Ich habe Wahl.Chat benutzt: Jetzt fühle mich besser über die Bundestagswahlen informiert als je zuvor

Ist Wahl.Chat eine Alternative oder Zusatz für den Wahl-O-Mat?. Wie gut das KI-Tool funktioniert hat Jan selbst getestet.

Nur wenig Zeit vor der Wahl? Dieses Tool hilft euch bei der Übersicht. (Bild: Adobe Stock - kwarner - studio v-zwölf) Nur wenig Zeit vor der Wahl? Dieses Tool hilft euch bei der Übersicht. (Bild: Adobe Stock - kwarner - studio v-zwölf)

Wohin nur mit dem Kreuz? Das dürften sich im Moment ein paar Millionen Menschen in Deutschland fragen. Auch ich war lange unentschlossen und bin mir selbst jetzt noch nicht sicher. 

Doch eines ist klar: Ich bin besser informiert als ich es je war und das liegt an Wahl.Chat, ein KI-Chatbot, der von Studenten der Technischen Universität München entwickelt wurde. 

Wahl.Chat: Was ist das?

Ähnlich wie der Wahl-O-Mat soll euch Wahl.Chat dabei helfen, euch über die Meinungen und Vorhaben verschiedener Parteien zu informieren.

Nur dass es sich dabei um einen Chatbot handelt, der auf eure individuellen Fragen eingeht und diese zu jeder größeren Partei beantworten kann. Dazu greift der Bot auf die Wahlprogramme jeder Partei zu.

Die Oberfläche erinnert stark an ChatGPT. Nur, dass ihr mehr vorgefertigte Fragen im Textfeld habt und ihr die Parteien direkt auswählen könnt, für die ihr euch interessiert. Die Oberfläche erinnert stark an ChatGPT. Nur, dass ihr mehr vorgefertigte Fragen im Textfeld habt und ihr die Parteien direkt auswählen könnt, für die ihr euch interessiert.

Ihr könnt den Bot zum Beispiel fragen, was Partei X zum Netzausbau zu sagen hat und bekommt dann eine zusammengefasste Antwort, deren Aussagen direkt aus dem Wahlprogramm der jeweiligen Partei genommen werden.

Die Entwickler wollen, laut eigenen Aussagen sichergehen, dass die bereitgestellten Informationen neutral sind und keine Meinung transportieren.

Ich sehe vor allem vier große Vorteile bei der Nutzung von Wahl.Chat. Mehr zu den Hintergründen lest ihr weiter unten.

1. Es geht um eure Themen und Fragen

Der wohl größte Vorteil im Vergleich zu anderen Wahlhilfsmitteln ist die freie Auswahl an Themen. Ihr könnt den Bot zu diversen Feldern befragen. Immerhin hat jeder von uns andere Prioritäten und so könnt ihr sichergehen, dass ihr euch über die Themen ausführlich informieren könnt, die euch am Herzen liegen. 

Das bietet mehr Freiheit beim Informieren, als es zum Beispiel beim Wahl-O-Mat der Fall ist, bei dem ein festest Set an Fragen von Parteien beantwortet wurden.

2. Quellen sind direkt verlinkt

Der Bot macht keine Aussage über die Meinung oder Vorhaben von Parteien, ohne euch einen direkten Link zum Absatz in dem Wahlprogramm bereitzustellen, um das es gerade geht.

Das ist aus zwei Gründen essenziell:

  • Falschinformationen vermeiden: Informationen zu solch entscheidenden Vorkommnissen wie demokratischen Wahlen sollten grundsätzlich offengelegt werden, um Fehlinformationen zu vermeiden.
  • KIs machen Fehler: Es ist bekannt, dass KIs, so praktisch sie auch sein mögen, immer noch Fehler machen können. Es ist also wichtig, die Quellen der Informationen zu prüfen. 

Die entsprechenden Quellen sind mit umkreisten Zahlen gekennzeichnet und führen euch direkt zu dem Absatz, in dem ihr Informationen zu eurem Thema erhaltet.

Die Quellen seht ihr als Zahlen im Text oder ihr ruft die ganze Liste an Quellen auf, die ihr mit dem Quellen-Button findet. Die Quellen seht ihr als Zahlen im Text oder ihr ruft die ganze Liste an Quellen auf, die ihr mit dem Quellen-Button findet.

3. Kritisches Hinterfragen per Knopfdruck

Auch das kritische Hinterfragen von diversen Aussagen, Vorhaben und Zielen der Parteien sind beim Informieren über politische Themen immer wichtig. Dazu haben euch die Entwickler einen Button in die Textbox eingebaut, der direkt Gegenargumente für die Aussagen aus den Wahlprogrammen aufführt.

So könnt ihr euch leichter eine differenzierte Meinung bilden.

