Überschätzt wir unseren tatsächlichen Bedarf oder greifen wir einfach zu dem, was uns der Automobilmarkt vorsetzt, weil es schlicht an Alternativen mangelt?
Die Autobranche hat ein handfestes Problem im Einstiegssegment. Mit einem Elektroauto könnt ihr zwar prinzipiell überall hinreisen, doch der Preis dafür ist spürbar: Komfortverzicht (vor allem bei der Reichweite). Ein Verzicht, der euch mitunter zweifeln lässt, ob ihr überhaupt auf große Fahrt gehen wollt.
Bei VWs Ankündigung eines Elektroautos für 20.000 Euro stand ein sprichwörtlicher Elefant im Raum: Was erwarten wir eigentlich von einem Auto?
Ein VW Lupo war schließlich ein perfekter Stadtflitzer. Ein VW Polo bot genau das und ließ euch zusätzlich mehr als zwei Koffer einpacken, um mit Freundinnen und Freunden zu verreisen. Der Seat Ibiza eignet sich bis heute hervorragend als erstes eigenes Auto, um überall hinzukommen – mit mehr oder weniger Komfort, aber ihr kommt an.
Ein kleiner Stromer schlägt einen VW Lupo um Längen. Der VW ID. Polo eignet sich für die Innenstadt weitaus besser als das klassische Verbrennermodell. Denn solche Fahrzeuge verursachen lächerlich geringe Betriebskosten: Sie verbrauchen genau dort extrem wenig Energie, wo ein Verbrennungsmotor am ineffizientesten arbeitet und den höchsten Verschleiß erleidet.
Und trotzdem bestimmen oft nur vereinzelte Ausnahmen im Jahr – jene zwei oder drei Urlaubsfahrten –, welches Auto ihr euch letztlich kauft.
Das ist schade. Es geht hier keineswegs darum, Verzicht schönzureden. Ich möchte nicht wie jene Trendsetter klingen, die englische Begriffe mit der Endung -living erfinden, nur um zu beschönigen, dass sie mit 40 Jahren in einer Wohngemeinschaft mit fünf Fremden leben, weil Wohnraum unbezahlbar geworden ist.
Doch was, wenn ihr eigentlich gar nicht so viel Auto braucht?
Dieser Artikel stammt im Original von unserem Schwestermagazin Xataka und wurde für GameStar Tech in angepasster Form übersetzt.
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| Eigenschaft | Kia EV2 Standard | Kia EV2 Long Range |
|---|---|---|
| Plattform | E-GMP | E-GMP |
| Länge (mm) | 4.060 | 4.060 |
| Breite (mm) | 1.800 | 1.800 |
| Höhe (mm) | 1.575 | 1.575 |
| Radstand (mm) | 2.565 | |
| Batteriekapazität (kWh) | 42,2 | 61,0 |
| Reichweite (km, WLTP) | 317 | 448 |
| DC-Schnellladen (10 bis 80 Prozent) | 0:29 h | 0:30 h |
| AC-Laden (11 kW / 22 kW) | 4:05 h / 2:35 h | 5:35 h / 3:00 h |
| Reifendimensionen | 205/65 R16 215/50 R18 225/45 R19 (GT-Line) | 205/65 R16 215/50 R18 225/45 R19 (GT-Line) |
| Kofferraumvolumen (l, VDA) | 362 (5 Sitze) 403 (4 Sitze mit verschieb- und neigbaren Sitzen) | 362 (5 Sitze) 403 (4 Sitze mit verschieb- und neigbaren Sitzen) |
| Funktionale Ausstattung | Digital Key 2.0, Remote Smart Parking Assist (RSPA Entry), MFR-LED-Scheinwerfer, Harman/Kardon-Premiumsoundsystem, Vehicle-to-Load (V2L), Vehicle-to-Grid (V2G), OTA-Software-Updates | Digital Key 2.0, Remote Smart Parking Assist (RSPA Entry), MFR-LED-Scheinwerfer, Harman/Kardon-Premiumsoundsystem, Vehicle-to-Load (V2L), Vehicle-to-Grid (V2G), OTA-Software-Updates |
| Verfügbarkeit | Bereits ab 31.760 Euro erhältlich | Bereits ab 31.635 Euro erhältlich |
Das ideale Elektroauto für euren Alltag
All das erwähne ich, weil sich nach dem Aussteigen aus dem Kia EV2 ein klarer Eindruck festgesetzt hat: Er wirkt wie der perfekte Zweitwagen – der sich in Wahrheit für jeden einzelnen Tag und jeden Einsatzzweck eignet.
In der Autowelt neigt ihr schnell dazu, die eigenen Anforderungen zu überschätzen. Oft wird ein Fahrzeug für die wenigen Ausnahmefahrten im Jahr gekauft – für den einen Tag, an dem die Fahrt an den Strand ansteht und der Kofferraum bis unters Dach vollgepackt wird, während ihr den Rest des Jahres mit einem über viereinhalb Meter langen, fast leeren Koloss durch den Stadtverkehr rollt.
Genau deshalb erscheint der Kia EV2 wie der ideale Zweitwagen für den Haushalt: kompakte Abmessungen und eine 42,2-kWh-Batterie, die euch im Stadtverkehr problemlos rund 350 Kilometer weit bringt.
