Auf den ersten Blick könnte man meinen, jemand hätte einen Eimer voll roter Farbe über die Landschaft gekippt.
Denn mitten im trockenen Süden Marokkos zieht sich ein riesiger roter Fleck durch Täler und verzweigt sich derweil in immer schmalere Ausläufer – fast wie ein Fluss.
Was ist da los? Feuer? Giftige Ablagerungen? Oder womöglich eine ungewöhnliche Gesteinsformation?
Nichts davon trifft zu.
Und die Erklärung für die seltsam gefärbte Landschaft ist im Grunde völlig unspektakulär: Es sind schlicht und einfach Pflanzen.
Das Spannende daran ist etwas anderes. Denn das Rot existiert eigentlich gar nicht. Zumindest nicht für unsere Augen.
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Wir zeigen euch den Kurs des interstellaren Kometen 3I/Atlas mithilfe von Universe Sandbox
Woher das Rot kommt
Bei der Aufnahme handelt es sich um ein sogenanntes Falschfarbenbild
. Das bedeutet: Der Satellit fotografiert die Erde nicht nur im für uns sichtbaren Teil des Lichts.
Stattdessen nehmen die Sensoren Licht, oder konkret elektromagnetische Strahlung zusätzlich im nahen Infrarotbereich wahr – zum Beispiel das hochauflösende B8-NIR-Band bei rund 842 Nanometern, also oberhalb des für uns sichtbaren Lichts. Und genau dort wird Vegetation besonders interessant.
Denn gesunde Pflanzen schlucken einen Großteil des roten und blauen Lichts, reflektieren dafür jedoch vergleichsweise viel Infrarotstrahlung.
Da unsere Augen diese Wellenlängen aber nicht wahrnehmen können, werden sie gewissermaßen in für uns sichtbare Farben übersetzt.
Und das ist in diesem Fall Rot.
Vereinfacht gesagt sehen wir auf dem Bild also nichts anderes als einen dicht bewachsenen Bereich in einer ansonsten trockenen Region.
Daher ist es auch kein Zufall, dass die Verästelungen denen eines Flusses gleichen. Schließlich wachsen die Pflanzen entlang des Verlaufs eines Flusses samt Nebenarmen und Zuflüssen.
Das Rot folgt dem Wasser
Was wir auf den Bildern neben dem Rot der Vegetation sehen, ist die Region um Ouarzazate am Rand des Antiatlas – der am südlichsten gelegenen Gebirgskette Marokkos.
Dort ist es nicht einfach nur felsig und trocken. Das Gebiet zählt bereits zur Klimazone der Sahara.
Dass sich trotzdem so ausgeprägte rote Flecken durch die Landschaft ziehen, ist vor allem der Jahreszeit geschuldet, in der die Aufnahme gemacht wurde.
Und die Aufnahme ist im Januar entstanden.
Während der feuchteren Jahreszeiten tritt deshalb selbst Vegetation entlang kleinerer Flüsse vergleichsweise deutlich hervor.
Hinzu kommen landwirtschaftlich genutzte Flächen.
Ein Foto, das eigentlich eine Messung ist
Genau dafür sind Erdbeobachtungssatelliten wie Sentinel-2 gedacht.
Das wichtigste Instrument an Bord erfasst insgesamt 13 verschiedene Spektralbänder, also bestimmte Bereiche von Wellenlängen.
Doch damit lässt sich weit mehr beobachten als lediglich eine ungewöhnlich gefärbte Landschaft.
Experten können darin so einiges lesen. Neben der reinen Vegetation und landwirtschaftlich genutzten Flächen erkennen sie Veränderungen in Wäldern und Überschwemmungen sowie generell Veränderungen an der Erdoberfläche.
Was im ersten Moment wie ein spektakuläres Foto aus dem All aussieht, ist in Wahrheit also eine Messung. Nur eben eine, dessen Daten sich sehr hübsch darstellen lassen.
Auch Hollywood ist auf dem Bild zu Hause
Wer sich die Region mit Google Earth etwas genauer ansieht, wird allerdings noch viel mehr entdecken. Nördlich des auffällig roten Gebiets liegt Ouarzazate, eine Stadt mit rund 80.000 Einwohnern.
Die Umgebung dürfte vielen vertrauter vorkommen, als sie zunächst glauben.
Der fast schwarze Bereich auf dem Bild ist im Übrigen ein Stausee, genauer: der El-Mansour-Eddahbi-Stausee.
Wasser wird mit Blick auf die Falschfarbendarstellung oft sehr dunkel abgebildet, was jedoch zu einem hohen Kontrast im Vergleich zum kräftigen Rot der Pflanzen führt.
Manchmal muss man die Welt falsch färben, um sie zu verstehen
Wer sich das Bild detailliert ansieht, betrachtet demnach keine Landschaft, die sich auf magische Weise rot gefärbt hat.
Das Rot ist künstlich. Und trotzdem zeigt die Aufnahme etwas sehr Reales.
Sie zeigt Eigenschaften der Vegetation, die unseren Augen, die etwa einen Bereich von 380 bis 780 Nanometern Wellenlänge abdecken, ansonsten verborgen bleiben. Eine gesunde Vegetation zum Beispiel. Die eigentlich infrarote Reflexion wird in einer Farbe dargestellt, die wir sofort erkennen.
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Bei Google Earth muss man vergleichsweise nahe heranzoomen, um zu erkennen, dass es sich um Flora handelt. Das Falschfarbenbild macht das aus viel größerer Entfernung erkennbar.
Das ist es vielleicht, was diese Bilder so spannend macht.
Sie zeigen uns nicht, wie die Erde für uns Menschen aussieht, sondern manchmal so, wie wir sie sehen müssen, um sie besser zu verstehen.

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