Wie eine Satire-Webseite echte Kriminelle hinter Gitter brachte und damit Leben rettete

Agent 47 selbst anzuheuern ist wohl doch nicht nur einen Mausklick entfernt.

Über eine Satire-Webseite haben tatsächlich einige Menschen versucht einen eigenen »Agent 47« anzuheuern. (Bildquelle: IO Interactive AS) Über eine Satire-Webseite haben tatsächlich einige Menschen versucht einen eigenen »Agent 47« anzuheuern. (Bildquelle: IO Interactive A/S)

Eigentlich wollte sich Bob Innes, IT-Student aus Kalifornien, nur einen Witz erlauben. Was als harmloser Spaß mit Freunden begann, endete als unfreiwilliges Versteckspiel mit der kriminellen Unterwelt.

Aus einer Laune heraus entstand 2005 die Webseite RentAHitman.com, ein Projekt mit einem Augenzwinkern, das plötzlich reale Anfragen von Möchtegern-Auftragskillern anzog. 

Doch der wahre Clou: Die gefälschte Mörderagentur entpuppte sich als geniale Falle, die bereits zu über 30 Verhaftungen führte – alles für den Domain-Preis von 9,20 Dollar.

Wie kam RentAHitman zustande?

Bob Innes wollte 2005 ein IT-Sicherheitsunternehmen mit seinen Freunden gründen, doch der perfekte Name hat noch gefehlt. 

Sie entschieden sich für RentAHitman, weil sie dachten, der Name sei witzig. 

  • »Rent« steht für »heuert uns an«
  • »Hit« soll den Datenverkehr beschreiben
  • »Man«, weil sie eben vier Männer waren

Leider haben sich die Wege der vier Freunde nach dem Ende der Business School getrennt, weshalb das Unternehmen nie zustande kam. Bob Innes hatte sich die Domain trotzdem bereits gesichert und dann bis zum Jahre 2008 vergessen. 

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Er erstellte aus Versehen eine Fake-Mörderagentur

Als er dann einen neugierigen Blick in den Posteingang warf, hat er nicht schlecht gestaunt: Über 300 E-Mails – und darunter einige, die er so nicht erwartet hat. 

»Wie viel verlangst du für einen Auftrag? Wird das ›Asset‹ auch entsorgt?«, war nur eine solche Anfrage. Eine Dame aus dem vereinigten Königreich hatte sogar Interesse an einer Ausbildung zur professionellen Auftragsmörderin. 

Eine solche Gelegenheit ließ Innes nicht verstreichen und erlaubte sich einen Spaß, indem er die Webseite überarbeitete und in eine (offensichtliche) Parodie-Seite umgewandelte. Auf dieser findet man wie bei anderen Seiten Kundenbewertungen und sogar Awards für besonders guten Kundenservice – gefälscht versteht sich. 

Obwohl Bob Innes ziemlich klarmacht, dass es sich um eine Satire-Webseite handelt, sind über die Jahre immer wieder echte Anfragen angekommen. 

In der Regel wartet er 24 Stunden ab, bevor er eine Antwort auf eine solche sendet. Er fragt dann beispielsweise nach, ob noch »Hilfe« benötigt wird und ob der Kontakt zu einem »Außendienstmitarbeiter« hergestellt werden soll. Wenn seine Kunden (also angehende Kriminelle) Ja sagen, nimmt er Kontakt mit einem der 17.985 »Mitarbeiter« auf – das ist die Zahl der Polizeidienststellen in den USA im Jahr 2016. 

Über seine Webseite wurden so schon über 30 Festnahmen durchgeführt sowie Kriminelle verhaftet – und damit auch das Leben von potenziellen Opfern gerettet. 

Ein Beispiel dafür ist eine Frau, die 2010 die Tötung von drei Familienmitgliedern forderte, weil diese sie angeblich um ihr Erbe betrogen hatten. Die Dame gab Namen und Adressen an, weshalb es nicht schwierig war, sie aufzuspüren. 

Der amerikanische TV-Kanal hat über die Webseite, Bob Innes und der eben erwähnten Frau einen kurzen Beitrag ausgestrahlt, den ihr euch hier anschauen könnt:

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Gibt es die Seite heute noch?

Ja, es gibt sie tatsächlich noch! Wie es sich für einen ordentlichen Kundendienst gehört, wurde sogar ein Chatbot integriert, der den Erstkontakt möglichst einfach machen soll. 

Wer sich die automatischen Antworten nicht durchliest und nur auf die zweite klickt, ist selbst schuld. Wer sich die automatischen Antworten nicht durchliest und nur auf die zweite klickt, ist selbst schuld.

Scrollt man ein wenig herunter, findet man eine lange Nachricht von Guido Fanelli – Bob Innes' Pseudonym. In dieser schreibt er, dass seine »Arbeit« bis 2025 vorerst pausiert ist und er nicht glauben kann, dass er trotz all der Warnungen immer noch Anfragen von Idioten bekommt. 

»Es gibt keinen Platz für Gewalt auf dieser Welt, und jeder, der versucht, diese Plattform für schändliche Zwecke zu nutzen, wird ein böses Erwachen erleben.«

Klickt man heute auf das Banner ganz oben, wird man auf eine neue Webseite für Innes Non-Profit-Unternehmen »Guido’s Kids« weitergeleitet. Mit diesem will er auf das Thema Cybermobbing und Online-Sicherheit bei Kindern aufmerksam machen und betroffenen Familien helfen. 

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