LAN-Partys dürften den meisten PC-Spielern von früher noch ein Begriff sein. Für vier Freunde aus Thüringen sind LAN-Partys aber kein Relikt aus der Zeit ohne omnipräsentes Internet, sondern auch 2025 ein fester Bestandteil ihres Spieler-Daseins.
Seit nunmehr 25 Jahren kommen Serge, Muuh, Horgust und Hoh zusammen, um einmal im Jahr fünf Tage lang im beheimateten Garten der Eltern des Einen zu spielen. Ja, draußen, ihr habt richtig gelesen.
8:53
Der nächste Koop-Hit? In Little Nightmares 3 erwarten euch allerlei Rätsel und haufenweise Killer-Clowns!
Die vier sind Ende 30 und leben schon lange nicht mehr alle in Thüringen. Mit Bahn, Auto und sogar dem Fahrrad reisen sie je aus Franken, Berlin, Wien und Jena an. Dafür brauchen sie je drei, fünf, neun und zwei Stunden. Im Gepäck ist alles, was man auch früher schon mit zu einer LAN-Party gebracht hat:
Ein Tower-PC, ein Monitor und die nötige Peripherie. 2025 sind die Bildschirme zwar keine Röhren-Monitore mehr, aber dennoch sperrig – was insbesondere für den Herrn, der mit dem Fahrrad angereist ist, herausfordernd gewesen sein dürfte.
Ich habe bei ihnen vorbeigeschaut, weil ich wissen wollte: Wie veranstaltet man eine Outdoor-LAN-Party bei Wind und Wetter und wie schaffen es vier erwachsene Männer, die mitten im Leben stehen, diese Regelmäßigkeit bei den Treffen einzuhalten?
Wie simpel die Vier es halten, hat mich überrascht, dabei sind die Lösungen eigentlich naheliegend.
Einmal auf Anfang
Serge, Muuh, Horgust und Hoh kennen sich bereits seit der Schule. Damals waren die Eltern nicht so begeistert von den Ausflügen in virtuelle Welten, welche die Jungs
unternahmen. Mir kam es nicht pädagogisch wertvoll vor
, gesteht der Vater.
In einem Jahr habe er den Spielern sogar den Strom abgestellt, als diese gerade einen Ego-Shooter zockten. Doch nach und nach änderten die Eltern ihre Einstellung. Wir haben die Bedeutung für die Jungs zuerst nicht richtig eingeschätzt
, ergänzt die Mutter.
Inzwischen stehen sie dem Unterfangen nicht mehr im Weg, sie unterstützen es sogar. Eine Weile habe ich ihnen dann aus dem Fenster das LAN-Kabel übers Dach gelegt und eine Dose für den Quatsch musste auch her
, erzählt der Vater.
Ich sitze zusammen mit ihm, seiner Frau und zweien der Teilnehmer, darunter der Sohn der beiden, in besagtem Garten. Am Tisch unter einem aufgespannten Sonnenschirm kann ich mir kaum vorstellen, dass es jemals Ärger um diese Veranstaltung gegeben haben soll.
Die anderen beiden spielen währenddessen weiter. Ihre Technik und die Tische mit den Monitoren darauf stehen unter einem kleinen Terrassenvordach, wenige Meter entfernt. Zur Wetterseite hin ist eine Plastikfolie gespannt.
Der Vater mir gegenüber am Tisch hat selbst einen Laptop vor sich stehen. Er ist überaus bewandert in den Bereichen IT und Datensicherheit – bei Weitem mehr als die meisten jüngeren Leute. Mit Spielen hat er allerdings nicht viel am Hut, obwohl er sich zunehmend dafür zu interessieren scheint.
Die Mutter hat sich kurz vorher noch im Gemüsegarten ausgetobt, ehe sie sich zu uns setzt. Auf mich wirkt die Szenerie familiär und irgendwie auch festlich. Ich war als Teenie auf LAN-Partys, aber das hier ist etwas Anderes.
Der eine Teilnehmer sitzt in Bademantel und Schlappen neben mir und schlürft entspannt Leitungswasser aus einem Weißbierglas. Das hier ist der zweite von insgesamt fünf LAN-Tagen.
