Ich habe über 20 Mähroboter getestet – dieser hier macht etwas, das ich noch nie gesehen habe

Klingen tauschen gehört bei Mährobotern dazu wie der Ölwechsel beim Auto. Der Pudu Tomo S will genau das einfach selbst erledigen.

Der Pudu Tomo S kann etwas, was andere Mähroboter nicht können – seine Klingen schärfen. Der Pudu Tomo S kann etwas, was andere Mähroboter nicht können – seine Klingen schärfen.

Meinen Mähroboter habe ich inzwischen zwar bereits winterfest verstaut, doch in der Saison muss ich regelmäßig unter sein Bäuchlein sehen. Denn egal, wie gut und autonom Mähroboter euren Rasen mähen, bei ihnen müssen alle paar Wochen die Klingen gewechselt werden.

Spätestens wenn der Rasen an den Spitzen ausfranst und der Schnitt eher nach Rupfen als nach Mähen aussieht, wird es Zeit: Roboter umdrehen, Schräubchen lösen, neue Klingen drauf.

Das geht schnell, keine Frage. Aber es ist eben eine Sache mehr, an die ich denken muss – bei einem Gerät, das mir eigentlich genau das Denken abnehmen soll.

Über 20 Mähroboter standen inzwischen bei mir im Garten. Kameras, RTK-Antennen, LiDAR, KI-Hinderniserkennung: Bei der Navigation hat sich in den letzten Jahren enorm viel getan. Bei den Klingen dagegen so gut wie nichts.

Bis jetzt.

Der Klingenwechsel wird alle paar Wochen fällig

Wie oft ihr die Klingen wechseln müsst, hängt vor allem davon ab, wie oft und wie lange euer Roboter mäht, welchen Rasen ihr habt und so weiter.

Wer das ignoriert, sieht es irgendwann am Rasen. Die Halme werden nicht mehr sauber geschnitten, sondern ausgefranst, und das Mähergebnis lässt spürbar nach.

Die meisten Mähroboter arbeiten mit kleinen, drehbar gelagerten Rasierklingen. Die sind nicht teuer, ein Satz kostet meist um die 20 Euro.

Nachschärfen lohnt sich bei diesen Plättchen kaum. Sie sind in der Regel nur an der Oberfläche gehärtet, und wer schleift, trägt genau diese Schicht ab.

Was der Pudu Tomo S anders macht

Den Namen Pudu dürften die wenigsten von euch mit Gartengeräten verbinden. Das Unternehmen baut eigentlich Serviceroboter, die in Restaurants Teller ausfahren oder in Hotels Handtücher aufs Zimmer bringen. Laut Hersteller sind weltweit über 130.000 davon im Einsatz, zu den Kunden gehören Walmart, Toyota und Marriott.

Doch der Hersteller hat auf einem Event in Amsterdam seinen ersten Mähroboter für private Gärten vorgestellt und mein Kollege Matthias war vor Ort. Gezeigt wurde der Tomo S, der eine Funktion mitbringt, die ich in über 20 Tests noch nie gesehen habe: Er schärft seine Klingen selbst.

Pudu nennt das System Sharploop. Der Roboter fährt nach dem Mähen in seine Ladestation, dort werden die Messer bei Bedarf automatisch nachgeschliffen. Danach geht es wieder raus auf den Rasen. Mähen, zurückfahren, schärfen, wiederholen.

Der eigentliche Knackpunkt steckt aber unter dem Gehäuse. Statt kleiner Rasierklingen sitzen dort zwei lange, massive Balkenmesser, wie ihr sie von einem klassischen Rasenmäher kennt. Laut Pudu bestehen sie aus korrosionsbeständigem Federstahl und werden immer auf einen Schneidwinkel von 24 Grad geschliffen.

Herkömmliche Klingen Klingen vom Tomo S Herkömmliche Klingen Klingen vom Tomo S

Herkömmliche Möhroboter haben meist drei oder fünf Klingen, die nach einigen Wochen stumpf werden und ausgetauscht werden müssen. Der Tomo S kann seine Klingen nachschärfen.

Genau das erklärt, warum das Konzept hier überhaupt funktionieren kann. Ein dickes Messer verträgt regelmäßiges Nachschleifen deutlich besser als ein dünnes Plättchen.

