Wird Netflix eines Tages den gesamten Markt in vielen Bereichen beherrschen? Oder ist es inzwischen sogar schon so weit?
Barry Diller, seines Zeichens millionenschwerer US-Geschäftsmann, Manager und Mitbegründer der Fox Broadcasting Company sah bereits 2019 die Zeichen dafür. In einem Interview sagte er:
Netflix hat das Spiel gewonnen. Sofern nichts Außergewöhnliches passiert, gehört alles Netflix. Niemand wird wohl jemals die Zahl ihrer Abonnenten erreichen, was ihnen eine echte Dominanz verleiht.
Zweifelsohne ist der Streaminganbieter dominant vertreten. Erst kürzlich ist Netflix, dank einer Kooperation mit Spotify, in das Podcastgeschäft eingestiegen – eine der wenigen Online-Disziplinen, die das Unternehmen noch nicht mitbeansprucht hatte.
Netflix startete 1997 als Online-Videothek und verlieh DVDs und Blu-ray an seine Abonnenten. Als das Internet immer mehr an Bedeutung gewann, zögerten die Inhaber nicht lange und bauten ihr Geschäftsmodell aus.
Schon 2007 stieg Netflix auf ein Video-on-Demand-System um. Dies beinhaltet die Möglichkeit, Aufzeichnungen online herunterzuladen oder zu streamen. Mit der Serie House of Cards
produzierte Netflix erstmals im Jahr 2013 eigene Inhalte.
2:00
House of Cards - Trailer zur 6. und finalen Staffel der Netflix-Serie - Trailer zur 6. und finalen Staffel der Netflix-Serie
Was ist dran an der Aussage?
Wie sieht es 2025 aus? Sollte Diller recht behalten? Ist Netflix wirklich übermächtig geworden?
Die kurze Antwort: Jein. Es gibt teilweise Entwarnung. Ganz so dramatisch, wie von Diller befürchtet, sieht es für die Netflix-Konkurrenz nicht aus. Ein wahrer Kern seiner Prognose bleibt aber bestehen.
Hier lohnt sich ein Blick auf die Zahlen:
Dafür spricht die globale Reichweite: Netflix hat die Marke von über 300 Millionen zahlenden Abonnenten überschritten (Stand Anfang 2025), womit der Streamingdienst seine Konkurrenz übertrumpft.
Dass Netflix dadurch finanziell stabil ist, steht außer Frage. Im zweiten Quartal 2025 stieg der Umsatz um 16 Prozent auf über elf Milliarden US-Dollar und der Nettogewinn um 47 Prozent auf 3,1 Milliarden US-Dollar.
Die Prognose für den Free Cash Flow (FCF) wurde für 2025 auf 8 bis 8,5 Milliarden US-Dollar angehoben, was die massive Finanzkraft belegt. Der Cashflow stellt Ein- und Auszahlungen gegenüber und bewertet in einem festgelegten Zeitraum die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens (umgangssprachlich also, wie flüssig
ein Unternehmen ist). Für Netflix hat sich hier demnach alles zum Besten entwickelt.
Weiterhin setzt Netflix auf ein ausgeklügeltes, strategisches Wachstum: Das Unternehmen erwartet für 2025 eine Verdopplung der Werbeeinnahmen und setzt auf die Expansion in Live-Sport (beispielsweise NFL), um neue Einnahmequellen zu erschließen.
Erst kürzlich gab Netflix außerdem bekannt, ab 2026 auch ins Podcastgeschäft einzusteigen:
Für das Unternehmen stellt diese Expansion den nächstlogischen Schritt dar. Podcasts als reines Online-Phänomen waren zuvor noch eine der wenigen Disziplinen, die dem Anbieter im Repertoire fehlten.
So positiv all das für Netflix aussehen mag, spricht auch einiges gegen die absolute Aussage von Diller:
In den USA liegt Netflix mit rund 21 Prozent Marktanteil knapp hinter Amazon Prime Video (22 Prozent) und ist nur die zweitbeliebteste Subscription-Video-on-Demand-Plattform. Das mag zunächst gar nicht so negativ klingen, in Anbetracht der Tatsache, dass sich diesen Markt aber nur sehr wenige Teilnehmer teilen, ist der zweite Platz eher okay als wirklich gut.
Laut der Simon-Kucher Streaming-Studie 2025 wurde Netflix von Disney+ in den Kategorien Exklusive Inhalte
und Angesagte Inhalte
überholt. Der Studie nach teilt sich Netflix die Content-Krone
also mit Disney+. Ein weiterer Punkt, der Netflix nicht schmecken dürfte.
Zudem muss sich Netflix auch noch etwas anderes zunehmend teilen: den TV-Nutzungsanteil. Dieser beschreibt, wie viel Zeit Nutzer prozentual mit Fernsehen verbringen und wo sie dies tun. YouTube bleibt mit 12,8 Prozent des gesamten TV-Anteils (Stand Juli 2025) der größte einzelne Akteur in dieser Messung, vor Netflix (8,3 Prozent).
Trotz starker Quartalszahlen befürchtete Netflix Anfang dieses Jahres einen Rückgang der operativen Marge in der zweiten Jahreshälfte 2025. Diese Befürchtung wurde vom Unternehmen mit steigenden Content- und Marketingkosten begründet.
Die operative Marge gibt Aufschluss darüber, wie rentabel das Kerngeschäft einer Firma nach Einberechnung der Betriebskosten sowie der Gelder durch verkaufte Produkte ist.
Interessant ist hierbei vor allem, dass Netflix 2024 angekündigt hat, in Zukunft keine Abonnentenzahlen mehr veröffentlichen zu wollen, was insbesondere Anleger vom Aktienmarkt abschrecken könnte.
Fazit
Netflix hat die Finanzierungs- und Reichweiten-Schlacht gewonnen, aber der Markt ist ein Oligopol, das heißt, eine Marktform, die bloß aus wenigen Akteuren besteht.
Gegenwärtig scheint der zweite Teil von Dillers Prognose noch zu stimmen; Netflix hat in Bezug auf verkaufte Abos aktuell die Hosen an. Dillers Aussage ist zusammengefasst dennoch falsch, da der Wettbewerb um die Gunst der Abonnenten intensiver ist denn je. Der Markt gilt als hochdynamisch.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.