Kopfhörer gibt es wie Sand am Meer, da muss man als Hersteller kreativ werden mit den Funktionen. Sony hat sich für den ULT-Button entschieden, der den Bass brutal in den Vordergrund holt. Braucht es den? Meiner Meinung nach nicht.
Warum die Kopfhörer trotz des titelgebenden Features, das im Grunde keinen Vorteil bietet, so gut abräumen, lest ihr im Test.
Transparenzhinweis: Sony hat mir die Ult Wear für den Test kostenfrei zur Verfügung gestellt. Sony hatte keinen Einfluss auf den Artikelinhalt und bekam keine Einsicht vor Erscheinen des Tests. Es bestand keine Verpflichtung zu einem Testbericht.
Sony Ult Wear: Verarbeitung & Features
Die Kopfhörer kommen in einem recht großen Case. Erfreulich: Im Lieferumfang enthalten sind ein USB-C-Kabel und ein 3,5-mm-Klinkenkabel. Letzteres samt Buchse sind heutzutage bei Mittelklassekopfhörern kein Standard.
Obwohl die Kopfhörer recht wuchtig aussehen, sind sie recht leicht. Dadurch wirken sie leider nicht so wertig. Auch die Stoffbespannung an den Innenseiten der Ohrmuscheln ist für meinen Geschmack zu dünn. Ohrringträger, aufgepasst, dass ihr da nichts einreißt.
Was die Anschlüsse angeht, ist alles vorhanden, was ihr braucht: USB-C sowie Klinke. Per Bluetooth lassen sich die Over-Ears auch verbinden, Multipoint für bis zu zwei Geräte ist ebenfalls an Bord.
Das Noise-Cancelling funktioniert einwandfrei, auch wenn die Akkulaufzeit darunter leidet. Ohne ANC rennt der Kopfhörer etwa beachtliche 70 Stunden lang, mit ANC werden immer noch stattliche 35 Stunden erreicht. 10 Minuten am Strom sorgen übrigens für rund 10 bis 15 Stunden Laufzeit, stark.
Auch, wenn alles tadellos über berührungssensitive Oberfläche auf der rechten Muschel funktioniert, sind haptische Knöpfe vorhanden:
- Ein- und Ausschalter
- Button zum Wechseln zwischen ANC und Transparenz-Modus
- ULT-Knopf
Lasst mich den ULT-Knopf erklären. Per Druck wechselt der zwischen drei verschiedenen Bassmodi: Standard, leichter Bassverstärkung und absolut massiv übertriebener Bassverstärkung.
Obwohl der Ult Wear genau nach diesem Feature benannt ist, erschließt sich mir der Sinn nicht so ganz. Der Kopfhörer ist von Natur aus sehr basslastig. Mit ULT aktiviert Dröhnen die tiefen Töne so stark, dass sie alles andere überdecken.
Außer, um zum Spaß mal mit Billie Eilishs Bad Boy kräftig die Rübe zum Zittern zu bringen, sehe ich in diesem Gimmick keine Verwendung.
Generell braucht der Ult Wear ein bisschen an Feinjustierung, aber dank der hervorragenden App ist das kein Problem.
Sony Ult Wear: Die App
Apps zu Kopfhörern können Hit or Miss sein – und diesmal ist sie ein Volltreffer. Die Sony-Headphones-Software gibt es für Android und iOS und aus dem Stand war ich angetan von der simplen Handhabe.
Natürlich hatte ich gehofft, über einen Equalizer den Bass manuell herunterregeln zu können, aber das war nur die Spitze des Eisbergs.
Die App nimmt Menschen, die sich damit nicht auskennen, bei der Hand. Über mehrere Sektionen hinweg könnt ihr mit eurem Lieblingslied zwischen mehreren Modi wählen und so den Equalizer einstellen. Ihr wählt einfach immer das, was euch am besten gefällt. Es braucht dazu keine Vorkenntnisse, das kann wirklich jeder!
Meine bevorzugten EQ-Einstellungen findet ihr nachstehend, wobei man bei Bedarf gern den Bass noch weiter in den Hintergrund rücken lassen kann.
Über die App lassen sich noch viele weitere Einstellungen vornehmen, zum Beispiel:
- Mit Musik-Apps koppeln, um diese zentral zu steuern.
- Automatische Umgebungserkennung für automatisiertes ANC respektive Transparenz.
- Aktivitätstracking
Je nach Nutzerverhalten und Intensität der Nutzung, kann einem die App viele Schritte abnehmen, doch selbst für den kinderleicht zu bedienenden Equalizer lohnt sie sich schon.
