Vor den nächsten Wahlen: Diese fünf Online-Tools zeigen euch, welche Partei wirklich zu euch passt

In Deutschland stehen wieder mehrere Wahlen an – mit diesen Tools findet ihr die zu euch passende Partei.

Die Wahl-Entscheidung ist nicht immer leicht – einige Online-Tools können jedoch eine echte Hilfe sein. (Bildquelle: GameStar Tech; Christian Schwier Adobe Stock) Die Wahl-Entscheidung ist nicht immer leicht – einige Online-Tools können jedoch eine echte Hilfe sein. (Bildquelle: GameStar Tech; Christian Schwier / Adobe Stock)

Durch die unterschiedlichen Zeiträume der Kommunal-, Landtags- und Bundestagswahlen in Deutschland finden eigentlich fast immer irgendwo Wahlen statt.

So wird 2026 etwa in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern der Landtag gewählt, in Niedersachsen gibt es die Kommunalwahl und Berlin wählt das Abgeordnetenhaus neu.

Dadurch sind viele Politikschaffende im Wahlkampf, um möglichst viele Wählende zu überzeugen. Falls ihr euch ein eigenes Bild machen wollt, aber keine Lust habt, die Veranstaltungen zu besuchen oder die oftmals komplizierten Parteiprogramme zu lesen, gibt es einige interessante Online-Angebote.

Die besten Alternativen zum Wahl-O-Mat

Das bekannteste Angebot ist dabei wahrscheinlich der Wahl-O-Mat. Bei dem Tool findet ihr eine Auswahl der aktuell am stärksten diskutierten Themen und könnt angeben, wie wichtig euch diese sind.

Das Tool gleicht daraufhin eure Antworten mit den Aussagen verschiedener Parteien ab und verrät euch, welche Partei am ehesten eure Interessen vertritt – oder sich eben am meisten unterscheidet.

Video starten 2:32 Dieses KI-Tool der AfD ist eigentlich nicht zulässig

Hier gibt es jedoch oft die Kritik, dass der Wahl-O-Mat nur bestimmte Themen aufgreift und nicht ausreichende Informationen liefert. Zudem habt ihr bei dem Tool nur die Auswahl, ob ihr zustimmt, neutral seid oder nicht zustimmt.

Eine Begründung, warum ihr euch für eure Antwort entscheidet, bleibt aus. Solltet ihr bei der Frage, ob die Fünf-Prozent-Hürde erhalten bleiben soll, beispielsweise auf »stimme nicht zu« klicken, kann das heißen, dass ihr die Hürde vollkommen abschaffen oder vielleicht auch anheben wollt.

Genau aus diesem Grund gibt es zahlreiche Alternativen zum bekannten Wahl-Beratungs-Tool, die allesamt einen unterschiedlichen Fokus haben und teilweise sogar auf moderne KI-Modelle setzen. Vier Hilfsmittel für den Parteiencheck findet ihr im Folgenden.

Real-O-Mat: Taten statt Worte

Auch wenn er in seiner Gestaltung dem Wahl-O-Mat ähnelt, funktioniert der Real-O-Mat etwas anders. Dieser wird vom gemeinnützigen Verein »Frag den Staat« angeboten und bewertet eure Angaben nicht anhand des Wahlprogramms oder der Antworten einer Partei.

Stattdessen analysiert das Tool, wie die Parteimitglieder in der Vergangenheit bei echten Gesetzesentscheidungen abgestimmt haben. Dadurch verspricht das Tool eine möglichst realistische Einschätzung, wie die Parteien bei bestimmten Themen voraussichtlich entscheiden würden.

Statt auf Aussagen setzt der Real-O-Mat auf die Ergebnisse der letzten Abstimmungen. (Bildquelle: GameStar Tech) Statt auf Aussagen setzt der Real-O-Mat auf die Ergebnisse der letzten Abstimmungen. (Bildquelle: GameStar Tech)

Anstatt einfacher Ja-, Nein- und Neutral-Antworten habt ihr hier Optionen wie »Nein, das geht mir zu weit«, »Ja, finde ich auch« oder »Nein, das reicht mir nicht aus«, passend zum tatsächlichen Stimmverhalten der Fraktionen.

Am Ende der Auswertung findet ihr noch einen Vergleich, in dem ihr die Begründungen für die Abstimmungen der Parteimitglieder durchlesen könnt. Das lohnt sich, da es nicht immer an gebrochenen Wahlversprechen liegt, warum eine Partei gegen einen Vorschlag stimmt.

Das einzige Manko: Ihr habt nur die aktuell in den Landtagen sitzenden Parteien zur Auswahl, sodass Parteien wie das BSW gänzlich fehlen.

Party-Check: Die wissenschaftliche Einordnung

In einer Zusammenarbeit von Forschenden der Universität Potsdam und der TU Darmstadt ist das Tool »Party-Check« entstanden. Statt auf Wahlprogramme oder Aussagen der Parteien stützt das Tool seine Ergebnisse nur auf Einschätzungen aus der Wissenschaft.

Party-Check verwendet dafür 15 bis 20 Fragen zu aktuellen politischen Themen wie Wirtschaft oder Zuwanderung und ordnet die Aussagen und Wahlversprechen der Parteien nach Einschätzungen von Fachleuten aus der Politikwissenschaft ein.

