertz spielen lässt, klären wir im Praxistest.

von Alexander Köpf,
06.07.2021 11:30 Uhr

LG OLED 65 CX. LG OLED 65 CX.

Zusammenfassung: Der LG OLED 65 CX bietet überragende Farbdarstellung und Kontrast beim Schauen von Filmen und Serien. Sein volles Potenzial entfaltet sich aber erst beim Spielen, sobald die 120 Hertz Bildwiederholrate und der »Instant Response Mode« für möglichst niedrige Eingabeverzögerung zum Zuge kommen. Als Sahnehäubchen dient die Unterstützung von HDR. Abgesehen von einer etwas frickeligen 120-Hertz-Einstellung am PC gibt es kaum Kritikpunkte.

Pro
  • Überragende Bildqualität dank OLED-Technik
  • perfekte Schwarzdarstellung
  • HDR-Unterstützung
  • 120 Hertz Bildwiederholrate
  • Modus für geringe Latenz
Contra
  • schlechte Energieeffizienz
  • 120 Hertz Bildwiederholrate muss auf unserem Testsytem nach jedem Neustart neu eingestellt werden

Früher war alles klar: Monitore sind für den PC, Fernseher für's Wohnzimmer. Im Laufe der letzten Jahre wurde diese Abgrenzung jedoch mehr und mehr aufgeweicht.

Einerseits, weil Computerbildschirme immer größer werden und dadurch schon beinahe kleine TV-Geräte sind. Andererseits, weil immer mehr Fernseher mit speziellen Technologien ausgestattet sind, die auch PC-Spielern zugute kommen.

Genau so ein Fernsehgerät nehmen wir in Form des LG OLED 65 CX genauer unter die Lupe und schauen, wie es sich an einem 4K-TV mit 120 Hertz Bildwiederholrate und OLED-Technik spielt.

Schnellnavigation:

Das ist der LG OLED 65 CX

Die technischen Spezifikationen des LG OLED 65 CX in der Übersicht:

  • Modell: OLED65CX9LA (2020)
  • Display-Typ: 4K OLED Panel
  • Auflösung: UltraHD 4K (3.840 x 2.160 Pixel)
  • Bildschirmdiagonale: 65 Zoll / 164 cm
  • Native Bildwiederholfrequenz: 100/120 Hertz
  • Bildsynchronisations-Techniken: G-Sync Compatible, AMD Freesync, Variable Refresh Rate (VRR)
  • HDR-Unterstützung: Cinema HDR mit Dolby Vision IQ, HDR10 Pro und HLG
  • Energieeffizienzklasse: G
  • Durchschnittliche Leistungsaufnahme: 133 kWh/1000h (normal), 245 kWh/1000h (HDR)
  • Anschlüsse: 4x HDMI 2.1 (HDCP 2.3), 3x USB 2.0, 1x LAN, 1x Optischer Digitalausgang, 1x Kopfhörerausgang, 3x Antenne (2x Satellit, 1x Kabel), 1x Cl-Slot, 1x IR-Blaser
  • Kabellose Verbindungen: WLAN (802.11ac), Bluetooth (v.5.0)
  • Preise: 3.100 Euro (UVP, Stand Februar 2020), mittlerweile für rund 1.600 bis 1.800 Euro erhältlich

Was sind die Besonderheiten des LG OLED 65 CX?

Besonders interessant ist der LG OLED 65 CX sowohl aufgrund der hohen Bildwiederholfrequenz als auch wegen der Unterstützung von Nvidia G-Sync Compatible und AMD Freesync. Das verhindert lästiges Einzelbildzerreißen (Screen Tearing). Zusätzlich werden die Ein- und Ausgabeverzögerungen dank der OLED-Technik und Auto Low Latency Mode (ALLM) respektive Instant Response Mode minimiert.

Bei dem LG OLED 65 CX handelt es sich übrigens um ein Modell aus dem Vorjahr. 2021er-Modelle waren zum Zeitpunkt unserer Anfrage bei LG noch nicht weitläufig und für längere Testzeiträume verfügbar.

Problemfall Einbrennen: Ein längerer Testzeitraum ist für uns in diesem Fall besonders wichtig, weil bei OLED-Geräten das sogenannte Einbrennen gefürchtet wird. Ein Effekt, der sich - falls überhaupt vorhanden - erst durch längeren Gebrauch zeigt und dem wir uns in einem späteren Artikel noch genauer widmen werden. Bislang haben wir übrigens kein Einbrennen feststellen können.

