Sind 5,5 Newtonmeter genug?
Bei allem Lob soll nicht unter den Teppich gekehrt werden, dass 5,5 Newtonmeter Gegenwehr nur ein Einstiegswert sind. Ein Minimalziel, das die auffälligsten Ausreißer eines gut kalibrierten Fahrzeugs vermittelt. Für Anfänger und fortgeschrittene Sim-Racing-Fans ist das mehr als genug Kraft für ein immersives Rennspielvergnügen, zumal man sich daran erst einmal gewöhnen muss. Zwei durchgehende Stunden am Lenkrad erzeugen schon bei diesem Kraftaufwand Muskelkater.
(Semi-)Profis, die täglich ihre Runden in iRacing drehen, liebäugeln dagegen eher mit dem R9 oder einem noch stärkeren Schwestermodell, weil sie durch die erhöhte Kraft noch mehr Feinheiten im Fahrzeugverhalten herauslesen.
Was uns zum einzigen nennenswerten Knackpunkt bei der Kaufentscheidung bringt. Denn das vergleichbare und nur etwa 50 Euro teurere CSL DD von Fanatec ermöglicht durch das Nachkaufen eines stärkeren Netzteils ein Upgrade auf 8 Newtonmeter Drehmoment. Eine ähnliche Option ist bei Mozas R5 nicht vorgesehen. Sollten euch 5,5 Nm nach einer Weile nicht mehr befriedigen, bleibt nur der Kauf einer neuen Wheel Base.
Qualität in den Händen
Dafür punktet Moza an anderer Stelle um so mehr. Angefangen beim mitgelieferten Lenkradkranz. Er misst zwar nur 27,5 cm im Durchmesser, ist aber angenehm dick und durch präzise vernähtes Kunstleder wunderbar griffig. Seine 18 Knöpfe plus Steuerkreuz lassen sich allesamt gut erreichen, wobei das Druckgefühl der oberen Reihel etwas schwammig erscheint. Gut genug für Rennspiele sind sie allemal, man soll schließlich keine Jump-and-Runs damit steuern.
Dass die beiden Aluminium-Schaltwippen auf der Rückseite des Lenkrads ebenfalls einen weichen Druckpunkt mit etwas zu viel Spielraum haben, fällt schon deutlicher ins Gewicht - selbst wenn der mechanische Schaltpunkt spür- und hörbar ist. Andererseits wäre es vermessen, in einem Bundle dieser Preisklasse Magnetschaltwippen zu erwarten.
Unterm Strich liefert Moza trotz dieser kleinen Kritikpunkte das hochwertigste Bundle-Lenkrad dieser Preisklasse ab. Allein die durchgängigen Rev-Limit-LEDs, welche die Drehzahl für den idealen Schalt-Moment anzeigen, wie auch die verbaute Quick-Release-Klemme schlagen qualitativ alle vergleichbaren Konkurrenzprodukte mit Leichtigkeit.
Begehrlichkeiten an den Füßen
Dieses Lob lässt sich nicht auf die mitgelieferten SRP-Lite-Pedale für Gas und Bremse erweitern. Sie sind brauchbar, aber sie können sich nicht von Konkurrenzprodukten derselben Preisklasse abheben. Einerseits verwenden sie für die Abfrage der Eingaben nur einfache Hall-Effekt-Sensoren auf Magnetbasis, andererseits verfügt die Bremse über keinerlei Form von Gegendruck. Nicht einmal ein Stück Schaumstoff vermittelt einen Bremswiderstand, ganz zu schweigen von einer elektronisch gesteuerten Load-Cell, die eure Eingaben anhand des angewendeten Drucks messen würde.
Darum lag unserem Testmuster neben einem separat erhältlichen dritten Pedal für die Kupplung ein sogenanntes SR-P Lite Brake Pedal Performance Kit bei, welches mithilfe einer Spannfeder Widerstand an der Bremse erzeugt. Der Einbau ist eine Angelegenheit von unter fünf Minuten und bei einem Preis von 32 Euro fast schon eine Pflichtanschaffung. Trotzdem wäre es schön, wenn die Feder ein fester Bestandteil des Bundles wäre.
An das Niveau einer Load-Cell kommt der dadurch generierte Widerstand natürlich nicht heran, aber er nähert sich einer echten Bremse. Sollten dann noch Bedürfnisse in Bezug auf den Pedalweg aufkeimen, hilft die "Moza Pit House" genannte Konfigurations-Software, die den PC mit Treibern versorgt und das Speichern vieler Voreinstellungen erlaubt. Darunter auch eigens definierte tote Zonen für Pedale.
So gewiss das SRP-Lite-Pedalset auf Dauer Begehrlichkeiten wecken mag, so unangebracht wäre Kritik an der Materialqualität. Dank ordentlicher Gummifüße ist es selbst auf spiegelglattem Parkett und Laminatboden erstaunlich rutschfest und erlaubt viele Änderungen zur Erhöhung des Komforts.
Man darf sowohl die horizontale Position der Pedale auf mehreren vorgegebenen Schraublöchern verschieben als auch die Fußplatten vertikal umpositionieren. Will man ein Kupplungspedal hinzufügen, kommt man um eine längere Schraub- und Verkabelungs-Sitzung sowieso nicht herum, daher bieten sich Modifikation dieser Art bei der Ersteinrichtung an.
Eine Befestigung an einem Racing-Rig stellt ebenfalls kein Problem dar, denn Wheel Base und Pedale verwenden ein logisches Lochschema, das sich mit vielen anderen Lenkrädern deckt. Allerdings liegen die Lochreihen etwas enger beieinander als bei den anderen Moza-Lenkrädern. Daher kann es sein, dass ihr bei eurem Rig mit zwei Schrauben vorliebnehmen oder neue Löcher bohren müsst.
Bei Verwendung der zuverlässigen und bombenfest sitzenden Tischklemme ist allerdings Vorsicht geboten. Die Wheel Base mag klein aussehen, aber was sie beim Anfahren in Assetto Corsa an Vibration vermittelt, wenn keine Filterung aktiv ist - und nicht zuletzt bei einhändigem Betrieb, etwa beim manuellen Schalten per Schaltknüppel- kann billige Pressspan-Tische auf lange Sicht ganz schön belasten.
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