Die Spritpreise sind weiterhin brutal. Kein Wunder also, dass E-Autos in Deutschland seit Monaten stark nachgefragt sind. Doch wie die meisten von euch war auch ich als jahrelanger Verbrennerfahrer anfangs skeptisch.
Seit meiner ersten Testfahrt mit einem E-Auto im März weiß ich aber: Die Sorge bezüglich zu geringer Reichweite im Alltag ist unbegründet – zumindest für die meisten, die nicht im Vertrieb arbeiten.
Der Kia EV4 sollte das jetzt auch in der Kompaktklasse beweisen: eine schnittige Limousine, die direkt gegen VW Golf und ID.3 antritt. Kia hat mir den Wagen zwei Wochen lang für eine ausführliche Testfahrt zur Verfügung gestellt.
Das gab mir die Gelegenheit, ihn im Alltag knallhart auf die Probe zu stellen – und euch hiermit eine Premiere zu bieten: den ersten E-Auto-Testartikel auf GameStar Tech.
Ich war mit dem Kia einkaufen, auf Ausflügen und bin sogar mit Frau, Kind und allerhand Gepäck an die Ostsee gefahren. Nach über 1.500 Kilometer steht für mich fest: Der Wagen gefällt mir so gut, dass ich ihn mir selbst kaufen würde – wäre da nicht ein kleines Manko.
Was ist der Kia EV4 für ein E-Auto?
Kurz zu Einordnung: Der EV4 ist kein Ableger vom SUV-artigen EV3, sondern Kias erstes batteriebetriebenes Steilheck-Modell. Flacher und sportlicher geschnitten, mit klarer Ansage: Er soll dem Tesla Model 3 und dem Polestar 2 (oder ID.3) Kunden abjagen.
Mein Testwagen im Detail:
- Modell: Kia EV4 Hatchback (Steilheck)
- Ausstattung: Earth
- Antrieb: Frontantrieb, 150 kW (204 PS)
- Akku & Reichweite: 81,4 kWh für bis zu 633 km (WLTP, reale Reichweite siehe unten)
- Maximale Ladeleistung: 128 kW (10-80 Prozent in ca. 31 Minuten)
- Preis: 45.540 Euro (Basis) / 53.830 Euro (Testwagen mit Glasdach, Tech-Paket &
Ivory
-Lackierung)
Der Kia EV4 im Detail: Front, Rückseite, Seitenansicht mit dem schrägen Dachverlauf sowie der vordere Innenraqum.
Wer sparen will, bekommt den EV4 auch mit kleinerem 58,3-kWh-Akku schon ab 37.590 Euro. Dann sinkt allerdings auch die Reichweite auf 456 km (WLTP). Wer einen Kompaktwagen fürs Pendeln sucht, aber auch mal eine längere Strecke ohne Angstschweiß fahren will, ist beim großen Akku besser aufgehoben.
Erster Eindruck: Die Farbe Ivory
ist einer meiner persönlichen Favoriten: silbrig im Grundton, mit einem Hauch Hellgrün, der bei Sonnenlicht regelrecht schimmert. Auch der Rest der Optik trifft meinen Geschmack. Der flache, coupéhafte Schnitt lässt den EV4 weniger nach Familienauto aussehen, als er durch sein Platzangebot eigentlich ist.
Zudem ist die Verarbeitung auf einem hohen Niveau: Die Materialien im Innenraum sorgen für einen hochwertigen Eindruck. Oben am Armaturenbrett und an den Türverkleidungen setzt Kia auf angenehmes Soft-Touch-Material, dazwischen zieht sich eine Stoffzierleiste durch den Innenraum. Dazu kommen erfreulich viele physische Knöpfe statt nur Touch-Flächen, was die Bedienung während der Fahrt spürbar erleichtert.
Wie er sich fährt
Mit 204 PS ist der EV4 kein Gepard, die Beschleunigung reicht im Alltag aber locker aus. Für Ampelstarts und das Einfädeln auf die Autobahn ist genug Schub da. Das Fahrwerk dämpft Unebenheiten angenehm weg, auch auf Kopfsteinpflaster und löchrigen Landstraßen blieb es komfortabel.
