Microsoft hat sein erstes Geschäftsquartal 2027 mit höheren Gewinnen, starkem Azure-Wachstum und einem Cashflow abgeschlossen, um den viele Tech-Konzerne angesichts der enormen KI-Ausgaben neidisch sein dürften.
Die soliden Zahlen dämpfen die Nervosität der Investoren bezüglich der explodierenden Kosten für KI-Entwicklung spürbar. Besonders bemerkenswert: Die Partnerschaft mit OpenAI spült riesige Summen in die Kassen – während der Konzern kurz zuvor rund 60.000 Beschäftigten den Abschied nahegelegt hat.
Dieser Artikel stammt im Original von unserer spanischen Schwesterseite XATAKA und erscheint bei GameStar Tech in übersetzter und angepasster Form.
Die wichtigsten Zahlen im Überblick
Wie aus den Präsentationsfolien hervorgeht, kletterte der Umsatz in diesem Quartal auf 92.300 Millionen Dollar – ein Plus von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und damit über den Prognosen der Wall Street, wie The Wall Street Journal berichtet. Der Nettogewinn legte um 32 Prozent auf 36.600 Millionen Dollar beziehungsweise 4,92 Dollar je Aktie zu.
Während an den Märkten Skepsis herrscht, ob sich die Milliardenausgaben für künstliche Intelligenz jemals bezahlt machen, setzt Microsoft ein klares Ausrufezeichen.
Der Retter ist allerdings nicht das Endkunden-Geschäft mit KI, sondern Azure: Die Cloud-Infrastruktur wuchs um 48 Prozent auf 33.200 Millionen Dollar – nach 43 Prozent Zuwachs im Vorquartal.
Die Sparte Microsoft Cloud, zu der neben Azure auch die Cloud-Dienste von Microsoft 365 gehören, erzielte 63.900 Millionen Dollar, was einem Anstieg von 30 Prozent entspricht.
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Neue Struktur für die Finanzberichte
Wie Microsoft-CEO Satya Nadella bereits in seinem jährlichen Brief an die Aktionäre angekündigt hatte, stellt der Konzern seine Quartalsberichte um. Ab sofort unterteilt Microsoft sein Geschäft in zwei Segmente: »Agenten und Infrastruktur« sowie »Geräte und Endkunden«.
Dadurch schlüsselt das Unternehmen die Azure-Umsätze nun jedes Quartal in konkreten Dollarbeträgen auf, statt nur prozentuale Wachstumsraten zu nennen. Das erlaubt euch einen direkten Vergleich mit den schärfsten Konkurrenten Amazon Web Services und Google Cloud – und gibt Microsoft zugleich die Möglichkeit, mit Azure zu glänzen, das die immensen KI-Kosten auffängt.
Im Segment »Agenten und Infrastruktur«, das Azure, Microsoft 365 und Serverprodukte umfasst, erzielte der Konzern 76.800 Millionen Dollar – ein Plus von 25 Prozent. Der Bereich »Geräte und Endkunden«, in dem Windows, Xbox und Suchmaschinenwerbung gebündelt sind, erwirtschaftete hingegen 15.500 Millionen Dollar, was einem Rückgang von 3 Prozent entspricht.
Der OpenAI-Faktor
Microsoft gab zudem an, dass die kommerziellen Partnerschaften mit OpenAI – einschließlich Umsatzbeteiligungen – im Quartal 10.000 Millionen Dollar eingespielt haben. Wie Bloomberg berichtet, entspricht das rund 11 Prozent des Gesamtumsatzes – im im Juni beendeten Geschäftsjahr lag dieser Anteil noch bei rund 7 Prozent.
Das verdeutlicht, wie stark Microsofts Ergebnisse inzwischen von seinem KI-Partner abhängen. Was als enge Allianz begann, zeigte zuletzt immer mehr Risse.
Die Zusammenarbeit beider Unternehmen wurde zuletzt im April 2026 neu geordnet. Bereits im Oktober 2025 hatte OpenAI seine Umwandlung in ein gewinnorientiertes Unternehmen mit Gemeinwohlverpflichtung abgeschlossen. Microsoft bezifferte seine Beteiligung damals auf rund 135 Milliarden Dollar.
Mit der Vereinbarung vom April behielt Microsoft den Zugriff auf die KI-Technologien von OpenAI bis 2032, allerdings nicht mehr exklusiv. OpenAI erhielt zugleich mehr Freiheiten bei der Zusammenarbeit mit anderen Cloud-Anbietern.
Investitionen und Cashflow
Die Investitionsausgaben (CapEx) kletterten um rund 30 Prozent auf 45.200 Millionen Dollar. Sie blieben damit unter Microsofts eigener Prognose, da externe Rechenzentrumskapazitäten verzögert bereitgestellt wurden, wie Jonathan Neilson, Leiter für Investor Relations bei Microsoft, erklärte. Der freie Cashflow belief sich auf 18.600 Millionen Dollar und lag damit rund 10.000 Millionen Dollar über den Markterwartungen, wie Reuters berichtet.
Im abgelaufenen Quartal hat Microsoft nach eigenen Angaben 24 Rechenzentren auf fünf Kontinenten in Betrieb genommen. Finanzchefin Amy Hood rechnet im laufenden Quartal mit Ausgaben von mehr als 50.000 Millionen Dollar.
Diese Bilanz fällt deutlich stabiler aus als die der direkten Konkurrenz: Alphabet (Google) meldete zuletzt einen negativen freien Cashflow von 9.070 Millionen Dollar, und auch Meta gab mehr Barmittel aus, als eingenommen wurden – zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt.
Windows und Xbox brechen ein
Die Einnahmen aus Windows-Geräten und OEM-Lizenzen sanken um 22 Prozent. Microsoft führt dies laut The Verge auf vorgezogene PC-Upgrades vor dem Support-Ende von Windows 10, hohe Lagerbestände und eine schwächere PC-Nachfrage zurück.
Auch bei Xbox hält die Durststrecke an: Die Einnahmen fielen um 2 Prozent. Um die Kosten auszugleichen, bietet Microsoft rund 60.000 Beschäftigten freiwillige Abfindungsprogramme an – das betrifft rechnerisch etwa ein Viertel der Belegschaft.
Ein Unternehmenssprecher teilte mit, der Konzern rechne mit einer Annahmequote von lediglich 3 bis 5 Prozent (weniger als 3.000 Personen). Was mit den verbleibenden 57.000 Beschäftigten geschieht, lässt das Management bisher offen.
Für das laufende Quartal peilt Microsoft einen Umsatz zwischen 96.000 und 97.100 Millionen Dollar sowie ein Azure-Wachstum zwischen 49 und 50 Prozent an.
Hood betonte während der Investorenkonferenz, dass das Unternehmen auch im gesamten Geschäftsjahr 2027 einen positiven freien Cashflow erwartet und Kapital aufnehmen werde, »wenn wir der Meinung sind, dass die Bedingungen dafür günstig sind«, wie Bloomberg zitiert.

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