Japan schickte das falsche Tier, um die Schlangen auf einer Insel auszurotten. Die Katastrophe war groß und es hat ein halbes Jahrhundert gedauert, sie zu beheben [Best of GameStar]

Nachdem die letzte wissenschaftliche Zeitreise viel Anklang bei euch gefunden hat, nehme ich euch erneut mit, wenn ihr mögt. Diesmal geht es nach Japan.

Das Schild links warnt davor, dass Tiere wie das Amima-Kaninchen die Straße überqueren könnten. Der Mungo rechts macht gerne Jagd auf die seltenen Tiere. (Bilder: stock.adobe.com - Khun Ta, Hana) Das Schild links warnt davor, dass Tiere wie das Amima-Kaninchen die Straße überqueren könnten. Der Mungo rechts macht gerne Jagd auf die seltenen Tiere. (Bilder: stock.adobe.com - Khun Ta, Hana)

Auf einen Storch mit einem Pfeil im Hals folgen seltene schwarze Kaninchen mit einem wesentlich größeren Problem: vom Menschen zu ihnen gebrachte Fressfeinde, die zu ihrer Ausrottung führen könnten.

Die Geschichte über einen folgenschweren Fehler nahm im Jahr 1979 auf der japanischen Insel Amami-Oshima ihren Anfang. Bevor wir sie uns näher ansehen, aber noch ein Hinweis: Dieser Artikel hat nichts mit Gaming und Technik zu tun, wie ihr euch sicher längst gedacht habt.

In der Hoffnung, dass ihr die Hintergründe der Kaninchen-Katastrophe trotzdem genauso interessant findet wie ich, erfahrt ihr jetzt mehr dazu.


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Wie vor fast einem halben Jahrhundert alles begann

Auf der Amami-Insel ist unter anderem die Habuschlange beheimatet. Ihr Gift kann für Menschen tödlich sein.

Japan hat sich deshalb im Jahr 1979 dazu entschieden, 30 Goldstaubmungos als natürliche Feinde der Schlangen auf Amami auszusetzen, um ihre Zahl deutlich zu verringern und die Gefahr für die Einheimischen so zu senken.

Genau hier kommen die schwarzen Wildkaninchen ins Spiel, die ich eingangs erwähnt habe.

  • Es gibt diese sehr seltene Art nur auf den beiden japanischen Inseln Amami-Oshima und Tokunoshima der Ryūkyū-Gruppe. Deshalb werden sie auch Ryūkyū-Kaninchen oder Amami-Kaninchen genannt.
  • Dabei handelt es sich nicht nur um die einzige schwarze Wildkaninchenart der Welt, sondern zudem um besonders ursprüngliche Tiere, die es schon sehr lange gibt. Petbook bezeichnet sie aus diesem Grund als lebende Fossilien.
  • Dass sie so selten sind und dass es sie schon so lange gibt, macht es besonders wichtig, sie zu schützen. Doch mit der Idee, Mungos auf Amami auszusetzen, hat Japan genau das Gegenteil erreicht und sogar gleich in doppelter Hinsicht daneben gegriffen.
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Eine Idee zum Kopfschütteln

  • Das erste Problem an Japans Vorgehen bestand darin, dass die Habuschlange nachtaktiv ist, während die Mungos tagaktiv sind. Die Eindämmung der Schlangenverbreitung blieb dementsprechend wenig überraschend weitgehend aus.
  • Das zweite Problem war, dass die Mungos statt Jagd auf Schlangen zu machen unter anderem das seltene Amami-Kaninchen auf ihren Speiseplan gesetzt haben.
  • Die Folge: Während die Zahl an Amami-Kaninchen immer weiter zurück gegangen ist, stieg die Zahl der Mungos vor Ort stetig an, bis sie im Jahr 2000 mit etwa 10.000 Exemplaren einen bemerkenswerten Höhepunkt erreichte.

Auch die Verbreitung anderer Tiere wurde durch die jagenden Mungos stark reduziert, unter anderem die der Ryūkyū-Langhaar-Ratte und die des Amami-Ishikawas-Frosches.

Ausbreitung der Mungos über die Jahre Diese Karte von Amami zeigt, wie sich die Mungos im Lauf der Jahrzehnte immer mehr auf der Insel ausgebreitet haben. (Quelle: kyushu.env.go.jp)

Wo die Mungos sind, sind keine Kaninchen Im rot markierten Bereich des Mungo-Gebiets fanden sich im Jahr 2006 fast keine der seltenen Amami-Kaninchen (Quelle: www.cbd.int)

Die späte Rolle rückwärts

Es dauerte bis zu ebendiesem Jahr 2000, bis ernsthafte Versuche unternommen wurden, sich um das Mungo-Problem zu kümmern. Aber die trugen immerhin im Laufe der Zeit Früchte:

  • Neben dem Aufstellen von Fallen hat man das Mongoose Eradication Project ins Leben gerufen (Projekt zur Ausrottung von Mungos). Dabei machten Einheimische unter dem Namen Amami Mongoos Busters unter anderem mithilfe von Spürhunden Jagd auf die Mungos vor Ort.
  • Mittlerweile ist das Problem auch Dank der Mongoos Buster im Griff: Seit April 2018 wurde kein Mungo mehr auf Amami gefangen. Im Zuge dessen hat Japan im September letzten Jahres erklärt, dass die Mungos auf der Insel als ausgerottet gelten.
  • Die Population der Amami-Kaninchen hat sich gleichzeitig langsam, aber stetig wieder erholt, wie sumiaki.com berichtet.

Ganze 32.000 der Tiere wurden seit der Einleitung der Gegenmaßnahmen im Laufe der Jahre gefangen. Während die Fallen inzwischen entfernt wurden, blieb ein System mit Kameraüberwachung bestehen, um rechtzeitig zu bemerken, falls neue Mungos auftauchen sollten.

Für die schwarzen Kaninchen kann man nur hoffen, dass es nicht dazu kommt.

Best of GameStar: Dieser Artikel ist in einer früheren Version bereits auf GameStar.de erschienen.

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