4. Vergleiche und vergangene Abstimmungen

Um die jeweiligen Grundsätze der Parteien möglichst realistisch und mit Kontext wiederzugeben, bietet Wahl.Chat eine Funktion, mit der ihr mehrere Parteien miteinander vergleichen könnt. Dazu wählt ihr einfach nur die Parteien aus, die ihr vergleichen wollt und drückt auf Parteien vergleichen. Nun müsst ihr nur noch das Thema ansprechen, das euch interessiert.

Was euch ebenfalls mehr Kontext bietet, sind die Abstimmungsergebnisse zu Gesetzesentwürfen. Wenn die Partei in der Vergangenheit schon mal bei einer Bundestagsabstimmung zu einem Thema teilgenommen hat, zeigt euch Wahl.Chat die Ergebnisse und die Begründung für die Entscheidung der Partei an.

Auf Knopfdruck bekommt ihr diverse Details zu vergangenen Abstimmungen im Bundestag und könnt sehen, welche Partei wie abgestimmt hat. Auf Knopfdruck bekommt ihr diverse Details zu vergangenen Abstimmungen im Bundestag und könnt sehen, welche Partei wie abgestimmt hat.

Diese vier Funktionen und Eigenschaften machen Wahl.Chat für mich zu einer extrem wertvollen Möglichkeit, mich zu informieren und die Daten zu überprüfen.

Einige Stolpersteine gibt es aber trotzdem.

Wahl.Chat: Das sind die Nachteile

Leider ist die Auswahl an Parteien vergleichsweise schmal. Die kleinen Parteien sind also von Wahl.Chat ausgeschlossen. Hier eine Liste mit den unterstützen Parteien:

  • Die Linke
  • SPD
  • FDP
  • AfD
  • Die Grünen
  • CDU/CSU
  • BSW
  • Volt
  • Freie Wähler
  • Piraten Partei

Außerdem sind KIs bekannt dafür Falschinformationen mit einem großen Selbstvertrauen als Fakten darzustellen. Dahinter steckt kein böser Wille, sondern die reine Fehleranfälligkeit der Technologie. 

Ich selbst habe bisher zwar keine Fehler entdeckt, doch das heißt nicht, dass sie nicht existieren. Achtet bei diesem essenziellen Thema also darauf, dass auch die Technik keinen Unsinn erzählt

Dementsprechend habe ich Wahl.Chat hauptsächlich dafür genutzt, die richtigen Stellen zu einem bestimmten Thema im jeweiligen Wahlprogramm zu finden und mir die Absätze dort genauer anzuschauen. Dieses Vorgehen kann ich euch nur wärmstens empfehlen.

Ersetzt Wahl.Chat andere Hilfsmittel?

Ganz klar: Nein. Für mich gilt bei Wahlen der Grundsatz: zu viel Informationen und Meinungen kann es kaum geben. Je mehr Informationen ihr aus verschiedenen Quellen bezieht, desto besser könnt ihr sie einordnen. 

Ihr solltet euch also trotzdem andere Quellen suchen und eine möglichst breite und fundierte Meinung bilden. 

Mein Fazit

Wahl.Chat ist für mich ein Tool, dass ich ab sofort vor jeder Wahl verwenden werde, solange es unterstützt wird. Für mich schien die beste Möglichkeit, sich über die Parteien zu informieren immer das Wahlprogramm zu sein, doch wer liest sich schon alle Wahlprogramme zu mehreren Parteien durch? Ich sicher nicht. 

Doch mit Wahl.Chat kann ich die Programme nach genau den Themen durchstöbern, die mich interessieren, Inhalte vergleichen und fühle mich damit deutlich wohler als ich es bei den letzten Wahlen getan habe. 

Wahl.Chat: Die Hintergründe

Technisch basiert Wahl.Chat auf OpenAIs GPT-4o und Perplexity.ai. Beides sind renommierte Dienste, die auf unzähligen Datensätzen trainiert wurden. Perplexity ist dabei wohl weniger bekannt. Es ist ein Recherche-Tool, das dafür verantwortlich ist, dass ihr Links zu den entsprechenden Quellen bekommt. 

Wer steckt dahinter? Wahl.Chat wird von fünf Studierenden der LMU, TUM und der University of Cambridge entwickelt. Zum Team gehören der Psychologiestudent Sebastian Maier (LMU), die Informatikstudenten Anton Wyrowski, Robin Frasch und Roman Mayr (TUM) sowie Michel Schimpf, Doktorand an der University of Cambridge.

Sind meine Daten sicher? Laut Angaben der Entwickler kommt Wahl.Chat ohne Cookies aus und erfasst auch sonst keine persönlichen Daten. Nur die Chats werden anonym gespeichert. In meinen Augen ist das ein vorbildliches Verhalten.

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