649 Euro für ein Lenkrad-Set aus Motor-Basis und Lenkrad-Aufsatz wie beim neuen RS50 von Logitech sind viel Geld. Selbst Enthusiasten müssen dafür sparen oder ihr Weihnachtsgeld opfern, schließlich kommen da noch Pedale dazu. Nimmt man die zur Serie passenden, kommt man auf insgesamt 800 Euro.
Diese Summe markiert herstellerübergreifend eine Schallmauer, die Gelegenheitsspieler von Racing-Fans trennt.
So wie ein Musiker nach dem ersten Lerninstrument irgendwann ein ernsthaftes Werkzeug will, verlangen virtuelle Asphaltpiloten nach präziserem Material. E-Sportler und extreme Fans setzen auf das Oberklasse-Segment ab 1.200 Euro.
Logitech stößt mit dem RS50-Bundle spät in die gehobene Mittelklasse vor, liefert aber sofort ab. Für 800 Euro bekommt man hier mehr als bei der Konkurrenz – und zwar auf eine Weise, die alte Tugenden des Simracings wiederbelebt: Gefühl, Kontrolle, Handwerk.
Warum ich Logitechs Designentscheidung so spannend finde
Logitech ist kein Neuling, machte sich in den letzten Jahren aber am ehesten im Einsteigersegment einen Namen. Das beliebte G923 ist solide, nur eben kein Herausforderer für Fanatecs und MOZAs Direct-Drive-Einsteiger-Systeme.
Mit dem RS50 ändert sich das grundlegend.
Technische Daten:
- Direct-Drive-Motor mit 8 Newtonmeter Drehmoment
- Lenkradkranz mit 29 cm Durchmesser
- Modularer Lenkrad-Hub mit Steuerungselementen lässt sich abschrauben
- Per separat erhältlichem Adapter mit allen USB-Pedalen von Logitech kompatibel
- Tischklemme im Bundle enthalten, Pedale aber nicht
- Bundle-Preis: 649 Euro (PlayStation Version)
- Passende RS-Pedale inklusive Load-Cell-Bremse für 149 Euro erhältlich
Acht Newtonmeter Drehmoment klingen nach typischer oberer Mittelklasse. Entscheidend ist allerdings, wie diese Kraft umgesetzt wird.
Das RS50 liefert keine brachiale Gewalt, sondern ein wunderbar kontrolliertes, fein abgestuftes Drehmoment. Es ist ein Lenkrad, das nicht nur simuliert, sondern kommuniziert: Gewicht, Reifenhaftung, Curbs – alles klar, aber nie überzeichnet.
Was mich beeindruckt: Logitech verzichtet auf den üblichen Leucht-Zirkus. Kein überladenes Display, keine RGB-Show, kein Bling-Bling. Die Raffinesse steckt in der Mechanik – in der Laufruhe des Motors, der Haptik, der Präzision der Sensorik.
Altmodisch? Vielleicht. Aber genau das wirkt heute wieder modern: ehrliche Ingenieursarbeit in einer Szene, die sich zu oft in Zahlen verliert.
Wo Logitech punktet
Der erste Eindruck: Kontrolle. Das RS50 ist kein Biest, sondern ein Dirigent. Es zwingt euch nicht in den Sitz, sondern lädt zum Mitspielen ein.
In Kombination mit der Load-Cell-Bremse entfaltet es seine Stärken: Statt auf Wegmessung reagiert sie auf tatsächliche Kraft. Man bremst mit Gefühl, nicht mit Gewohnheit – das sorgt für bessere Dosierung, weniger Blockieren, mehr Vertrauen.
Eine Load-Cell in einem 150-Euro-Pedalset? Ungewöhnlich, zumal die RS-Pedale aus einfachem Aluminium fast asketisch wirken. Doch sie zeigen, in welche Richtung Logitech denkt.
Dann ist da TrueForce – Logitechs Technik, die Audio- und Telemetriedaten in haptisches Feedback umwandelt. Klingt nach Gimmick, funktioniert aber erstaunlich gut.
Kein vibrierendes Bassgehämmer, sondern eine Art zweite Sprache: leichte Vibrationen beim touchieren der Curb, Veränderung des Motorsounds, subtiles Zittern auf unebener Strecke.