Bei unserer ersten Testfahrt konnten wir den Wagen rund 50 Kilometer weit über einen Gebirgspass bei Madrid scheuchen – bergauf wie bergab. Der Durchschnittsverbrauch lag bei 14 kWh auf 100 Kilometer. Im reinen Stadtbetrieb dürfte der Verbrauch sogar noch etwas niedriger ausfallen, doch schon mit diesen Werten kommt ihr rund 350 Kilometer weit, bevor der Akku leer ist.
Wenn ihr täglich zwischen 60 und 70 Kilometer zurücklegt, müsst ihr den Wagen von Montag bis Freitag lediglich ein einziges Mal an die Steckdose hängen.
Bei Stromkosten von etwa 34 Cent pro kWh (Durchschnittspreis im Oktober 2026 laut Verivox) deckt ihr euren Wochenbedarf für gut 14 Euro ab – und den gesamten Monat (bei über 1.000 Kilometern Fahrleistung und einem Verbrauch von um die 16 kWh im Schnitt) für um die 55 Euro. Rechnet das einmal durch.
Darüber hinaus wird der Kia EV2 mit der größeren 61-kWh-Batterie auch für Paare oder Kleinfamilien mit einem Kind spannend. Geht ihr von einem Verbrauch von 20 kWh auf 100 Kilometer aus, legt ihr den ersten Ladestopp nach rund 250 Kilometern ein.
Um den Akku auf 80 Prozent zu füllen, benötigt ihr 30 Minuten (bei einer maximalen Ladeleistung von 110 kW). Anschließend stehen euch weitere 200 Kilometer zur Verfügung, bevor der nächste Halt fällig wird.
59:10
E-Autos als 2. Wohnzimmer: Ein Blick auf die neuesten Technologien für vernetzte Mobilität
Ist das komfortabel? Machen wir uns nichts vor: Auf der Langstrecke erfordert es mehr Geduld als mit einem Verbrenner. Doch sobald ihr die Kosten pro Kilometer gegenrechnet, wird der Kia EV2 plötzlich hochinteressant.
Ein Beispiel: Ein Kia XCeed, den wir vor Kurzem getestet haben, fällt etwa 25 Zentimeter länger aus und bietet 60 Liter mehr Kofferraumvolumen. Preislich liegt er auf einem ähnlichen Niveau, verbraucht laut Datenblatt jedoch 6 Liter auf 100 Kilometer.
Legt ihr diesen Verbrauch und einen Benzinpreis von 2,25 Euro pro Liter zugrunde, zahlt ihr 13,50 Euro pro 100 Kilometer. Nach unserer früheren Rechnung kostet euch eine 350-Kilometer-Woche mit dem Stromer rund 14 Euro. Beim Benziner seid ihr mit über 47 Euro dabei – fast das Vierfache.
Im Alltag spielt der Kia EV2 seine Stärken erst recht aus. Für ein Fahrzeug von knapp 4,10 Metern Länge ist der Innenraum außergewöhnlich geräumig. Die Motorleistung – 135 PS mit der 61-kWh-Batterie und 147 PS mit dem 42,2-kWh-Akku – reicht völlig aus, um im Stadtverkehr und im Umland zügig voranzukommen.
Dank des sofort anliegenden Drehmoments des Elektromotors reicht diese Leistung für entspanntes Reisen locker aus. Vor allem aber fährt sich der Wagen spürbar angenehmer als ein vergleichbarer Verbrenner mit 115 PS, wie ihn der günstigste Kia XCeed besitzt.
Vibrationen oder Motorengeräusche sucht ihr hier vergebens. Erst jenseits von 100 km/h machen sich leichte Windgeräusche bemerkbar. In der Stadt wiederum fährt sich der EV2 wendiger, benötigt einen kleineren Wendekreis und lässt sich deutlich leichter einparken.
Auch das Platzangebot auf den hinteren Sitzen überzeugt: Der komplett ebene Fahrzeugboden erhöht den Komfort für eure Mitfahrenden spürbar. Zudem erleichtert er das Verstauen von zusätzlichem Gepäck im Fußraum, falls ihr im Notfall etwas unterbringen müsst (achtet aber bitte auf die sichere Verwahrung).
Einziger Wermutstropfen: Das Infotainmentsystem wirkt nicht mehr ganz taufrisch. Im Hyundai Ioniq 3 haben wir bereits einen spürbaren Technologiesprung gesehen, der hoffentlich bald auch bei den Schwestermodellen Einzug hält.
Vorerst bleibt das integrierte Navigationssystem jedoch eine Schwachstelle. Ob der Routenplaner für Ladestopps zuverlässig arbeitet oder ihr Ladesäulen lieber manuell heraussucht, ließ sich im Rahmen dieses ersten Ersteindrucks allerdings noch nicht abschließend beurteilen.
Abgesehen davon erweist sich der Kia EV2 als großartiger Begleiter für den Alltag – und für alle Tage, wenn ihr genau wisst, welche Anforderungen ihr an euer Auto stellt.
Preislich liegt er mit 26.600 Euro in der kleinen Variante zwar etwas über dem Renault 5 (der vor Förderungen ab rund 26.300 Euro startet), bietet dafür jedoch wesentlich mehr Vielseitigkeit beim Raumangebot, mehr Komfort im Fond und einen größeren Kofferraum.
Lest auch: Das ideale E-Auto für die meisten? Mein Fazit zum Kia EV4 nach 1.500+ km
Die zusätzlichen knapp 10 kWh Akkukapazität der größeren Variante heben ihn genau in jene Klasse, in der viele Unannehmlichkeiten bei Langstreckenreisen entfallen.
Die entscheidende Frage lautet: Braucht ihr wirklich ein größeres Auto?
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