Party-Check weicht von seinem Inhalt ab und setzt vollkommen auf Experten-Meinungen. (Bildquelle: GameStar Tech) Party-Check weicht von seinem Inhalt ab und setzt vollkommen auf Experten-Meinungen. (Bildquelle: GameStar Tech)

Ein großer Pluspunkt ist die fundierte, wissenschaftliche Basis dieses Tools, da sich die Parteien nicht einfach selbst ins beste Licht rücken können. Der Nachteil für alle, die das komplette politische Spektrum durchleuchten wollen: Der Party-Check beschränkt sich auf jene Parteien, die eine realistische Chance haben, in das Parlament einzuziehen.

Für Sachsen-Anhalt kommen so beispielsweise nur Die Linke, Grüne, SPD, BSW, FDP, CDU und AfD infrage. Zum Schluss könnt ihr euer Ergebnis jedoch nach euren persönlichen Schwerpunkten filtern – etwa, wenn euch Sozialpolitik mehr interessiert als Zuwanderung.

WahlSwiper: Politik im Dating-App-Style

Der WahlSwiper stammt ebenfalls von einer Universität, in diesem Fall von der Universität Freiburg sowie einigen ehrenamtlich Forschenden. Statt auf einen anderen inhaltlichen Ansatz setzt das Tool auf eine vereinfachte Steuerung, um euch die Beantwortung so angenehm wie möglich zu machen.

Dafür setzt der WahlSwiper auf eine Swipe-Technik, die ihr von Tinder kennen könntet. Nach links wischen bedeutet, dass ihr bei einer Aussage nicht zustimmt, nach rechts wischen das Gegenteil. Wem diese Wisch-Mechanik im Test mal etwas zu hakelig ist, kann auch ganz klassisch auf »Ja« oder »Nein« tippen – eine neutrale Option gibt es allerdings nicht.

WahlSwiper erinnert mit seinem Befragungsstil an Tinder. (Bildquelle: GameStar Tech) WahlSwiper erinnert mit seinem Befragungsstil an Tinder. (Bildquelle: GameStar Tech)

Zu den anstehenden Wahlen haben fast alle kandidierenden Parteien Antworten abgegeben, sodass das Tool umfangreiche Ergebnisse verspricht. Der größte Vorteil ist die spielerische und sehr einfache Bedienung, die gerade auf dem Smartphone richtig Spaß macht, sowie die breite Abdeckung der Parteien.

Wahl.Chat: Euer persönlicher KI-Wahlhelfer

Mit Wahl.Chat holt ihr euch eine künstliche Intelligenz zur Seite, die euch dabei hilft, den Dschungel der Wahlprogramme besonders leicht zu durchblicken. Das smarte Tool, das von fünf Münchner Studierenden entwickelt wurde, dreht den Spieß nämlich um, sodass ihr, statt vorgefertigte Antworten zu wählen, eure eigenen Fragen stellen könnt.

Die Oberfläche erinnert stark an ChatGPT mit vorgefertigten Vorschlägen im Textfeld – sobald ihr eine Partei ausgewählt habt. Wollt ihr beispielsweise wissen, wie eine Partei zum Thema Rente steht, tippt ihr eure Frage ein und die KI durchsucht für euch das aktuelle Wahlprogramm der jeweiligen Partei.

Bei Wahl.Chat wartet eine KI auf euch, die ihre Informationen aus den Wahlprogrammen der Parteien zieht. (Bildquelle: GameStar Tech) Bei Wahl.Chat wartet eine KI auf euch, die ihre Informationen aus den Wahlprogrammen der Parteien zieht. (Bildquelle: GameStar Tech)

Praktisch ist dabei, dass ihr zu jeder Antwort eine Zusammenfassung mit der originalen Quelle bekommt. So könnt ihr, falls ihr der Antwort der KI misstraut, zu einem Thema direkt im Programm nachlesen.

Die Arbeit ist dadurch vielleicht ein bisschen größer, als wenn eure Fragen automatisch mit allen Parteien verglichen werden – ihr bekommt dafür aber die freie Entscheidung, was ihr wissen wollt. Aktuell ist das Tool in seiner Auswahl jedoch begrenzt, sodass ihr nur auf 13 Parteien zugreifen könnt. Kleinparteien wie die Piraten bleiben so auf der Strecke.

So findet ihr das passende Hilfsmittel zur Wahl

Am Ende kann euch keines der Tools die Wahl komplett abnehmen. Die Wahl-O-Mat-Alternativen sowie das Original liefern euch aber nützliche Informationen, die ihr bei eurer Wahl berücksichtigen könnt.

Der Vergleich zwischen den Parteien kann dabei besonders hilfreich sein, um auch andere Perspektiven kennenzulernen. Genauso praktisch sind auch die Anwendungen, welche die Aussagen der Politikschaffenden in den Reality-Check schicken und euch die ehrlichen Absichten der Parteien zeigen.

Jedes Tool hat entsprechend seine Vor- und Nachteile. Um eine gute Übersicht mit verschiedenen Betrachtungspunkten zu den Parteien zu erhalten, lohnt es sich, verschiedene der Anwendungen zu verwenden.

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