Unerreichte Performance-Schallmauer soll durch neue Gaming-Grafikkarten durchbrochen werden

Die kommenden Gaming-Grafikkarten RTX 4000 und RX 7000 legen laut jüngster Gerüchte einen extremen Leistungssprung hin. Wir klären, was dran ist.

von Nils Raettig,
02.05.2022 15:04 Uhr

Die Zeichen auf enges und spannendes Duell zwischen den neuen Grafikkarten-Generationen von AMD und Nvidia verdichten sich, noch ist der Ausgang aber völlig ungewiss. Die Zeichen auf enges und spannendes Duell zwischen den neuen Grafikkarten-Generationen von AMD und Nvidia verdichten sich, noch ist der Ausgang aber völlig ungewiss.

Auch wenn Gerüchte immer mit einer gewissen Vorsicht zu genießen sind, scheinen sich mit Blick auf die neuen Highend-Karten von AMD (RX 7000) und Nvidia (RTX 4000) zwei Dinge abzuzeichnen: Sie bringen einen großen Leistungsschub, der aber auch mit einer sehr hohen Leistungsaufnahme einhergeht.

Die jüngsten Gerüchte widmen sich dem ersten Aspekt, genauer gesagt geht es um die theoretische Rechenleistung in Teraflops. Sie soll sogar derart stark ansteigen, dass die bei Gaming-Grafikkarten bislang in weiter Ferne liegende Schallmauer von 100 Teraflops durchbrochen werden könnte.

Zunächst hat der für Leaks bekannte Twitter-Nutzer kopite7kimi einen Wettlauf um das Erreichen von 100 Teraflops zwischen AMD und Nvidia ins Gespräch gebracht, kurz danach legte der Kollege Greymon55 mit einer ähnlichen Stoßrichtung nach:

Eine noch konkretere Angabe in Bezug auf AMDs Navi-31-Chip hat er inzwischen wieder aus seinen Tweets gelöscht, darin war von 92 Teraflops bei FP32-Berechnungen die Rede, wie noch bei Videocardz.com nachzulesen ist.

Vergleich mit RTX 3000 und RX 6000: Das wären wesentlich höhere Werte als bei den aktuellen Top-Modellen von AMD und Nvidia. So kommt die RTX 3090 Ti auf 40 Teraflops (zum Test geht es über die Link-Box unten) und die RX 6900 XT gerade mal auf ungefähr 23 Teraflops. Aber was genau würde das überhaupt für die Leistung bedeuten? Zur passenden Einordnung müssen wir etwas weiter ausholen.

Mit so viel Leistung hatte ich nicht gerechnet   126     10

RTX 3090 Ti im Test

Mit so viel Leistung hatte ich nicht gerechnet
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Was steckt hinter Teraflops?

Ein entscheidender Hinweis vorab: Die Rechenleistung in Teraflops lässt sich nicht direkt auf die tatsächliche Spieleleistung ummünzen. Vergleiche dieser Angaben sind außerdem immer schwieriger, je unterschiedlicher die Architektur der entsprechenden Grafikkarten ist.

Was sind Teraflops? Der Wert gibt an, wie viele Berechnungen einer bestimmten Art theoretisch pro Sekunde durchgeführt werden können. FLOPS steht für Floating Point Operations Per Second (zu Deutsch: Gleitkommaoperationen pro Sekunde), Tera ist die Größenordnung von einer Billion.

Die Berechnung der Teraflops erfolgt im Falle von Grafikkarten anhand der Anzahl an Rechkernen bezieungsweise Shadern. Sie wird mit der Taktfrequenz der GPU multipliziert und anschließend verdoppelt, weil pro Takt zwei Befehle durchgeführt werden.

Wie viele Berechnungen möglich sind, wird außerdem durch ihre Genauigkeit beeinflusst. Bei Gaming-GPUs bezieht sich die Angabe auf die einfache Genauigkeit beziehungsweise auf FP32 (32 Bit), weil diese Art von Berechnungen in Spielen zentral sind.

Wie wichtig sind Teraflops?

Einerseits sehr wichtig, da eine hohe Leistung in der (Spiele-)Praxis nicht ohne eine gewisse theoretische Rechenleistung realisierbar ist. Andererseits kann die Teraflop-Angabe eben wegen ihres theoretischen Charakters auch ein verfälschtes Bild abgeben.

In der Spiele-Praxis ist der Unterschied zwischen der RTX 2080 Ti und der RTX 3080 deutlich geringer, als der reine Blick auf die theoretische Leistung in Teraflops vermuten lassen würde. In der Spiele-Praxis ist der Unterschied zwischen der RTX 2080 Ti und der RTX 3080 deutlich geringer, als der reine Blick auf die theoretische Leistung in Teraflops vermuten lassen würde.

Das wird beispielsweise am Vergleich der oben zu sehenden RTX 2080 Ti und der RTX 3080 sehr deutlich, die beide von Nvidia stammen. Letztere erreicht mit knapp 30 Teraflops einen mehr als doppelt so hohen Wert wie die 2080 Ti mit ihren knapp 13,5 Teraflops. In Spielen liegt der Vorsprung mit 4K-Auflösung und ohne Raytracing dagegen eher zwischen 30 und 40 Prozent und damit deutlich niedriger.

Der große Unterschied kommt in diesem Fall auch durch eine technische Besonderheit zu Stande, mit der Nvidia Gleitkommaberechnungen einen größeren Stellenwert als Ganzzahlberechnungen einräumt. Mehr dazu erfahrt ihr im Artikel RTX 3090 mit 10.496 Kernen: Nvidia erklärt, wie das möglich ist.

AMD könnte für die neuen RX-7000-Modelle Ähnliches vorhaben, außerdem sollen sowohl AMD als auch Nvidia durch deutlich höhere Taktraten im Bereich von drei Gigahertz einen großen Sprung bei den Teraflop-Zahlen erreichen. All das ändert aber nichts daran, dass die Teraflops-Angabe ein theoretischer Wert bleibt.

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Was bedeuten die jüngsten Gerüchte?

Sollten sich die Gerüchte zu Werten im Bereich von 100 Teraflops für die kommenden Grafikkarten von AMD und Nvidia bestätigen, ist dahinter durchaus auch für die Leistung in der Spiele-Praxis ein großer Sprung nach vorne zu erwarten, der über dem Durchschnitt bei Generationswechseln von GPUs liegt.

Er dürfte aber zum einen klar geringer ausfallen als der reine Blick auf die theoretische Rechenleistung vermuten lässt. Zum anderen spielen beim kommenden Duell zwischen AMD und Nvidia noch viele weitere Faktoren eine große Rolle.

Teraflops sind nicht alles: Angefangen von ihrer Verfügbarkeit und den Preisen (wo es durchaus Grund gibt, positiv gestimmt zu sein) über Aspekte wie die Energieeffizienz und die Speicherausstattung, bis hin zu der Raytracing-Performance gehört weit mehr zu einer guten Grafikkarte als eine hohe Teraflop-Zahl.

Auch wenn es sehr spannend sein kann, die jüngsten Gerüchte zu verfolgen, gilt am Ende also doch immer noch, dass nur unabhängige Benchmarks die entscheidenden (Performance-)Geschichten erzählen können.

Wie schätzt ihr die jüngsten Gerüchte ein? Stellen sie einen sehr vielversprechenden Ausblick auf die kommenden Top-Modelle von AMD und Nvidia dar, kann man sie getrost ignorieren, auch weil sie sich nur auf die theoretische Rechenleistung beziehen oder ist es etwas dazwischen? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen!

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