Pudu wirbt zudem damit, dass die Messer im Labortest auch nach drei Jahren noch scharf waren, während kleine Klingen anderer Mäher schon nach einem Monat stumpf wurden. Das ist allerdings eine Herstellerangabe aus dem Labor. Im echten Garten warten Ästchen, Steinchen und vergessene Spielzeugautos.

Was mein Kollege in Amsterdam gesehen hat

Mein Kollege Matthias konnte sich den Tomo S genauer ansehen und neben Fotos auch ein paar Videos machen. Rein optisch erinnert das Gerät mit seinem breiten Bügel, den grobstolligen Reifen und den zwei runden Leuchtringen vorne eher an ein kleines Mondfahrzeug als an einen Rasenmäher. Ich finde das Design jedenfalls richtig cool.

Pudu führte auch vor, wie der Tomo S eine steile, mit Kunstrasen bespannte Holzrampe hoch und auf der anderen Seite wieder hinunterfuhr, ohne ins Rutschen zu kommen. Wie andere aktuelle Premiummähroboter setzt er nämlich auf Allradantrieb mit vier einzeln angetriebenen Radnabenmotoren.

Pudu verspricht damit Steigungen von bis zu 45 Grad und Hindernisse bis 6 Zentimeter Höhe, womit er sich gut ins Konkurrenzumfeld einfügt.

Video starten 0:15 Pudu Tomo S: Hangfahrt auf Steilrampe

Ebenfalls gut zu sehen: Am Holzzaun des Demo-Rasens mäht der Tomo dicht an den Latten entlang und wendet in der Ecke, ohne lange hin und her zu rangieren. Dafür sorgen ein seitlich versetztes Mähdeck und Hinterräder, die sich um 180 Grad drehen lassen.

Video starten 0:36 Pudu Tomo S: Mähen am Zaun entlang

Bleibt noch die Navigation. Der Tomo kombiniert 360-Grad-LiDAR, eine KI-Kamera und Netzwerk-RTK. In der App, die bei der Vorführung lief, zeigt der Roboter eine 4G- und eine NRTK-Verbindung an. Eine eigene RTK-Antenne im Garten braucht ihr also nicht, ein Begrenzungskabel ohnehin nicht.

Was noch unklar ist

So vielversprechend das klingt, ein paar entscheidende Fragen beantwortet Pudu bislang nicht.

Der Preis. Den gibt es noch nicht. Technisch spielt der Tomo S mit Allrad und LiDAR aber in derselben Liga wie der Mammotion Luba 3 AWD, der in der Variante für 3.000 Quadratmeter rund 2.400 Euro kostet. Ein Schnäppchen ist also eher nicht zu erwarten.

Wie oft geschärft wird. Pudu spricht von »bei Bedarf«, nennt aber kein Intervall. Ebenso unklar ist, wann die Messer trotz Schärfen irgendwann komplett getauscht werden müssen. Ganz ewig hält auch Federstahl nicht, wenn er regelmäßig Material verliert.

Der Alltag. Ein Demo-Rasen in Amsterdam ist eben nicht mein Garten mit Koniferen-Hecke. Wie sauber der Tomo S an echten Kanten mäht und wie er mit Laub und Wurzeln klarkommt, muss sich erst noch zeigen.

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Fazit: Für wen könnte sich der Tomo S lohnen?

Ich finde die Idee richtig gut. Nach über 20 Mährobotern ist das tatsächlich die erste echte Neuerung beim Thema Klingen, die mir untergekommen ist. Statt ein Verschleißteil immer billiger zu machen, setzt Pudu auf ein massives Messer, das sich selbst pflegt.

Gedacht ist der Tomo S für große Grundstücke. Die drei Modelle decken 1.500 bis 5.000 Quadratmeter ab, Hanglagen soll er dank Allrad problemlos schaffen. Wer einen kleinen Reihenhausgarten hat, ist mit einem günstigeren Modell wohl besser bedient.

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Sobald ich ein Testgerät in meinem eigenen Garten habe, schaue ich mir ganz genau an, ob das Selbstschärfen im Alltag hält, was es auf dem Papier verspricht. Denn so etwas habe ich bei einem Mähroboter wirklich noch nie gesehen.


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