Bei der Rekuperation hat Kia sich Mühe gegeben. Kurz erklärt: Beim Bremsen oder Vom-Gas-Gehen gewinnt das Auto Energie zurück und lädt damit den Akku ein Stück wieder auf. Vier Stufen stehen zur Wahl, dazu ein i-Pedal-Modus, mit dem sich der EV4 fast nur über das Gaspedal bremsen lässt.
Ich konnte mir das über die Wippen am Lenkrad genau so einstellen, wie ich es mag. Meistens fuhr ich auf Stufe Auto
und mit aktiviertem i-Pedal, sodass der Wagen basierend auf Abstand zum Vordermann und Geschwindigkeitsbegrenzung selbst die Rekuperation bestimmt. Auf einer kurvigen Landstraße mit viel Gefälle schaltete ich dagegen auf Stufe 3. Das klappte hervorragend.
Etwas gedämpfter ist meine Begeisterung beim Spurhalteassistenten. Auf entspannter Autobahnfahrt hält er die Spur brav, für meinen Geschmack teils aber zu nah an der Mittellinie. Sobald es in Kurven, an Baustellen oder einfach etwas zügiger wird, verliert er an Zuverlässigkeit.
Der Abstandshalter dagegen hat mich überzeugt. Er bremst zuverlässig bis zum Stillstand runter, ganz ohne das ruckartige Verhalten, das ich von älteren Systemen kenne.
Auch die Blitzerwarnfunktion hat sich im Alltag bewährt. Symbol, farbige Geschwindigkeitsanzeige und eine rote Leuchtleiste im Innenraum weisen rechtzeitig auf Blitzer hin. Ganz 100-prozentig zuverlässig ist sie aber nicht: Ein Blitzer auf der linken Spur wurde gar nicht erkannt, andere erst kurz vorher.
Ein kurioses Detail zum Schluss: Manchmal ließ sich beim Losfahren kein Gang
einlegen. Wer den Wagen startet, ohne vorher die Bremse zu treten, bekommt das Problem häufiger. Das Auto gibt zwar einen entsprechenden Hinweis, kurz die Bremse zu betätigen, muss jedoch komplett ausgeschaltet und neugestartet werden. Ein bekanntes Verhalten bei mehreren Kia-Elektromodellen, kein EV4-spezifischer Defekt.
Reichweite & Laden im Alltag
Laut Werksangabe schafft der große 81,4-kWh-Akku bis zu 633 Kilometer nach WLTP, an der Schnellladesäule soll er von 10 auf 80 Prozent in rund 31 Minuten bei bis zu 128 kW voll sein. Das sind die Zahlen auf dem Papier. Im echten Leben sah es so aus:
Auf der Fahrt an die Ostsee habe ich gesehen, was der große Akku wirklich bringt: 400 Kilometer am Stück in 4:20 Stunden, bei einem Verbrauch von 17,6 kWh/100 km (auf der reinen Autobahn eher 18 bis 19,5). Angekommen sind wir mit 12 Prozent Restakku – ganz ohne Nervenkitzel.
Nachgeladen haben wir unterwegs an einem McDonald's bei Anklam. Hier haben wir die ohnehin geplante Mittagspause von 50 Minuten einfach mit Vollladen kombiniert. Der Besuch beim goldenen M
eignete sich für uns, da ich mir für den Test eine Ladekarte von EWE Go besorgt habe, bei der ich einen festen Tarif zahle und keine bösen Überraschungen erlebe. Welche Ladekarten sich für euch lohnen, hängt von eurer Umgebung und eurem Fahrstil ab.
Der Kia EV4 lädt mit maximal 128 kW nicht besonders schnell, hält diese Leistung aber relativ lange.
Komforteinbußen gab es beim Ladestopp jedenfalls nicht, denn essen mussten wir sowieso und nach drei Stunden Fahrt sollte man auch in einem Verbrenner mal eine Pause einlegen.
Auf der Rückfahrt war es anders. Wir sind mit ca. 70 Prozent Restreichweite von Usedom gestartet und haben unterwegs erneut an einem McDonald's gehalten: von 12 auf 71 Prozent in 25 Minuten, während wir kurz auf die Toilette und für ein Brezelchen beim Discounter nebenan waren. Das ging voll klar und hat sich nicht nach Warten angefühlt.
