Nach fast 60 Jahren Schlaf und begraben unter 30 Metern Eis entdeckte die NASA eine geheime Militärbasis wieder

NASA-Wissenschaftler haben in Grönland unbeabsichtigt ein besonderes Bild einer seit Jahrzehnten geschlossenen US-Basis gemacht.

Die Wiederentdeckung der unterirdischen Einrichtung geschah aus einem Flugzeug heraus mit einer besonderen Art Radar. (Symbolbild: stock.adobe.com - alexdoomer) Die Wiederentdeckung der unterirdischen Einrichtung geschah aus einem Flugzeug heraus mit einer besonderen Art Radar. (Symbolbild: stock.adobe.com - alexdoomer)

In Grönland wurde im Jahr 1967 die US-Militärbasis Camp Century geschlossen. Heute befindet sie sich unter einer etwa 30 Meter dicken Schicht aus Schnee und Eis.

Eine Aufnahme der NASA hat die Basis nun fast 60 Jahre später unbeabsichtigt auf besondere Art und Weise wieder sichtbar gemacht (via Gizmodo).

Wie ist das spezielle Bild entstanden?

Das ist die UAVSAR-Aufnahme der NASA, die Camp Century zeigt. Bei der dünnen grünen Linie darüber handelt es sich um das Eisbett, das sich eigentlich weit unterhalb der Basis befindet. Durch Radarreflexionen wird auf dem Bild an scheinbar falscher Stelle ein Teil davon sichtbar, der tatsächlich weit entfernt von der Basis liegt. (Bild: earthobservatory.nasa.gov Chad Greene) Das ist die UAVSAR-Aufnahme der NASA, die Camp Century zeigt. Bei der dünnen grünen Linie darüber handelt es sich um das Eisbett, das sich eigentlich weit unterhalb der Basis befindet. Durch Radarreflexionen wird auf dem Bild an scheinbar falscher Stelle ein Teil davon sichtbar, der tatsächlich weit entfernt von der Basis liegt. (Bild: earthobservatory.nasa.gov / Chad Greene)

  • Es handelt sich um eine Aufnahme mit einem sogenannten UAVSAR (Uninhabited Aerial Vehicle Synthetic Aperture Radar). Sie entstand aus einem Gulfstream-III-Flugzeug heraus.
  • Hintergrund der Aufnahmen ist die Gewinnung genauerer Daten über die Strukturen der Eisschichten in Grönland.
  • Bei einem herkömmlichen Bodenradar, das direkt nach unten zeigt, kann nur ein 2D-Profil des Eises erstellt werden. Dagegen ist mit einem UAVSAR außer dem Blick nach unten auch der Blick zur Seite möglich, was Karten mit mehr Dimensionalität hervorbringt.

Ein alter Bekannter taucht unerwartet auf

Der NASA-Wissenschaftlicher Chad Greene hatte bei dem Flug die Aufgabe, das UAVSAR zu überwachen. Leiter des Projekts in Grönland ist aber Alex Gardner. Er beschreibt die Umstände des unerwarteten Fundes folgendermaßen:

Wir suchten nach dem Grund des Eises und plötzlich tauchte Camp Century auf. Wir wussten zuerst nicht, was es war.

Gardner ist genau wie Greene ein Kryosphärenwissenschaftler am Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA.

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Was ist Camp Century?

Im Bericht von earthobservatory.nasa.gov zu dem Fund aus dem April 2024 wird Camp Century als ein Relikt aus dem Kalten Krieg bezeichnet.

  • Die 1959 erbaute Basis ist auch als die Stadt unter dem Eis bekannt.
  • Sie besteht aus einem Tunnelnetzwerk, das in die damals noch oberflächennahe Schicht des Eises geschnitten wurde.
  • In dem Lager befinden sich möglicherweise biologische, chemische und radioaktive Abfälle. Wenn die Eisschicht darüber immer weiter schmilzt, könnten sie irgendwann freigelegt werden.

Dieses Foto lässt die Dimensionen des Tunnelnetzwerks von Camp Century erahnen (Quelle: catalog.archives.gov, Bild-ID 404791598) Dieses Foto lässt die Dimensionen des Tunnelnetzwerks von Camp Century erahnen (Quelle: catalog.archives.gov, Bild-ID 404791598)

Der Bericht gibt außerdem an, dass der Vergleich des neuen Radarbildes mit historischen Karten der Militärbasis zusammenpasst.

Das beeindruckt auch Wissenschaftler Greene:

In den neuen Daten sind individuelle Strukturen der geheimen Stadt in einer Weise sichtbar, wie sie noch nie zuvor gesehen wurden.

Doch mit Blick auf die Forschung der Wissenschaftler ist die zufällige Wiederentdeckung von Camp Century letztlich nur eine interessante Randnotiz.

Der eigentliche Hintergrund der Bilder

Es geht darum, möglichst genau vorherzusagen, in welchem Tempo der Meeresspiegel ansteigt. Dazu sagt Gardner Folgendes:

Ohne detaillierte Kenntnisse über die Eisdicke ist es unmöglich zu wissen, wie die Eisschilde auf schnell erwärmende Ozeane und Atmosphäre reagieren werden, was unsere Fähigkeit, die Raten des Meeresspiegelanstiegs vorherzusagen, stark einschränkt.

Eine Einschränkung, die mit den via UAVSAR gewonnenen Daten möglicherweise in entscheidendem Maße aufgehoben werden könnte.

Hinweis: Dieser Artikel ist in einer früheren Version bereits auf GameStar.de erschienen.

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