Ich habe sechs E-Reader ausprobiert und der beste stammt aus Deutschland – Tolino Vision Color im Test

Es muss nicht immer ein Amazon Kindle sein.

Dieser E-Reader hat mich von sechs verschiedenen Geräten am meisten überzeugt: der Tolino Shine Vision Color. (Bildquelle: Duy Linh DinhGame Dieser E-Reader hat mich von sechs verschiedenen Geräten am meisten überzeugt: der Tolino Shine Vision Color. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/Game

Wenn man 2026 an E-Reader denkt, landen viele Menschen gedanklich sofort bei den Kindles von Amazon. Dabei gibt es inzwischen sehr viele Alternativen, die euch nicht in das Ökosystem des Internet-Giganten einsperren.

Einer von ihnen stammt sogar aus Deutschland und ist meine Top-Empfehlung für alle, die einen vielseitigen E-Reader zu einem fairen Preis suchen. 

Transparenzhinweis:  Der Hersteller hat mir den Tolino Vision Color für den Test kostenfrei zur Verfügung gestellt. Er hatte keinen Einfluss auf den Artikelinhalt und bekam keine Einsicht vor Erscheinen des Tests. Es bestand keine Verpflichtung zu einem Testbericht.

Tolino Vision Color (32 GB)
Tolino Vision Color (32 GB)
Der Tolino Vision Color ist ein exzellentes Gegengewicht zum Amazon-Imperium. Er punktet vor allem durch seine Freiheit: Das offene System und die hervorragende Einbindung der Onleihe machen ihn zum praktischen Begleiter für alle, die sich nicht an einen einzigen Shop binden wollen.

Die Hardware liegt dank des Griffs und der physischen Tasten exzellent in der Hand, während das Farbdisplay einen echten Mehrwert für Comic-Fans bietet. Allerdings müsst ihr zwei Kompromisse eingehen: Die Software reagiert spürbar träge, was beim Navigieren durch Menüs Geduld erfordert. Zudem bleibt ein klassisches monochromes Display (wie beim günstigeren Tolino Shine) für reine Text-Bücher die schärfere und kontrastreichere Wahl.

Wer über die kleinen Gedenksekunden hinwegsehen kann, bekommt hier jedoch einer der derzeit besten Rundum-Pakete für buntes E-Ink auf dem deutschen Markt.
  • Vielseitiger Bildschirm für Bücher, Comics und mehr
  • Offenes System
  • Nativ mit Onleihe kompatibel
  • Praktischer Griff mit physischen Tasten
  • Dank IPX8 zuverlässig gegen Wasser geschützt
  • Auch als Notiz-Tablet verwendbar
  • Langsame Software
  • Nicht besser als monochrome E-Reader für reinen Text
  • Stylus für Notizfunktion muss separat erworben werden
Preis bei Media Markt
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Wissenswertes zum Test
So habe ich getestet

Über einen Zeitraum von zwei Wochen habe ich ungefähr 700 Seiten (zwei Bücher) auf dem Tolino Vision Color gelesen. Dabei hatte ich fünf andere E-Reader im Vergleich, die ich im selben Zeitraum auch gelesen habe. 

Spezifikationen
  • Display: 7-Zoll, E-Ink Kaleido 3, integrierte Beleuchtung mit smartLight, 1264 x 1680, 300 ppi (SW-Inhalte), 150 ppi (Farb-Inhalte)
  • Griff: Ja, mit zwei physischen Tasten
  • Gewicht und Maße: 200 Gramm, 144,6 x 161 x 8,3 mm
  • Schutzklasse: IPX8
  • Akku: 2.050 mAh (mehrere Wochen)
  • Prozessor: MediaTek MTK8113T (Dual Core ARM, A53, 2,0 GHz)
  • RAM: 1 GB
  • Interner Speicher: 32 GB
  • Speicherkartenslot: Nein
  • eBook-Formate: EPUB, MOBI, PDF, TXT, CBR, CBZ, JPEG und PNG
  • Konnektivität: Wi-Fi ac/b/g/n (2,4 und 5 GHz) + BT 5.0, inkl. Zugang zu den HotSpots der Deutschen Telekom AG deutschlandweit
  • Anschlüsse: USB-C
  • Extras: Kompatibel mit separat erhältlichen tolino stylus, Hall-Sensor zur Nutzung von Schutztaschen mit Standby-/Aufweckfunktion, Vergrößerungsmodus, tolino Family Sharing, kostenlose Software-Updates, Modus für Linkshänder
Preis und Verfügbarkeit

Der Tolino Vision Color ist aktuell ab 175 Euro bei verschiedenen Händlern verfügbar.