Mal ehrlich: Nach diesen zwei Wochen fällt es mir schwer, noch an die alten Vorbehalte zu glauben. Dank großem Akku und effizientem Verbrauch waren Ladepausen von 20 bis 30 Minuten im Alltag überhaupt kein Thema. Klar gibt es inzwischen Autos mit noch schnellerer 800-Volt-Ladetechnik. Wer aber nur ein paar Mal im Jahr eine lange Strecke fährt, merkt den Unterschied vermutlich kaum.
Mein Verbrauch im Detail:
- Schnitt nach 1.500 km: 17,2 kWh/100 km
- Landstraßen: teils runter auf 13,9 kWh/100 km (auf einer Strecke sogar unter 10 kWh!)
- Autobahn (Tempo 125-130): je nach Temperatur und Typografie bis zu 19,5 kWh/100 km
Und was heißt das in Euro? An der heimischen Steckdose (ca. 33 Cent/kWh) kostet mich das im Schnitt etwa 5,68 Euro auf 100 Kilometer. Selbst an einer öffentlichen Schnellladesäule mit meinem Tarif (52-62 Cent) sind es maximal knapp 10 Euro. Ein vergleichbarer Benziner braucht real etwa 6,5 Liter auf 100 Kilometer – bei aktuell rund 2,20 Euro pro Liter Super E5 macht das knapp 14 Euro. Nur an teuren Ad-hoc-Ladesäulen ohne Tarif schmilzt dieser Vorteil weg.
💡 E-Auto-Förderung und Steuervorteile (Stand 2026)
Nachdem der alte Umweltbonus Ende 2023 abrupt eingestellt wurde, gibt es inzwischen wieder neue finanzielle Anreize für Elektroautos – allerdings mit neuen Spielregeln:
Die neue Kaufprämie (bis zu 6.000 Euro): Seit Mai 2026 können Privatpersonen wieder einen staatlichen Zuschuss beantragen. Die Höhe ist sozial gestaffelt und an das zu versteuernde Haushaltsjahreseinkommen (max. 80.000 Euro, zzgl. 5.000 Euro Einkommensfreibetrag je Kind für maximal zwei Kinder sowie 500 Euro Förderaufschlag je Kind) gekoppelt. Die Beantragung läuft online über die Förderzentrale Deutschland und gilt rückwirkend für Neufahrzeuge mit Erstzulassung ab dem 1. Januar 2026.
Steuerbefreiung: Wer sich jetzt ein reines E-Auto zulegt, zahlt weiterhin für bis zu 10 Jahre ab Erstzulassung (maximal bis Ende 2035) keine Kfz-Steuer.
Firmenwagen (0,25-Prozent-Regel): Für Dienstwagen-Fahrer ist ein E-Auto extrem attraktiv. Für rein elektrische Modelle bis zu einem Bruttolistenpreis von satten 100.000 Euro (die Grenze wurde kürzlich angehoben) müssen monatlich nur 0,25 Prozent als geldwerter Vorteil versteuert werden – statt der 1 Prozent bei Verbrennern. Der voll ausgestattete Kia EV4 fällt hier mühelos rein.
THG-Quote (Treibhausgasminderungsquote): Die THG-Prämie ist 2026 wieder deutlich gestiegen. Aktuell liegen garantierte Prämien bei rund 300 bis über 400 Euro pro Jahr, je nach Anbieter.
Platz & Komfort
Hier kommt für mich das größte Manko: der Kofferraum. Mit 435 Litern Volumen ist er nicht gerade der größte. Selbst die Fastback-Variante mit Fließheck kommt nur
auf rund 490 Liter. Obendrein fehlt dem EV4 leider Gottes ein Frunk, also der vordere Kofferraum unter der Fronthaube, den einige E-Autos bieten. Die Ladekabel liegen stattdessen unter einem doppelten Kofferraumboden, den man aufklappen kann.
Für unsere dreiköpfige Familie war das trotzdem kein Problem: Der komplette Urlaubskram passte rein. Für eine vierköpfige Familie mit entsprechend mehr Gepäck dürfte der EV4 jedoch an seine Grenzen stoßen. Der Kindersitz ließ sich dafür ohne Probleme via Isofix montieren.
Die Sitze selbst empfand ich als sportlich-bequem. Selbst nach mehreren Stunden tat mir nicht der Po weh. Meine Frau klagte dagegen etwas über Schmerzen. Ich weiß aber nicht, ob das an den Sitzen oder ihrer Haltung lag.
