Kein Gaming-Kopfhörer oder -Headset konnte mich bisher wirklich überzeugen. Für mich steht der Klang bei Kopfhörern über allem. Bei Modellen, die zum Spielen gedacht sind, liegt der Fokus meist woanders. Absolut in Ordnung, aber mir persönlich ging die Klangqualität bisher nicht weit genug.
Auftritt: Sennheiser HD 550. Das neue Modell für 300 Euro soll sowohl Spieler begeistern als auch Musikliebhaber abholen – und das gelingt zumindest rein klanglich bei mir.
Zum »richtigen« Spieler-Headset fehlen dabei Mikrofon und knalliges Design. Dafür besitzen die HD 550 eine extrem breite Klangbühne, mit denen man die Schritte der Gegner meilenweit kommen hört oder die Natur einer Open World genau so genießen kann wie ein Live-Konzert.
Transparenzhinweis: Sennheiser hat mir die HD 550 für den Test kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Hersteller hatte keinen Einfluss auf den Artikelinhalt und bekam keine Einsicht vor Erscheinen des Tests. Es bestand keine Verpflichtung zu einem Testbericht.
Sennheiser HD 550: Design und Verarbeitung
Weder die Verpackung noch das Design der Kopfhörer selbst schreien »Gaming«. Ob das gut oder schlecht ist, darüber kann man geteilter Meinung sein. Die schlichte Optik begeistert mich persönlich nicht, ist aber angenehm neutral und das empfinde ich als etwas Gutes.
In einem Termin mit dem Hersteller wurde uns gesagt, dass man den Fokus nicht explizit auf Spieler hatte, aber das Modell zum Spielen geeignet ist. Die Beschreibung auf der Schachtel spricht ebenfalls von »ideal für ausgedehnten Musikgenuss und intensives Gaming«.
Was bedeutet das nun? Die HD 550 sehen nicht nach Gaming aus, aber sie sind klanglich bestens dafür geeignet. Darauf gehe ich im Laufe des Tests noch ein.
Die Verarbeitung ist in Ordnung. Die Kopfhörer sind recht leicht, da das Chassis zum Großteil aus gewichtsarmem Kunststoff besteht. Der Bügel ist mit Kunstleder bespannt, die Polster der Ohrmuscheln aus Stoff. Erfreulich: Die Muscheln sind schön lang, sodass sie mich als Ohrringträger nicht gestört haben.
Viele ergonomische Freiheiten habt ihr übrigens nicht. Die Muscheln lassen sich nur dezent drehen. Dafür hat der Bügel relativ viel Spiel, sodass der Kopfhörer sowohl auf kleine Köpfe als auch große passt.
Nach stundenlangem Tragen sitzen die Over-ears immer noch gut, tun nicht weh und allzu sehr geschwitzt habe ich auch nicht.
Die Kopfhörer sind offen konzipiert, das heißt, dass ihr eure Umgebung wahrnehmt – und zwar fast ungedämpft. Die Luftigkeit unterstützt allerdings den Klang mit seinen vielen Details, die größte Stärke der HD 550.
Wenn ihr in die Muscheln hineinschaut, seht ihr den jeweiligen Treiber; viel Stoff ist zwischen Ohr und Kanal also nicht. Das Kabel könnt ihr übrigens abziehen und austauschen, sollte es mal zu einem Kabelbruch kommen. Bluetooth unterstützt der Kopfhörer nicht.
Ähnlich unaufgeregt wie die Optik ist auch der Lieferumfang.
- Kopfhörer
- Klinkenkabel mit 3,5-mm-Stecker
- 6,35-mm-Aufsatz für den Klinkenstecker
Sennheiser HD 550: Klang
Diese Sektion unterteile ich in zwei Parts: Musik und Gaming. Sennheiser preist den Kopfhörer in erster Linie für Musikliebhaber an, man will aber Spieler damit abholen und beide Zielgruppen glücklich machen.
Gaming
Wie bereits erwähnt, setzt der HD 550 optisch nicht auf Gaming und ohne eingebautes Mikrofon ist das Modell für Spieler gedacht, die ein stationäres Mic nutzen. Warum soll der Kopfhörer dann so gut zum Daddeln geeignet sein?
Ein Wort: Impedanz.
Impedanz ist der elektrische Widerstand. Besitzt ein Kopfhörer eine höhere Impedanz, schlägt sich das in präziserer und detaillierter Klangwiedergabe nieder. Gemessen wird die Impedanz in Ohm. Der HD 550 kommt auf 150 Ohm und ist damit ein Kopfhörer mit Impedanz im oberen Mittelfeld.
- Niedrige Impedanz (< 50 Ohm): Gut für mobile Geräte, da sie wenig Leistung benötigen.
- Mittlere Impedanz (50–150 Ohm): Besser für professionelle oder hochwertige Audiogeräte geeignet.
- Hohe Impedanz (250 Ohm oder mehr): Optimal für Studioequipment oder Heim-Hi-Fi-Anlagen mit dedizierten Verstärkern.
Wie schlägt sich die Impedanz nieder? Ganz einfach: Der HD 550 gibt extrem viele Details wieder.
- Hintergrundgeräusche bilden sich klar ab. Beim Roten Baron in Witcher 3: Wild Hunt knistert ein Feuerchen im Kamin? Das kommt gut heraus.
- Raumtiefe und Ortung profitieren. Ich höre die Schritte von Gegnern weit voraus, weil selbst leise Geräusche noch gut verortbar sind.