Verarbeitung und Schutzklasse – komfortabel und wasserdicht

Wie so gut wie alle E-Reader besteht der Tolino Vision Color aus Kunststoff, was aber kein großer Nachteil ist, weil diese Geräte nicht selten lange gehalten werden und deshalb so leicht wie möglich sein sollten. Das Gerät wiegt etwa 200 Gramm und verfügt über eine texturierte Rückseite, die guten Halt bietet. 

Die Power-Taste auf der Rückseite gefällt mir besser als der der Amazon Kindles, die unten herausragen. So kommt es weniger zu unbeabsichtigten Drücken. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Die Power-Taste auf der Rückseite gefällt mir besser als der der Amazon Kindles, die unten herausragen. So kommt es weniger zu unbeabsichtigten Drücken. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Ich bin froh, dass kein Soft-Touch-Kunststoff zum Einsatz kommt wie etwa beim Kindle Paperwhite. Stattdessen ist das Material eher etwas rauer und matt. So sind Fingerabdrücke kaum sichtbar.

Dank IPX8-Zertifizierung ist der E-Reader außerdem bereit für die Badewanne oder den Pool. Sollte er mal kurz auf Tauchgang gehen, müsst ihr euch keine Gedanken machen.


Farbdisplay für Bücher, Comics und mehr

Dank seines Farbdisplays ist der Tolino Vision Color vielseitig einsetzbar. Bei der Anzeige von Schwarz-Weiß-Inhalten ist die Bildqualität besser, was typisch ist für E-Reader mit Kaleido-3-Display (wie etwa Kindle Colorsoft). Bei farbigen Inhalten halbiert sich die PPI (Pixels per Inch) von 300 auf 150. 

Die Farbdarstellung ist deutlich blasser als ihr es auf einem Handy oder Tablet gewohnt seid, aber zum Lesen von Comics, Webtoons und farbigen Mangas oder für die Darstellung von Buch-Covers reicht die Qualität aus.

Tolino Shine (l.), Tolino Shine Color (m.) und Tolino Vision Color bei der Darstellung von Covern. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Tolino Shine (l.), Tolino Shine Color (m.) und Tolino Vision Color bei der Darstellung von Covern. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Solltet ihr primär farbige Inhalte lesen, lohnt sich ein Tablet dennoch mehr, wenn Bildqualität und lebendige Farben euch wichtig sind.

Text ist immer schön scharf, leicht lesbar und in der Größe anpassbar. Weil das Display 7-Zoll groß ist, habe ich außerdem sehr gerne im Querformat gelesen. Mit der passenden Textskalierung wirkt der Bildschirm so wie etwa die halbe Seite eines handelsüblichen Taschenbuches.

Ein augenschonender Modus mit geringem Blaulicht ist ebenfalls an Bord und lässt sich manuell oder automatisch nach Uhrzeit einstellen. 

Das Farbdisplay im Vergleich zu monochromen Displays: Genau wie bei meinem Kindle-Vergleich fällt ein signifikanter Unterschied beim direkten Gegenüberstellen mit monochromen E-Readern auf. Der viel günstigere Tolino Shine ist bei reiner Textdarstellung kontrastreicher und schärfer als der Tolino Vision Color. 

Solltet ihr ausschließlich textbasierte Bücher lesen und nicht unbedingt ein Farbdisplay benötigen, lohnt sich der Griff zu einem günstigeren Gerät mit monochromem Display.


