Wenn Smartphone-Hersteller neue Handys vorstellen, sind die Blicke meistens auf das Top-Modell gerichtet, auf die Ultras und die Pro Maxes der Handywelt.
Gestern war das anders. Da stand nicht das Fold 8 Ultra im Rampenlicht, sondern das Modell, das sich eine Stufe darunter platziert. Nach dem ersten Anblick wundert mich das auch gar nicht: das Handy sticht mit einem ungewöhnlich breiten Formfaktor aus der Masse heraus, während das Ultra-Modell konservativ schmal bleibt.
Mich traf der Schlag: Das Fold 8 ist ein Handy, von dem ich nicht einmal wusste, dass ich es brauche – aber falten will ich es nicht.
Genau DIESES Format wünsche ich mir für normale Handys
Das Samsung Galaxy Fold8 ist ein im Grunde ein breites Falthandy:
- Das Außendisplay misst 5,5 Zoll in der Diagonale; auf ihm tummeln sich 1972 x 1248 Pixel im 16-zu-10-Format.
- Aufgeklappt offenbart sich ein großes 7,6-Zoll-Display mit 1.848 x 2.448 Pixeln im 4:3-Format.
Das breite Bildformat spielt seine Stärken ungefaltet als auch aufgefaltet aus. (Bildquelle: Patrick Schneider/GameStar Tech)
Ironischerweise ist für mich das Highlight von diesem Handy nicht die Faltfunktion oder der große Bildschirm im aufgeklappten Zustand. Nein, es ist das Außendisplay und der Formfaktor im zugeklappten Zustand.
Ich wünsche mir genau das Format, aber für gewöhnliche Smartphones. Dafür sprechen 6 Gründe.
1. Hosentaschen-Format: Kompakt, aber dennoch genügend Bildschirmfläche
Obwohl das Handy eine Bildschirmdiagonale von 5,5-Zoll besitzt, die heute praktisch ausgestorben ist, bietet es dennoch genügend Bildschirmfläche für Apps, Webseiten und mehr. Der Grund dafür ist eben das breite Seitenverhältnis.
Wir haben euch erst in jüngster Vergangenheit in einer Umfrage gefragt, welchen Formfaktor euer Traumhandy haben soll und mehr als ein Drittel wünscht sich ein Comeback kompakter Optionen.
Ich sehe in breiten Handys eine neue Chance für kleine Smartphones. Außerdem dürfte somit die kurze Akkulaufzeit dieser Handys der Vergangenheit angehören: Es gibt mehr Platz für größere Akkus und die neuen Silizium-Akkus bieten mehr Laufzeit bei gleichzeitigem Platzersparnis.
2. Gaming: Das 16:10-Format ist perfekt dafür geeignet
16 zu 10: Dieses Bildschirmformat kenne ich doch! Die meisten Handhelds von heute verwenden es und es eignet sich perfekt für die meisten PC- und Konsolenspiele von heute.
In letzter Zeit streame ich sehr gerne meine Spiele von PC und Konsole auf mein Tablet oder meinen Handheld, die beide dieses Bildformat besitzen. Mein Handy vermeide ich, weil nur ein kleiner Teil des Bildschirms für Spiele genutzt wird, die von der PS5 gestreamt werden; links und rechts bleiben dicke schwarze Ränder.
Das Außendisplay vom Samsung Galaxy Fold8 kann hingegen die meisten Spiele formatfüllend darstellen.
3. Videos schauen: Das einzig richtige Format
Genau wie beim Spielen sind auf dem Handy links und rechts schwarze Ränder beim Anschauen von Querformat-Videos sichtbar. Natürlich kann man in vielen Apps einen Vollbildmodus aktivieren, allerdings werden dann Teile des Videos abgeschnitten.
Das lange Seitenverhältnis von heutigen Smartphones eignet sich besser für das Anschauen von Filmen im cineastischen Breitbildformat – aber nur die wenigsten schauen ganze Filme auf ihrem Handy.
Das Außendisplay vom Samsung Galaxy Fold8 eignet sich dank seines 16-10-Formats deutlich besser für Querformat-Videos, die traditionell das 16-9-Seitenverhältnis besitzen.
4. Lesen: Das Handy als E-Reader
Klassische E-Reader, wie von Tolino oder der Kindle, haben mindestens zwei große Vorteile gegenüber dem Lesen auf einem Handy:
- Sie besitzen augenschonende E-Ink-Bildschirme, die selbst ohne Hintergrundbeleuchtung lesbar und sehr energieeffizient sind.
- Sie setzen auf ein breites Bildschirmformat, das weniger Zeilenumbrüche beim Lesen erfordert.
Der äußere Bildschirm des Samsung Galaxy Fold8 wird natürlich nicht die positiven Eigenschaften eines E-Ink-Displays bieten, aber dafür lässt sich der Text von E-Books mit weniger Zeilenumbrüchen darstellen, wie wir es von Kindle und Co. kennen.
5. Langlebigkeit: Klassische Smartphones sind robuster
Obwohl das Samsung Galaxy Fold8 ein 2.000-Euro-Handy ist, bietet es nur eine Schutzklasse von IP48. Es ist also sehr vernünftig gegen Wasser geschützt, aber Staub und Feinpartikel, die kleiner sind als ein Millimeter, können langfristig ein Problem darstellen.
Wenn sich in das Scharnier feinste Sand- oder Staubkörner verirren, kann es dadurch langfristig beschädigt werden oder sich einfach nicht mehr geschmeidig in der Bedienung anfühlen.
Hinzu kommt die Materialermüdung im Innendisplay, durch die die Falz über einen längeren Zeitraum sichtbarer werden sollte.
Ein klassisches Smartphone wird immer eine bessere Robustheit bieten können, als eines, das man zusammenfalten kann.
6. Preis: Foldables bleiben teuer
Selbst mit der achten Generation verweilen die Foldables im Premium-Segment der Smartphones und es sieht nicht so aus, als würde sich daran bald etwas ändern. Stattdessen treiben Hardware-Kosten die Preise eher nach oben.
Für Menschen, die Gefallen an dem Formfaktor finden, aber nicht unbedingt ein Falthandy benötigen, wäre ein Samsung Galaxy Fold8 ohne »Fold« perfekt.
Ohne den teuren Faltmechanismus könnte es um einiges günstiger verkauft werden, vor allem wenn man die restliche Hardware übernimmt (wie etwa das eher mittelmäßige Kamerasystem ohne Telezoom).
Mehr zum Meinungen zum Samsung Galaxy:
- Patrick Schneider: Seitdem ich das neue Galaxy Z Fold8 in der Hand hatte, kommt mir jedes andere Falt-Handy falsch vor
- Marinus Martin: Samsung Galaxy Z Fold8 vs. Z Fold8 Ultra: Ich habe einen klaren Favoriten
Fazit: Ich will das Fold8, aber ohne Fold
Vergessen wir für einen Moment die 2.000-Euro-Faltmechanik und das flexible Innendisplay. Was übrig bleibt, ist der beste Formfaktor, den die Smartphone-Welt seit Jahren gesehen hat.
Samsung hat mit dem Außendisplay versehentlich mein ideales Standard-Handy erfunden und damit ein Smartphone gezeigt, das es noch gar nicht gibt.
Jetzt fehlt den Herstellern nur noch der Mut, diesen Faltraum in die ungefaltete Realität umzusetzen.



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