Seit fast 30 Jahren ist Mindfactory eine der ersten Anlaufstellen für alle, die auf der Suche nach günstiger Hardware sind. Prozessoren, Grafikkarten und Co. gibt es hier oft deutlich preiswerter als bei der Konkurrenz.
Nun scheint sich das Unternehmen aber in finanzieller Schieflage zu befinden.
Die Mindfactory GmbH soll am 28. Februar einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt haben. Das berichtete zuerst PCGamesHardware und beruft sich dabei auf Daten des Inkassodienstleisters Creditreform. Laut dem Auszug, der den Kolleginnen und Kollegen ungeschwärzt vorliegt, soll dem Insolvenzantrag auch ein unternehmerisches Insolvenzverfahren anhängig sein.
Diese Aussagen decken sich mit Informationen, die wir von in der Regel gut informierten Quellen aus der Hardwarebranche erhalten haben. Eine amtliche Bestätigung des Insolvenzverfahrens steht aktuell aber noch aus.
Warum soll Mindfactory zahlungsunfähig sein?
Noch ist nicht offiziell bekannt, was das Unternehmen in die Zahlungsunfähigkeit geführt haben soll.
Oben genannte Branchenquellen zeichnen uns unabhängig voneinander aber ein kohärentes Bild: Sie vermuten hohe Steuerschulden im sieben- bis achtstelligen Bereich. Die sollen Mindfactory die Kreditwürdigkeit gekostet haben, woraufhin das Geschäftsmodell des Händlers zusammengebrochen sei.
Laut diesen Quellen hätte Mindfactory oft so aggressiv kalkuliert, dass selbst große Systemintegratoren – also Komplett-PC-Anbieter, die normalerweise die besten Einkaufskonditionen genießen – nicht mithalten konnten. Entsprechend niedrig dürfte die Marge bei Mindfactory ausgesehen haben.
Daraus soll sich eine Kettenreaktion entwickelt haben: Online-Shops wie Mindfactory bestellen bei Lieferanten üblicherweise auf Rechnung und bezahlen später, sobald sie die Ware mit Marge weiterverkauft haben. Eine Kreditausfallversicherung steht dabei im Hintergrund bereit, um einzuspringen, falls ein Online-Shop nicht zahlen kann. So weit, so normal.
Verliert der Versicherer aber das Vertrauen, entzieht er dem Unternehmen diesen Versicherungsschutz. Die Konsequenz? Lieferanten fordern Vorauszahlungen, der Online-Shop kann Ware nicht mehr im Voraus bestellen, Bestellungen geraten ins Stocken. Genau das soll unseren Quellen zufolge bei Mindfactory passiert sein.
1:19:47
Absturz von Ubisoft: Wie geht's jetzt weiter?
Ein Insolvenzverwalter soll demnach prüfen, inwieweit Mindfactory wieder zahlungsfähig werden kann.
Wir haben Mindfactory bereits zu Beginn des Monats um eine Einordnung der Hintergründe gebeten, bis zum Erscheinen des Artikels aber keine Antwort erhalten. Erhalten wir ein Statement, tragen wir das an dieser Stelle nach.
Was bedeutet das für Kunden?
Aktuell scheint es noch keine direkten Folgen für Käufer bei Mindfactory zu geben. Der Online-Shop ist nach Umbauarbeiten vor einigen Tagen aktuell wie gewohnt erreichbar. Das Angebot war über mehrere Tage begrenzt, es fehlten etwa die neu erschienenen Grafikkarten von Nvidia und AMD und verschiedene CPU-Modelle – seit dem 21. März sind die aber wieder im Sortiment zu finden.
Sollte sich Mindfactory nicht aus der aktuellen Schieflage befreien können, wäre das für deutsche Kunden eine schlechte Nachricht: Der Händler gilt in der Community bisher als günstige und trotzdem vertrauenswürdige Anlaufstelle für Hardware-Käufer.
Updatehinweis: Wir haben die Nachricht mit der Info aktualisiert, dass aktuelle Hardware wieder bei Mindfactory zu finden ist.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.