Bedienung und Software: Praktische Funktionen, aber etwas langsam

Griff mit physischen Tasten: Was für eine praktische Ergänzung zu einem E-Reader!

Die Tasten haben eine längliche Pillenform und sind so platziert, dass man sie mit den Fingern leicht ohne Umgreifen erreichen kann. So lässt sich beim Lesen schnell und einhändig umblättern. 

Der Griff ist so konzipiert, dass er sowohl im Hoch- als auch im Querformat gut in der Hand liegt. Wie beim Smartphone lässt sich die Orientierung sperren oder automatisiert wechseln.

Wer beidhändig liest, kann den Tolino Vision Color wie einen Gaming-Handheld halten und beide Tasten mit den Daumen bedienen.

Tolino-Software: Der größte Nachteil des Tolino Shine Color ist seine träge Software. Das Navigieren der Menüs erfordert immer etwas Geduld und ist deutlich langsamer als bei Amazon Kindles. Es kann mehr als fünf Sekunden dauern, bis ein Buch geöffnet wird. Beim Lesen fällt einem die langsame Software zum Glück eher selten auf; Umblättern geht zügig vonstatten. Nur das Öffnen vom Menü dauert mal kurz etwas mehr als eine Sekunde.

Die Software des Tolino ist zwar leicht zu bedienen, aber sehr träge. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Die Software des Tolino ist zwar leicht zu bedienen, aber sehr träge. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Was mir an der Tolino-Software hingegen wirklich sehr gut gefällt, ist die Helligkeitseinstellung per Geste. Beim Kindle müsst ihr das Menü für die Schnelleinstellungen herunterziehen, um die Helligkeit manuell anzupassen. Bei Tolino-E-Readern wischt ihr einfach am linken Bildschirmrand hoch und runter, ohne ein Menü aufrufen zu müssen.

Es fehlt allerdings ein automatischer Helligkeitssensor, den ich aber wegen der praktischen Geste nicht vermisst habe.

Das Display erlaubt farbige Text-Markierungen. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Das Display erlaubt farbige Text-Markierungen. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Onleihe: Hier ist ein Feature, das wirklich für Tolino-Geräte spricht (und Pocketbook, die auch aus Deutschland stammen): Onleihe.

Wenn ihr bei eurer örtlichen Bibliothek angemeldet seid, habt ihr die Möglichkeit, E-Books direkt auf dem Tolino auszuleihen und zu lesen – vorausgesetzt eure Bibliothek ist Teil des Onleihe-Programms. 

Wer keinen Tolino oder Pocketbook besitzt, kann den Service über den Webbrowser oder Smartphone-App nutzen; andere E-Reader, wie etwa der Amazon Kindle, sind nativ inkompatibel.

Auf dem Tolino Vision Color musste ich einfach die Onleihe-Webseite meiner Stadtbibliothek in den Webbrowser eingeben, mich einloggen und schon konnte ich Bücher ausleihen und direkt auf den E-Reader herunterladen. Die Bücher stehen mir dann für den gewählten Zeitraum zur Verfügung und werden danach digital zurückgegeben. Das heißt, die Dateien sind dann einfach nicht mehr aufrufbar. 

Das ist ein richtig praktisches Feature, das euch den Gang zur Bibliothek erspart, euren Geldbeutel schont oder euch ermöglicht, neue Bücher zu entdecken.

Offenes System: Tolino-Geräte werden vom Computer, Smartphone oder Laptop einfach als USB-Laufwerke erkannt und ihr zieht eure E-Books einfach per Drag-and-drop hinein. Es ist kein umständlicher Weg über Apps wie Calibre und Co. notwendig. 

Über den E-Reader ist es zwar möglich, direkt bei Thalia oder Osiander einzukaufen, aber das ist nicht zwingend notwendig. Das Gerät ist mit allen E-Books in den Formaten EPUB, MOBI, PDF, TXT, CBR, CBZ, JPEG und PNG kompatibel, unabhängig von der Quelle.

Selbst viele Jahre später und ohne Hersteller-Support oder Abhängigkeit einer Drittanbieter-App sollten die Tolino-Geräte also funktionsfähig bleiben.