Wie ihr euren Spiele-PC am 4K-Fernseher anschließt, erklären wir euch im folgenden Guide:

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Wie gut ist der LG OLED 65 CX generell?

Wer noch nie einen OLED-TV live gesehen hat, wird von der Bildqualität des 65 CX schlichtweg begeistert sein. Wir haben für unseren Check mehrere TV-Geräte und Monitore mit gleichem Inhalt nebeneinander laufen lassen. Im Vergleich zu einem herkömmlichen LCD-LED-Gerät gleicher Größe fällt der Unterschied erwartungsgemäß gewaltig aus. Aber auch im Vergleich zu hochwertigen IPS-Monitoren ist ein großer Qualitätsunterschied zu erkennen.

Vor allem die Schwarzwerte sind hierfür entscheidend. OLEDs leuchten in Bereichen, in denen Schwarz dargestellt wird einfach nicht. Daher ist der Kontrast zu umgebenden Pixeln theoretisch unendlich hoch. IPS-Panele kommen hier in der Regel auf Werte von 1000:1 (statisch), VA-Panele auf 3000:1 (statisch). Die Farbdarstellung selbst ist ebenfalls hervorragend.

Um es kurz zu fassen: Der LG OLED 65 CX lässt mit Blick auf die Darstellungsqualität keine Wünsche offen. Egal ob Film, Serie oder Dokumentation, wir haben stets den Eindruck, dass alles genauso aussieht, wie es vom Regisseur gewünscht ist.

Was die gängigen Panel-Typen für PC-Monitor voneinander unterscheidet, erfahrt ihr im folgenden Artikel:

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Wie gut eignet sich der LG OLED 65 CX zum Spielen?

Fokus unseres Checks sind Spiele, denn LG bewirbt das Gerät mit besonderen Gaming-Eigenschaften: Neben dem Auto Low Latency Mode (ALLM) soll die Reaktionszeit des Panels dank der schnellen OLEDs bei einer Millisekunde liegen.

Tatsächlich haben wir den Eindruck, dass sich Signaleingaben, beispielsweise via Controller, spürbar direkter anfühlen als mit einem herkömmlichen Fernsehgerät. Unser Vergleichsmaßstab ist ein Fernseher von Sharp, das ebenfalls mit 4K auflöst. In Cyberpunk 2077 vernehmen wir damit ein deutlich trägeres Eingabeverhalten als mit dem Gerät von LG, bei dem uns mit Blick auf die Latenz noch nicht einmal ein Unterschied zu einem PC-Monitor auffällt.

Dazu kommen noch die 120 Hertz und im Falle unseres Testsystems mit einer Nvidia Geforce RTX 3090 die Bildsynchronisationstechnik G-Sync Compatible. Um die hohe Wiederholfrequenz bei 4K-Auflösung in Cyberpunk 2077 einigermaßen auszunutzen, aktivieren wir neben dem Grafik-Preset Ultra den KI-Upscaler DLSS (Deep Learning Super Sampling) im Modus Qualität. So erreichen wir je nach Szene zwischen 60 und 80 Bilder pro Sekunde. Was DLSS ist, erklären wir euch im folgenden Video:

Was ist DLSS? - Nvidias neue Kantenglättung im Detail erklärt 9:05 Was ist DLSS? - Nvidias neue Kantenglättung im Detail erklärt

Cyberpunk 2077 auf dem OLED-TV

Die dystopische Science-Fiction-Welt von Night Ciy ist dabei wie geschaffen für die OLED-Technik. Die vielen dunklen Ecken, Neonreklamen und Reflexionen in den Pfützen und Fenstern. Hier kann der 65 CX seine Muskeln spielen lassen - und wir sind schlichtweg begeistert.

Auf den folgenden Bildern seht ihr eine Szene aus Night City. Der Bildausschnitt ist um 800 Prozent vergrößert und wurde mit einer Systemkamera (Sony Alpha 7) aufgenommen. Die Unterschiede wirken in den Aufnahmen weniger offensichtlich als es live der Fall ist, achtet aber vor allem auf die Schwarzwerte:

Der LG OLED 65 CX liefert ein sattes, tiefes Schwarz, das Gerät von Sharp hingegen zeigt deutlich mehr Grauanteil, bedingt durch die Hintergrund-Beleuchtung. Der Acer Predator XB321HK liefert ebenfalls ein gutes Ergebnis, muss sich aber dennoch dem 65 CX geschlagen geben.

