Ich muss gestehen: Irgendwann hatte ich die frommen Sprüche mit dem draußen-Spielen meiner Mutter satt, habe meinen C64 und den Röhrenfernseher eingepackt und auf die heimatliche Terrasse gestellt.
Wer will denn bei hochsommerlichen Temperaturen körperlich anstrengende Dinge wie Fußball spielen? The Last Ninja und Turrican waren eher mein Ding und seit diesem einen trotzigen Nachmittag so um 1991 herum vermisse ich das irgendwie.
Endlich beim Zocken Vitamin D produzieren! Oder Kiemen entwickeln.
Wie gut, dass ich als Erwachsener mehr oder weniger agieren kann, wie ich gerne möchte. Und wie praktisch, dass es Hersteller von Outdoor-Geräten gibt, die gerne einen wetterfesten Fernseher getestet haben wollen.
Da der Sommer 2025 sich bislang sehr oft als Regenzeit identifiziert hat und ich seit 1991 etwas bockig bin beim draußen-Spielen, ist es vielleicht gar nicht so unpraktisch, dass der von Sylvox testweise zur Verfügung gestellte Fernseher der 2025er Gaming-Series wasserdicht ist, für die sonnigen Tage aber auch eine hohe Helligkeit von 1.000 Nits mitbringen soll.
Ich habe mich für das Modell mit 55 Zoll Diagonale entschieden, schließlich will das Gerät ja auch ab und zu transportiert werden.
Zur Aufständerung und für kurze Wege lag dem Testgerät zwar eine sehr massive Halterung auf Rollen bei (für dir ihr beim Kauf des Fernsehers allerdings extra in die Tasche greifen müsst. Tatsächlich müsst, dem TV liegt nicht einmal ein simpler Standfuß bei und für viele Halterungen aus dem Handel dürfte das Gerät zu schwer sein), die wiegt aber auch fast so viel wie der schon nicht leichte Fernseher selbst..
Auf meiner zum sommerlichen Zockplatz auserkorenen Obstwiese rollt es sich aber eher schlecht, schon wegen des an Wacken-Verhältnisse erinnernden Matsches.
Technische Daten des Sylvox Outdoor Gaming-Fernsehers:
- Diagonale: 55 Zoll
- Auflösung: 3.840x2.160 Pixel (4K)
- Refreshrate: 120 Hz mit FreeSync
- Latenz: 8 ms (inkl. Auto Low Latency Mode ALLM)
- Schutzklasse: IP55
- Smart-Funktion: Google TV
- Preis: 2.148 Euro inklusive Rollwagen
Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung
Eine weitere mütterliche Weisheit, die ich kurz nach Lieferung des erstaunlich schweren weil in einer soliden Metallhülle verbauten Fernsehers, umsetzen konnte: Draußen regnete es nicht nur seit Tagen, es schüttete aus allen Rohren. Was solls, als Norddeutscher besitze ich Regenjacke und Gummistiefel. Der praktischerweise tragbare Gaming-PC steht wettergeschützt im Zelt, der Fernseher wird nass.
Das verträgt der tatsächlich sehr gut, sogar die Fernbedienung ist entsprechend versiegelt. WLAN reicht gerade noch bis in den Garten, so dass sich all die Google-TV-Funktionen nutzen lassen. Krieg der Welten? Nee, ich will jetzt keinen Film schauen über den ich mich dann doch nur ärgere.
Lieber rauf auf das große Battlefield. Es ist praktisch, wenn eine wirklich gelungene Open Beta zum Testzeitraum des Sylvox-Fernsehers stattfindet.
Eher schlichtes 4K IPS-Panel mit 120 Hz
Die zum Test gewählte Gaming-Variante des Herstellers bietet ein Panel mit 120 Hz in 4K-Auflösung und verhält sich ansonsten wie jeder andere Fernseher auch. Allerdings eher wie ein Fernseher der unteren Preisklasse, was angesichts der gut 2.000 Euro, die Sylvox im Onlineshop verlangt, eher verwirrend erscheint.