TrueForce fügt eine emotionale Ebene hinzu, die vielen klinisch reinen Direct-Drive-Systemen fehlt, und im RS50 viel leiser daherkommt als in Logitechs Einsteiger-Lenkrädern.
Fanatec versucht Ähnliches seit Jahren, doch außer iRacing nutzt kein Spiel bisher deren FullForce
genannte Variante dieser Haptik-Ebene.
Logitechs System hingegen wird von mehreren wichtigen Titeln unterstützt – darunter Assetto Corsa Competizione, Dirt 2.0, Forza Motorsport, Gran Turismo und sogar Arcade-Racer wie The Crew 2.
Gemeinsam mit der sanften, aber kraftvollen Force-Feedback-Basis entsteht eine Haptik, die näher am echten Fahren ist, als der Preis vermuten lässt.
Es ist nicht das kräftigste System – wer 12 bis 15 Newtonmeter kennt, spürt den Unterschied sofort –, aber das RS50 hat etwas, das viele High-End-Geräte verloren haben: Feingefühl.
Kleinere Schwachpunkte
Kompromisse sind unvermeidlich. Der zweiteilige Lenkradaufsatz – bestehend aus Hub und Kranz – ist funktional, aber unspektakulär: flache Knöpfe, ein Funky-Switch, zwei gute Daumenregler.
Dafür gibt es ausgezeichnete magnetische Schaltwippen – letztlich wichtiger als Zierkram. Wer Fanatec- oder MOZA-Ökosysteme kennt, wird die Auswahl an austauschbaren Lenkrädern dennoch vermissen. Mehr als einen anschraubbaren Formel- und einen GT-Kranz könnt ihr nicht nachkaufen.
Immerhin: Die Base funktioniert systemübergreifend. PlayStation-Spieler benötigen eine mit eingebautem Sony-Chip, Xbox-Fahrer hingegen einen lizenzierten Lenkrad-Hub.
Kombiniert man beides, läuft das System auf beiden Konsolen – eine clevere Lösung, die man sich bei Fanatec abgeschaut hat. Eine höhere Auswahl an Lenkradaufsätzen wäre dennoch wünschenswert.
Dank der in G-Hub integrierten Treiber bleiben alle Funktionen übersichtlich, aber Feineinstellungen könnten präziser sein. Immerhin lassen sich fünf Profile speichern – praktisch, um für jedes Spiel eigene Setups zu hinterlegen.
Trotzdem: Für ein Komplettsystem dieser Preisklasse liefert Logitech eine Geschlossenheit, die selten ist. Keine Kompatibilitätsprobleme, kein Firmware-Marathon, kein Bastel-Frust. Es funktioniert einfach – zuverlässig, sauber, präzise. Das allein ist 2025 schon ein Qualitätsmerkmal.
Fazit der Redaktion
Müssen sich Fanatec und Moza warm anziehen? Als überzeugter Fanatec- und MOZA-Nutzer sage ich: Ja! Zumindest müssen sie Respekt zollen.
Das RS50 stürzt die gehobene Mittelklasse nicht, kratzt aber gefährlich an ihrer bisherigen Preis-Legitimation. Es zeigt, dass acht Newtonmeter reichen, wenn sie richtig abgestimmt sind – und dass ein gutes Bremspedal mehr Vertrauen schafft als jedes Display.
Logitech hat kein Wunderwerk gebaut, sondern ein ehrliches Stück Technik, das funktioniert, weil es nicht mehr sein will, als es ist. Kein Statussymbol, sondern Substanz. Die erfreulich leise bleibende TrueForce-Haptik trägt einiges dazu bei, auch wenn es überwiegend um einen psychologischen Faktor geht.
Sie erinnert daran, dass Emotion und Präzision kein Widerspruch sind – und dass Immersion aus Gefühl entsteht, nicht aus optischen Features.
Das RS50 ist kein Angriff auf die Spitze, sondern eine Einladung, das Wesentliche wieder wertzuschätzen. Fanatec und Moza dürfen weiter Kraft demonstrieren – Logitech zeigt, dass leise Stärke und hohe Kompatibilität in der Regel wichtiger sind.

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