Seit einigen Jahren findet eine technische Revolution bei Sim-Racing-Lenkrädern statt. Anstelle von Riemen- oder Zahnradgetrieben, wie sei seit Jahrzehnten hergestellt werden, kommen immer öfter Industriemotoren zum Einsatz, die das Force Feedback mithilfe magnetischer Kräfte direkt an die Arme des Spielers weitergeben. Der Mittelsmann einer Kräfte-Übersetzung fällt weg, wodurch ihre Bedienung schneller, weicher und im Widerstand kraftvoller ist.
Direct-Drive-Getriebe sind teurer als klassische Varianten, haben aber dennoch gute Chancen, zum neuen Standard bei Videospiel-Lenkrädern zu avancieren. Selbst Firmen wie Logitech und Thrustmaster, die lange mit dem Umstieg haderten, bauen mittlerweile Modelle, welche die neue Technik nutzen. Wobei sie allerdings vornehmlich Enthusiasten im Sim-Racing-Segment ansprechen, die gerne etwas mehr Geld in ihr Hobby investieren.
Andere Hersteller wie Fanatec sind da schon ein Stück weiter und bedienen Zielgruppen, die zwar die Qualität der Direct-Drive-Motoren zu schätzen wissen, aber nicht gleich vierstellige Summen auf den Tisch legen wollen. Ein Marktsegment, das der Hersteller Moza nun ebenfalls anpeilt. Sein R5-Racing-Set ist aktuell das günstigste Direct-Drive-Komplettpaket auf dem Markt.
Nur für den PC
Ein Grund dafür: Moza-Lenkräder sind nur für den PC gedacht, während Fanatec kompatibel mit Konsolen bleibt. Doch wie das R5-Bundle, das uns der Hersteller für diesen Test zur Verfügung stellte, eindrucksvoll verdeutlicht, wandelt Moza die verringerten Kosten in einen Qualitätsbonus um. Man bekommt also mehr Wumms für weniger Geld.
Mehr Wumms bedeutet in konkreten Zahlen ein Drehmoment von 5,5 Newtonmetern beim Force Feedback. Das mögen nur 0,5 Newtonmeter mehr sein als bei Fanatecs Einsteigermodell CSL DD, aber diese Nuance macht sich im Gesamtbild durchaus bemerkbar, weil alles in diesem Bundle eine höhere Qualität auffährt als das vergleichbare Fanatec-Gegenstück. Unlöbliche Ausnahme ist lediglich das Bremspedal, zu dem wir später noch kommen.
Ein beachtliches Paket
So günstig 649 Euro für ein modernes Direct-Drive-Komplettpaket sein mögen, es bleibt eine mächtige Stange Geld. Somit ist jede Art Qualitätsbonus gern gesehen. Beim Moza R5 spürt man ihn schon beim Auspacken, denn alle Teile sind massiv, formschön und selbsterklärend gestaltet.
Drei Hauptkomponenten liegen in der effizient sortierten und angenehm umweltfreundlichen Box: Eine Wheel Base, ein Lenkradkranz und ein Satz einfacher Pedale, bestehend aus Gaspedal und Bremse. Dazu kommen alle nötigen Anschlusskabel, ein Netzteil, eine hochwertige Tischklemme, Handbücher und ein Satz Aufkleber. Unserem Testmuster lag zusätzlich ein separat erhältliches Kupplungspedal (ca. 44 Euro) und ein Performance-Kit für die Bremse (32 Euro) bei.
Herzstück des Sets ist natürlich die Wheel Base, deren Servo-Industriemotor mit einem Gewicht von 3,4 Kilo bei Maßen von 17,5 x 15,7 x 12,4 cm erstaunlich leicht und kompakt daherkommt.
Auf deren Rückseite befinden sich nur zwei Anschlüsse für Peripherie – einer für die Pedale, die nun nicht mehr separat an den PC angeschlossen werden müssen, einer für einen optional erwerbbaren Bildschirm, auf dem Rennstatistiken und Telemetriedaten angezeigt werden können. Die anderen beiden Ports dienen der USB-Verbindung zum PC und dem Anschluss des Netzteils. Ein winziger Netzschalter neben den Anschlüssen nimmt das Gerät in Betrieb.
Mit allen Anschlüssen und Bedienelementen auf der Rückseite bleibt lediglich das Verbindungsstück für den Lenkradkranz an der Front. Es verwendet eine passgenaue Quick-Release-Klemme, die denen der teureren Modelle aus derselben Baureihe entspricht. Allerdings mit einem wichtigen Unterschied: Die im Zentrum des Drehlagers liegenden Kontakte haben ein anderes Layout als die großen Schwestermodelle von Moza.
Unglücklicherweise verhindert dies eine Kompatibilität mit älteren Lenkradkränzen aus Mozas Produktpalette. Zukünftig veröffentlichte Lenkradkränze sollen aber mit allen Wheel Bases kompatibel sein.
Die technische Umsetzung so gut wie eh und je. Generell geht es bei Mozas Quick-Release um Präzisionsarbeit, die ähnlich funktioniert wie bei echten Rennwagen. Auf den vier Zentimetern Durchmesser für das Kontaktstück und sieben Zentimetern für das gesamte Drehlager sitzt das Lenkrad bombenfest. Hier wackelt nichts, nicht einmal im Millimeterbereich.
Butterweich und irre schnell
Die Präzision zahlt sich aus. Im Betrieb punktet das R5 durch ein ebenso leichtgängiges wie weiches Fahrgefühl, bei dem jeder noch so kleine Force-Feedback-Impuls an die Arme weitergegeben wird, sodass der Vorteil der Direct-Drive-Technik voll zur Geltung kommt.
Im Vergleich mit altmodischen Zahnrad- oder Riemengetriebe-Lenkkrädern, wie man sie zuhauf in jedem Technik-Markt findet, gibt es weder Verzögerungen noch verschluckt die Übersetzung Impulse des Gegensteuerns, sodass man augenblicklich merkt, wann das Fahrzeug Bodenhaftung verliert.
Jede Bodenrille, und jeder noch so kurze Ausflug auf die Curb wird registriert. Testfahrten in Assetto Corsa Competizione waren ein absoluter Genuss und ließen im Rahmen der möglichen Kräfte keine Wünsche offen.

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