Jahrzehntealte Retro-Computer werden plötzlich zum Verkaufsschlager auf Ebay: Die kuriose Geschichte der NABU-PCs

Auch 2025 hat der Besitzer der kuriosen alten Rechner noch Geld damit bei eBay verdient. Aktuell scheint er den Verkauf aber vorerst eingestellt zu haben.

Große Scheune, große Last: Insgesamt wurden über 2.200 so genannte »NABU«-PCs über zwei Jahrzehnte lang in einer Scheune in Massachusetts gelagert. (Bild KI-generiert mit Adobe Firefly) Große Scheune, große Last: Insgesamt wurden über 2.200 so genannte »NABU«-PCs über zwei Jahrzehnte lang in einer Scheune in Massachusetts gelagert. (Bild KI-generiert mit Adobe Firefly)

Die Geschichte der Retro-Computer, um die es in diesem Artikel geht, begann vor über 40 Jahren.

Sie handelt von mehr als 2.000 ausgemusterten PCs, mit denen ihr Käufer James Pellegrini aus den USA vor langer Zeit Großes plante - doch dann kam ihm das Leben dazwischen.

Aus großen Plänen wurde so jahrzehntelang eingelagerte Hardware.


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Inzwischen hat Pellegrini diese Hardware hundertfach verkauft, wie ein Blick in seine über 700 Bewertungen bei Ebay zeigt.

Zu der letzten Auktion kam es am 11. April 2025. Mit allen Auktionen zusammen hat Pellegrini bis heute über 56.000 US-Dollar verdient.

Video starten 16:58 20 Jahre GameStar: Retro-PC - Wir bauen einen High-End-Spiele-PC von 1997 zusammen.

Was für Computer sind das?

In jeder einzelnen seiner Bewertungen geht es um einen so genannten NABU-PC.

Falls ihr zum ersten Mal von der Geschichte lest, dürfte das Fragen aufwerfen. Die folgenden beantworten wir in diesem Artikel:

Die meisten Informationen dazu stammen aus einem ausführlichen Bericht des Magazins Vice über das Thema (via Mein-MMO).

Was steckt hinter den NABU-PCs?

Die Abkürzung NABU steht für Natural Access to Bi-directional Utilities. Übersetzt heißt das etwa Natürlicher Zugang zu bidirektionalen Versorgungseinrichtungen.

Was sperrig klingt, war im Grunde eine sehr frühe Form des Internets. Sie wurde Anfang der 1980er-Jahre in Kanada ins Leben gerufen. Der Kern des Ganzen ist das bidirektionale, also die Kommunikation in zwei Richtungen: Download und Upload.

Das NABU-Netzwerk lief über das Kabelfernsehen. Es wurde später auch so bezeichnet: Das Internet - zehn Jahre vor seiner Zeit. Wirklich durchsetzen konnte sich NABU aber nicht, und genau da kommt der besagte Ebay-Verkäufer von heute ins Spiel.

Wie kommt man an über 2.000 Retro-Rechner?

So sehen die NABU-PCs ausgepackt aus, die bis vor kurzem bei Ebay verkauft wurden. (Bild: Vice.com - James Pellegrini) So sehen die NABU-PCs ausgepackt aus, die bis vor kurzem bei Ebay verkauft wurden. (Bild: Vice.com - James Pellegrini)

James Pellegrini war Anfang der 1980er etwa 30 Jahre alt und erfolgreicher Absolvent des Studiums der Computerwissenschaften. Beruflich war es danach sein Bestreben, eher nischige Bedürfnisse in diesem Bereich abzudecken. Vice beschreibt das folgendermaßen:

Sein Ziel war es nie, mit Microsoft zu konkurrieren. Stattdessen konzentrierte er sich auf unauffällige Anwendungsfälle - die Art von Tools, die heutzutage vielleicht auf einem Raspberry Pi programmiert werden.

Hier wird das Scheitern des 1985 abgeschalteten NABU-Netzwerks wieder relevant, denn Pellegrini verfolgte zu der Zeit Pläne, ein Telefonvermittlungssystem für kleine Unternehmen zu entwickeln, das alte Computer als Basis verwendet.

Was könnte da gelegener kommen als der billige Ausverkauf kaum genutzter Rechner? In einem Fall waren es sogar 1.500 Stück auf einen Schlag aus einem Konkurs.

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Pellegrini hat bei diesem und anderen Verkäufen insgesamt über 2.200 NABU-PCs erstanden, die größtenteils unbenutzt waren. Zu der Umsetzung seiner eigentlichen Geschäftspläne damit kam es aber nie, wie er selbst gegenüber Vice sagt:

Es ist nichts passiert. Ich habe das Projekt nie in Angriff genommen. Ich glaube, ich habe einige Teilskizzen für die Schaltpläne angefertigt. Aber ich habe das Produkt nie fertiggestellt.

Im Jahr 2022 holte ihn die Geschichte schließlich wieder ein.

Welche Rolle spielt die Scheune dabei?

Die Lagerung der Computer war laut Vice ein logistischer Albtraum, der schließlich um die Jahrtausendwende herum in der großen Scheune eines Nachbarn von Pellegrini mündete.

Dort verblieben die NABU-PCs über zwei Jahrzehnte lang, bis die Scheune schließlich 2022 begann, instabil zu werden. Statt nach einer neuen Bleibe für die Retro-Hardware zu suchen, entschied sich Pellegrini dazu, die Rechner bei Ebay zu verkaufen, und das blieb nicht unbemerkt:

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Der Tech-YouTuber Adrian's Digital Basement mit Fokus auf alte Hardware ist auf Pellegrinis Angebot gestoßen, wie im oben eingebetteten Video zu sehen. Das hat den Verkäufen der NABU-PCs viel Schwung verliehen.

Laut Vice war dieser Schwung sogar so groß, dass Ebay den Verkauf temporär stoppte. Der Grund: Man wollte überprüfen, ob hier auch alles seine Ordnung hat und Pellegrini wirklich der rechtmäßige Besitzer so vieler alter NABU-PCs ist.

Doch nach der Überprüfung durfte er die Computer weiter verkaufen, wie auch die letzte Ebay-Auktion dazu zeigt. Geht man nach der Zahl an Bewertungen, dürften immer noch über 1.500 Modelle übrig sein.

Wir haben Pellegrini kontaktiert, um herauszufinden, ob er in Zukunft weitere PCs verkauft. Sollten wir eine Antwort erhalten, erfahrt ihr es auf GameStar.de.

Jetzt seid ihr gefragt: War euch das NABU-Netzwerk aus Kanada bereits ein Begriff? Oder denkt ihr bei der Abkürzung nur an den Deutschen Naturschutzbund? Könntet ihr euch selbst vorstellen, bei einem Angebot für einen Retro-PC dieser Art (oder anderer Art) zuzuschlagen? Oder ist die alte Technik dafür eurer Meinung nach aus heutiger Sicht zu uninteressant? Schreibt es gerne in die Kommentare!

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