Hörbuch-Funktion: Über den Tolino Vision Color könnt ihr eure Hörbücher anhören, allerdings gibt es keine 3,5mm-Klinke. Stattdessen verbindet ihr Bluetooth-Kopfhörer oder Lautsprecher. So lassen sich über den Shop erworbene Hörbücher anhören.

Leider werden Hörbücher über Sideloading nicht unterstützt – zumindest hat es bei mir nicht funktioniert. Dafür nutzt ihr also besser euer Handy.

Mit Stylus als E-Notizbuch verwendbar: Mit einem optional verfügbaren Stylus wird der Tolino Vision Color zu einem E-Ink-Notizbuch. Leider konnte ich diese Funktion nicht ausprobieren, da der Stylus nicht Teil des Lieferumfangs ist und mir keiner zum Testen zur Verfügung gestellt wurde. 


Akkulaufzeit und Laden – ein großer Vorteil gegenüber Tablets

Genau wie bei anderen Geräten mit E-Ink-Display hält der Akku wochenlang. Diese Bildschirme verbrauchen, ohne Nutzung der Hintergrundbeleuchtung, keine Energie beim Anzeigen der Inhalte, sondern nur beim Ändern. 

Nach zwei Büchern (insgesamt etwa 700 Seiten) war der Akku noch bei 50 Prozent. Das Aufladen geht zügig und ist innerhalb einer Stunde erledigt. Ein Ladegerät liegt allerdings nicht bei, sondern nur ein USB-C-Kabel. 

Tablets vs. E-Reader: Solltet ihr viele Comics und farbige Bücher lesen, tauscht ihr beim Griff zu einem farbigen E-Reader also Bildqualität gegen deutlich bessere Akkulaufzeit ein. 


Solltet ihr euch den Tolino Vision Color kaufen?

Ein tolles Gesamtpaket mit Luft nach oben: der Tolino Vision Color. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Ein tolles Gesamtpaket mit Luft nach oben: der Tolino Vision Color. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Der Tolino Vision Color ist trotz der etwas trägen Software einer der besten E-Reader, die ihr euch in Deutschland kaufen könnt. Er liefert euch ein solides Rundumpaket und Offenheit, die man im Amazon-Ökosystem vermisst.

Er ist für euch geeignet, wenn …

  • … ihr einen E-Reader mit Farb-Display und bequemen Handling sucht.
  • … euch die Onleihe-Funktion und das offene System anspricht.
  • … ihr den E-Reader auch als Notizbuch verwenden wollt (mit optionalen Stylus).

Mögliche Alternativen:

Kindle Colorsoft: Der Kindle Colorsoft ist etwas kompakter, weil er keinen Griff mit physischen Tasten hat. Stattdessen könnt ihr mit ihm umblättern, indem ihr mit dem Finger auf die Rückseite oder an die Seite des Gehäuses tippt. Das kann allerdings auch unbeabsichtigt passieren. Er lohnt sich vor allem, wenn ihr ohnehin im Amazon-Ökosystem unterwegs seid.

Tolino Shine Color: Dieser Tolino ist etwas günstiger und kompakter. Solltet ihr auf den Griff und die Notizbuchfunktion verzichten können, ist er für viele die bessere Wahl. Im Grund bietet er nämlich die wichtigsten Features, die auch der Tolino Vision Color hat. 

Preis-Leistung: Der Tolino Vision Color hat eine UVP von 200 Euro, ist aber auch für Preise ab 175 Euro zu finden. Das ist ein richtig guter Preis für einen E-Reader mit diesem Formfaktor und Display. Zum Vergleich: der Kindle Colorsoft mit genauso viel Speicher (32 GB) kostet 290 Euro. 

Der Tolino Vision Color ist nicht nur günstiger, er bietet mit Onleihe und dem offenen System das deutlich praktischere Gesamtpaket. Die langsame Leistung lässt sich dafür verkraften.

Würde ich mir heute einen E-Reader suchen, der mit einem Farbdisplay ausgestattet ist, wäre dies meine erste Wahl. 

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