Allerdings haben auch intensive Basteleien in den TV-Optionen kaum Besserung bewirkt: Das IPS-Panel leuchtet zwar angenehm hell, bietet ansonsten aber nur Schonkost. So fällt die Ausleuchtung des Panels erschreckend aus, große Helligkeitswolken an den Bildrändern aber auch in der Mitte ruinieren den Schwarzwert komplett, die Farbdarstellung ist ebenfalls maximal durchschnittlich.
Kein Vergleich mit meinem Wohnzimmer-TV
Im Wohnzimmer steht ein älterer OLED-Fernseher, der mich in diesen Punkten durchaus etwas verwöhnt hat. Aber selbst der 300-Euro-Billigfernseher im Zimmer vom Nachwuchs zeigt ein größtenteils vergleichbares Bild, bei der Ausleuchtung übertrifft der günstige TV die Outdoor-Variante sogar. Im Gamingmodus stimmt bei Sylvox zwar die Eingabelatenz und 120 Hz sind nett zu haben, für 2.000 Euro + Standfuß mit Apple-Bepreisung muss aber mehr drin sein.
Spannend ist also nicht das Innenleben sondern das Äußere. Und spannend bedeutet in diesem Zusammenhang teuer. Um das Einstiegs-Panel herum befindet sich eine gut abgedichtete metallische Hülle, deren einzige Aussparung unten die Anschlüsse freigibt. Sind die nötigen Kabel eingesteckt, Strom sogar mit Befestigungsklemme, wird hier eine ebenfalls metallische Abdeckung angeschraubt, damit auch an dieser Stelle keine Feuchtigkeit eindringt.
Bedeutet aber auch: Einmal eingesteckt und abgedichtet, ist es nicht mehr so schnell möglich, ein Kabel zu tauschen, neue Geräte anzuschließen oder einfach nur am verfluchten HDMI-Kabel zu wackeln, weil es offenbar noch nicht richtig steckt. Argh. Seitliche Anschlüsse gibt es aus Wasserschutzgründen keine.
Battlefield 6 Open Beta inklusive Regenschauer - nicht so empfehlenswert
Das Zocken selbst lief dann ganz gut, so wie eine Runde Battlefield 6 Beta auf einem 55" Fernseher mit eher überschaubaren technischen Verlockungen sich halt so spielt. Spiel toll, Bildqualität durchschnittlich. Aber dafür outdoor. Ich habe den Fernseher die Testzeit über im (vor neugierigen Blicken geschützen) Garten stehen lassen, wo er diverse heftige Regenattacken aber auch einige Tage knallenden Sonnenscheins überstehen musste.
Das ist ihm vorbildlich gelungen, weshalb ich ihm die Outdoor-Versprechen definitiv bescheinigen kann. Umso ärgerlicher, dass trotz des erschreckend hohen Preises nur ein qualitativ eher zweifelhaftes Billigpanel im Gehäuse zu stecken scheint. Der Fokus liegt klar auf der Wetterfestigkeit, was zwar gut und sinnvoll ist, mich irgendwie aber auch etwas enttäuscht.
Kein sonderlich positives Fazit
Daher ist das Fazit klar: Für die unter euch, die Zeit ihres Lebens ein Draußenspiel-Trauma plagt ist der Outdoor-Gaming-Fernseher von Sylvox eher nichts. Um beim Grillen ein wenig Fußball zu schauen oder ein paar Flaggenpunkte einzunehmen, ist der Fernseher zwar durchaus geeignet - bei Regen bringt das aber dann doch eher wenig Spaß und im brütender Hitze ebenso.
Zumal der Fernseher einen recht penetranten Lüfter zur Abkühlung nutzt, der sich bei direkter Sonne Mühe gibt, mit den eher durchschnittlichen integrierten Lautsprechern zu konkurrieren.
Besitzt ihr zufällig eine Außengastronomie oder wollt bei der nächsten Gartenparty so richtig angeben, könnte der Fernseher für euch zumindest halbwegs spannend sein. Aber selbst dann würde ich vom Kauf abraten, da die technischen Werte des IPS-Panels eher einen deutlich niedrigeren Preispunkt rechtfertigen.
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