Technik im Alltag
Im Innenraum gefällt mir die hochwertige Ambientebeleuchtung, dazu kommt ein schöner, abdeckbarer Stauraum in der Mittelkonsole. Etwas seltsam gelöst: Die Klimasteuerung im Infotainment wird vom Lenkrad teilweise verdeckt. Das Head-up-Display dagegen fand ich durchweg komfortabel.
Über die App lassen sich Klimatisierung, Ladezustand und Verriegelung bequem vom Sofa aus steuern, auch als Homescreen-Widget. Einen Valet-Modus (der persönliche Daten im Infotainment sperrt und die Motorleistung drosselt, wenn man das Auto etwa in der Werkstatt abgibt) gibt es, einen Überwachungsmodus für den Fall von Vandalismus oder Diebstahl aber nicht.
Eine Anekdote zum Schluss: An einer Raststätte saß unser Sohn kurz allein im Auto, während wir nur schnell auf die Toilette wollten. Die Alarmanlage schlug wegen Insassenerkennung sofort Alarm. Das war in dem Moment zwar nervig, doch es ist gut zu wissen, dass das System aufpasst.
Wie schlau E-Autos mittlerweile sind und mehr, darüber sprechen meine Kollegin Vera und Conny Poltersdorf im folgenden Video:
59:10
E-Autos als 2. Wohnzimmer: Ein Blick auf die neuesten Technologien für vernetzte Mobilität
Was man sonst noch wissen sollte
Ein Punkt, der bei der Kaufentscheidung gerne untergeht: Kia gibt inzwischen 7 Jahre beziehungsweise bis zu 150.000 Kilometer Garantie auf das komplette Fahrzeug. Bei aktuellen Modellen sind es auf das Hochvoltbatteriesystem sogar 8 Jahre oder 160.000 Kilometer, mit Garantie auf mindestens 70 Prozent Restkapazität.
Wer Sorge vor einem schnell alternden Akku hat, kann sich damit ziemlich entspannen. Im direkten Vergleich ist das einer der längsten Garantiezeiträume im Segment.
Alternativen
Der EV4 zielt auf Golf-Fahrer, die auf E-Antrieb umsteigen wollen, ohne ins SUV-Segment zu wechseln: Pendler, Vielfahrer, alles zwischen Singlehaushalt und kleiner Familie.
Wer vergleicht, landet fast automatisch beim VW ID.3 (ab 33.995 Euro), dem Skoda Elroq (ab 37.900 Euro) oder dem Tesla Model 3 (ab 36.990 Euro). Etwas teurer sind der Opel Astra Electric (ab 37.990 Euro) und der Peugeot E-308 (ab 42.435 Euro).
Der ID.3 gilt als agiler in Kurven, der Elroq bietet mehr Platz fürs Geld. Der Kia-Vorteil liegt für mich klar beim großen Akku und der damit verbundenen Reichweite, dafür zahlt ihr beim EV4 spürbar drauf.
Mein Fazit
Der Kia EV4 ist absolut empfehlenswert. So würde ich es kurz zusammenfassen, wenn mich jemand nach dem EV4 fragt. Für zwei bis drei Personen und für Pendler ist er nahezu ideal: genug Reichweite, angenehmer Verbrauch, ein komofrtables Fahrgefühl – ich habe nichts vermisst.
Einzig beim Kofferraum würde ich als vierköpfige Familie zweimal hinschauen. Für uns zu dritt hat der Urlaub trotzdem reingepasst. Schade nur, dass der Wagen keinen Frunk bietet.
Wenn euch jedoch der Kofferraum des KIA EV4 reicht, spricht in meinen Augen kaum etwas gegen dieses E-Auto. Es hat mich positiv überrascht.
![Mobile Wallbox [1-Phasig]](https://images-toolbox.webediagaming.de/wp-content/uploads/2026/04/Widget-Wallbox-7kw.jpg)
![Mobile Wallbox [3-Phasig]](https://images-toolbox.webediagaming.de/wp-content/uploads/2026/04/Widget-Wallbox-11kw.jpg)
![Mobile Wallbox [3-Phasig]](https://images-toolbox.webediagaming.de/wp-content/uploads/2026/04/Widget-Wallbox-22kw.jpg)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.