Ich frage mich, wie vier Erwachsene es mit Job, Familie und anderen Verpflichtungen schaffen, fast eine Woche lang zum Spielen mit Freunden zu verschwinden.
Ich kann von überall aus arbeiten, falls nötig
, meint mein Sitznachbar unbekümmert, aber andere aus der Gruppe würden sich auch einfach Urlaub nehmen.
Urlaubsfeeling und frische Luft
Die Szenerie wirkt gekonnt improvisiert und vermittelt Urlaubsstimmung, ähnlich der auf einem Campingplatz. Die Vier schlafen während der LAN-Party teilweise draußen. Neben der Hardware zählen zu den wichtigsten Utensilien genügend Milch für Cornflakes und Müsli.
Auf dem Dorf gibt es kaum Lieferdienste. Ein Großteil der Verpflegung wird mitgebracht oder von den Gastgebern gestellt.
Noch scheint die Sonne, aber für den Abend wurde bereits Regen angekündigt. Für diesen Fall haben die Gäste bereits die Plane vor die Terrasse gespannt. Draußen spielen bringt neben der frischen Luft eben auch frisches Wetter mit sich. Was dabei laut der Teilnehmer das Wichtigste ist:
Man braucht einen guten FI-Schutzschalter, wenn wieder Wasser in die Verteiler läuft (vom Regen oder Serges Ungeschicklichkeit). Mir ist mal ein neues Netzteil abgeraucht, und dieses Mal ist meine Tastatur kaputtgegangen. Vermute die Feuchtigkeit und Kälte …
Meistens organisieren die Vier die Veranstaltung im April, manchmal aber auch im Sommer, wie dieses Jahr. Doch egal, in welchem Monat: an das Draußenspielen sind stets Herausforderungen geknüpft. Wieder kommt das Thema Milchlagerung, aber auch andere Draußen-Probleme auf:
Grundsätzlich zu wenig Milch. Milch wird warm. Es ist tagsüber zu hell, nachts zu kalt, keine Lieferdienste, Insekten wie Hornissen, Wespen und so weiter stören.
Dennoch verleben die Teilnehmer dieses Event am liebsten draußen.
Manchmal findet die LAN auch häufiger als jährlich statt, zum Beispiel in Berlin oder Jena. Aber Garten-LAN ist einfach was Besonderes: Frische Luft, zum Teil draußen schlafen, Urlaubsfeeling
, erzählt mir einer der Teilnehmer.
Gewitter? Starkregen? Kein Hindernis
Wenige Tage nach meinem Besuch bei der LAN gibt es ein sattes Sommergewitter mit Starkregen. Ich bin zufällig in der Gegend spazieren (ja, ich gehe bei jedem Wetter raus) und innerhalb kürzester Zeit komplett durchnässt vom Niederschlag (nein, ich mag keine Regenschirme und für eine Regenjacke ist es zu warm).
Als ich an dem Garten vorbeikomme, staune ich nicht schlecht. Die LAN geht trotz der durchaus durchschwimmbaren Umgebung einfach weiter. Offenbar haben nicht nur die Eltern die Bedeutung für die Jungs zuerst nicht richtig eingeschätzt.
Auch ich hätte nicht gedacht, dass noch andere Leute den Regen nicht scheuen, nicht einmal mit der Hardware, die bloß eine Plane entfernt vom Regenguss und teilweise auf dem Boden steht. Doch der Spaß und die Gesellschaft sind Kälte, Hitze, Regen und demolierte Hardware wert.
Einfach Bock und Bock, die anderen wiederzusehen
, schlägt potenzielle Unannehmlichkeiten bei Weitem.
Es mag kitschig klingen, aber ich finde das einfach schön. Da soll noch mal jemand sagen, dass geliebte Hobbys im Erwachsenenalter einfach aussterben. In einem kleinen Dorf in Thüringen werden diese nicht nur jedes Jahr aufs Neue zelebriert, sondern auch ganz wie damals. Nur die Spiele sind inzwischen neuere. Ansonsten ist alles wie vor 25 Jahren.
Jetzt seid ihr gefragt: Draußen spielen! Macht ihr so etwas auch? Wenn ja, bloß mit eurem Handheld oder, wie die vier Freunde aus dem Artikel, mit komplettem Desktop-Setup? Erzählt es uns in den Kommentaren.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.