Gleiches gilt für die folgenden Aufnahmen. Der 65 CX liefert das beste Ergebnis, auf den Bildern lassen sich die Unterschiede jedoch weit schwerer ausmachen als vor Ort:

Besser kann Cyberpunk 2077 unserer Meinung nach gar nicht aussehen. Auf einem normalen TV-Gerät ohnehin nicht und selbst ein hochwertiger 4K-Gaming-Monitor mit IPS-Panel verblasst dagegen - im wahrsten Sinne des Wortes.

Das gilt uneingeschränkt für alle Titel, die wir auf dem LG OLED 65 CX ausprobiert haben: Die Farben wirken viel satter und brillanter, Schwarz ist einfach echtes Schwarz, kein Grauschleier aufgrund von Hintergrundbeleuchtung und durch den enormen Kontrastumfang leuchten die Farben richtiggehend.

Abstriche in der B-Note: So gut uns die 120 Hertz gefallen, auf unserem Testsystem haben wir damit durchaus zu kämpfen. Wir müssen die Option in der Nvidia Systemsteuerung nach jedem Neustart aktivieren, da der Bildschirm sonst wieder mit den standardisierten 60 Hertz angesteuert wird.

Ob das Problem mit Windows, der Nvidia Systemsteuerung oder dem 65 CX selbst zusammenhängt, können wir jedoch nicht abschließend klären.

In den Kommentaren haben einige von euch darauf hingewiesen, dass sie das Problem nicht bestätigen können. Das spricht für ein Problem mit unserem Testaufbau. Wir gehen dem weiter nach.

Für wen lohnt sich der LG OLED 65 CX?

Den LG OLED 65 CX gibt es im Angebot teils schon für unter 1.600 Euro. Das ist zwar immer noch viel Geld, gemessen an den 3.100 Euro UVP zur Markteinführung Anfang 2020 ist das jedoch ein guter Preis. Wer schon immer einen OLED-TV kaufen wollte und besonderen Wert auf das Spielen mit hoher Hertzzahl legt, ist hier goldrichtig.

Der Rechner sollte allerdings zum Bildschirm passen. Um die 120 Hertz bei 4K-Auflösung in aktuellen Triple-A-Titeln voll auszunutzen, braucht es eine moderne High-End-Grafikkarten vom Schlage einer RTX 3080, RX 6800 XT oder zumindest einer RTX 2080 Ti.

Fazit der Redaktion

Alexander Köpf
@NebulaMutara

Das Erste, was ich mit dem LG OLED 65 CX gemacht habe, war eine Naturdokumentation in 4K zu schauen. Ich habe Farben auf einem heimischen TV-Gerät noch nie in solch einer Brillanz erlebt. Dazu das satte Schwarz und der dadurch enorme, theoretisch unendlich hohe Kontrast. Kurzum: Ich habe mich in den 65-Zöller und vor allem die OLED-Technik samt 120 Hertz Bildwiederholrate verliebt.

Punktabzüge gibt es lediglich für Probleme mit der Verbindung zwischen PC und TV-Gerät in Zusammenhang mit den 120 Hertz. Bei jedem Neustart müssen wir die 120 Hertz in der Nvidia Systemsteuerung neu einstellen, gleichzeitig lassen sich Monitore bei aktiven 120 Hertz nicht mehr aus dem Ruhezustand holen und bleiben schwarz.

Dennoch hat ich mich der LG OLED 65 CX sogar noch schwerer beeindruckt, als ich zum ersten Mal Cyberpunk 2077 probiert habe. So müssen die Entwickler meiner Meinung nach den Look angedacht haben, so soll Night City eigentlich aussehen.

Allerdings bietet es sich grade auf dem PC nicht immer an, ein Display in der Größe typischer OLED-Geräte zu verwenden. Sehr gespannt bin ich außerdem darauf, wie sich der LG-Fernseher in puncto Einbrennen nach längerer Nutzung schlagen wird.

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