- Höhen und Tiefen heben sich gut voneinander ab. Überlagernde Geräusche wie ein lautes Knallen übertönt nicht alle anderen Sounds.
Ich bin kein dezidierter PC-Spieler, aber selbst mir hat der Klang ein ums andere Mal ein »Oha« entlockt. Er ist durch die 150 Ohm extrem klar, die offene Bauweise macht ihn ebenso luftig. Zumindest bei mir hat das für viel Immersion gesorgt, gerade bei Einzelspielertiteln.
Auch Hintergrundmusik und Geräusche wie bei Anno 1800 wirken angenehm unaufdringlich. Sie überlagern sich nicht und sorgen durch die große Klangbühne für ein wirklich schönes, atmosphärisches Erlebnis, selbst dann, wenn der Sound quasi nur Beiwerk ist.
Musik
Auch Musik profitiert von den vielen Details. Auf normaler Lautstärke hört man richtig schön die hohen und die tiefen Töne raus, ohne dass sie sich gegenseitig den Raum nehmen. Besonders gut kommt das bei Liedern, wo der Bass sich nicht in den Vordergrund spielt.
Bei »Modern Crusaders« von Enigma war der Bass richtig schön klar zu hören, ohne zu dominieren. Gerade bei einem gediegenen Song, der sich hauptsächlich in den Mitten abspielt, sind es solche Feinheiten, die Lieder noch mal eine Ecke besser machen
Link zum Spotify-Inhalt
Wollt ihr eure Ohren mal richtig auf Details testen, empfehle ich euch Paul Gilberts »Curse of Castle Dragon«, bei dem der Gitarrist die ganze Tonleiter abfeuert. Hier hört man mit dem HD 550 auch kleinste Tonspitzen, die den Song nochmal besser machen.
Um Range und Klangbühne auszureizen, habe ich vor allem zwei Songs angehört:
- »Hyper« von Kroi bleibt trotz seiner Hektik stets klar und luftig. Hier brummt nichts und keine Instrumente werden abgewürgt oder überspielt.
- Die Live-Version von »Hotel California« der Eagles von 1994 ist sehr sauber abgemischt und der Endboss, was Details und Räumlichkeit angeht. Kleinste Gitarrenzupfer und Beckenstreicher hat der HD 550 herausgearbeitet, so muss das sein.
Link zum Spotify-Inhalt
Ins Schleudern gerät Sennheisers Allrounder erst bei höherer Lautstärke. Dann stellt sich heraus, dass sich hohe und tiefe Töne weit voneinander trennen.
- Die Mitten klingen schwachbrüstig und wirken ausgehöhlt.
- Bass brummt dominant über den Rest des Sounds hinweg.
- Höhen bleiben immer noch sehr klar und klirren nicht.
- Einzelne Instrumente klingen dadurch isoliert, was das Gesamtbild des Tons trübt.
Unterm Strich geht dann einfach die Homogenität flöten. Wer die Musik also gerne laut aufdreht, wird mit dem HD 550 nicht glücklich. Bleibt ihr allerdings im normalverträglichen Lautstärkebereich, habe ich kaum einen luftig-leichteren Kopfhörer auf dem Kopf gehabt.
Wollt ihr eure Audiogeräte auch mit Musik testen, habe ich einen Leitfaden inklusive Playlist für euch.
So habe ich getestet
Ich hatte den Sennheiser HD 550 über eine Woche täglich mehrere Stunden auf den Ohren. Dabei habe ich sowohl Spiele Probe gehört als auch stundenlang Musik laufen lassen.
Spezifikationen
- Kabellänge: 1,8 Meter
- Art: Over-ear
- Ohrpolstermaterial: Synthetisches Velours
- Frequenzgang: 6 Hz bis 39,5 kHz
- Nennimpedanz: 150 Ω
- Schalldruckpegel (SPL): 106,7 dB / 1 V RMS
- THD, Klirrfaktor: <0,2 % (1 kHz / 90 dB SPL)
- Wandlerprinzip: dynamisch, offen
Preis und Verfügbarkeit
Der Sennheiser HD 550 kann für 299,90 Euro beim Hersteller vorbestellt werden. Der Kopfhörer erscheint in der ersten Aprilwoche.
Der Sennheiser HD 550 ist für euch, wenn …
- ihr Wert auf viele Klangdetails beim Spielen legt.
- euch ein fehlendes Mikrofon am Kopfhörer nicht stört.
- ihr gerne Musik hört, aber keine Unsummen für Studiokopfhörer ausgeben wollt.
Mögliche Alternativen zum HD 550:
- Razer Blackshark V2 Pro: Das Headset kostet 230 Euro setzt seinen Schwerpunkt auf Gaming. Es besitzt deshalb ein sehr gutes Mikrofon und eine ebenso gute Ortung. Der Bass allerdings ist zurückhaltend.
- Sony Ult Wear: Die Over-Ear sind ein echtes Bassmonster und kosten rund 150 Euro. Die spielen für ihre Preisklasse sehr gut auf, verlangen allerdings, dass man sich in den Equalizer reinfuchst. Wer guten Klang für weniger Geld möchte, könnte damit glücklich werden.
Durch ihre Luftigkeit und die Tatsache, dass man durch den offenen Bau die Umgebung noch mitbekommt, könnten die Sennheiser HD 550 bei mir Zuhause zu meinen Stamm-Kopfhörern werden, zumindest vorerst.
Irgendwie hat es der Hersteller geschafft, starken Klang mit hohem Detailgrad zu verheiraten, ohne dass Spieler oder Musikliebhaber viele Abstriche machen müssen.

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