Sony Ult Wear: Der Klang
Schon beim ersten Probehören ist sofort klar: Hier dominiert der Bass. Kopfhörer heutzutage sind oftmals basslastig angelegt, weil es von vielen Hörerinnen und Hörern so gemocht wird. Ich bin direkt in die App gegangen und habe die Einstellungen angepasst.
Drücken die tiefen Töne den Rest nicht beiseite, besitzt der Ult Wear eine überraschend große Klangbühne. Er kommt tief runter (klar, der starke Bass), aber hohe Spitzen klirren nicht. Hochpreisige Over-Ears kitzeln da noch mal ein Fünkchen mehr heraus, aber für die Preisklasse von 180 Euro gibt’s von mir keine Schimpfe.
Die volle Breite der Kopfhörer hört ihr beispielsweise mit Songs wie Impulse II von An Endless Sporadic.
Link zum Spotify-Inhalt
Auf der Soundstage spielen die Over-Ears auch gut auf, kommen aber natürlich nicht an Studiokopfhörer heran, da die Details irgendwann flöten gehen.
Was mich überrascht hat: Sogar hektische Lieder wie Il vento d’oro kommen ans Ohr, ohne zu überfordern. Klasse.
Allerdings gibt es eine Disziplin, in denen der Ult Wear nicht so gut dasteht. Die Mitten versumpfen teilweise, vor allem bei recht gediegenen Songs, wo es im Mitteltonbereich sekundäre oder periphere Töne zu hören gibt. Bei Bradios Flyers klingt die Melodie dumpf und bei Modern Crusaders von Enigma sacken die Chöre ab.
Link zum Spotify-Inhalt
Da muss man aber schon sehr genau hinhören und wirklich audiophil sein. Kauft ihr euch die Sony Ult Wear aus dem Stand, wird euch der dröhnende Bass viel eher auffallen als die unklaren Mitten. Unterm Strich liefert der Over-Ear eine sehr starke Klangperformance für sein Budget.
Ihr sucht eine Playlist mit Songs, die ihr zum Probehören nutzen könnt? Ich habe da etwas für euch.
So habe ich getestet
Den Sony Ult Wear hatte ich rund zwei Wochen im Einsatz, drinnen wie draußen.
Spezifikationen
- Kopfhörertyp: Over-Ear
- Akku-Laufzeit: ca. 35 Std. mit ANC, 70 Std. ohne ANC
- Wandler: Dynamisch
- Bluetooth: 5.2
- Noise-Cancelling: Aktiv
- Mikrofon: Beamforming-Mikrofone
- Gewicht: ca. 225g
- Tasten: 1 Touchfeld, 3 Knöpfe
- App: Sony Headphones Connect
- Faltbar: Ja
- Lieferumfang: Hardcase, 3,5-mm-Klinke, USB-C-Ladekabel
Preis und Verfügbarkeit
Preis: 179 Euro (UVP)
Verfügbarkeit: Erhältlich
Solltet ihr euch den Sony Ult Wear kaufen?
Mit den Over-Ears macht ihr grundsätzlich nichts falsch. Für die Preiskategorie liefern die Kopfhörer sehr starken Klang, der vor allem durch seine breite Bühne besticht. Der ULT-Button ist nicht mehr als ein Gimmick, die App jedoch überzeugt mit vielen Features.
Der Sony Ult Wear lohnt sich für euch, wenn …
- Ihr basslastigen Klang mögt, aber auf gute Audioqualität nicht verzichten wollt.
- Ihr gern mit Features herumspielt und Feinjustierungen vornehmen wollt.
- Ihr einen Kopfhörer sucht, der gut abschließt und ordentliche ANC bietet.
Mögliche Alternativen zum Sony Ult Wear sind:
- Beats Solo 4: Starke Akkulaufzeit, schließen gut ab und haben einen ordentlichen Sound. Auf App-Funktionen und periphere Features müsst ihr aber verzichten.
- Sonos Ace: Noch höhere Klangqualität, ebenso lange Laufzeit und starkes ANC. Allerdings kostet der Over-Ear mehr.
Mit 180 Euro rangiert der Sony Ult Wear in der Mittelklasse, auf der Straße bekommt ihr den Kopfhörer teilweise schon für 150 Euro. Wer sich gern ein wenig in den Equalizer reinfuchst, bekommt richtig guten Klang. Aus dem Stand attestierte ich dem Over-Ear zu viel Bass, aber einmal das EQ-Spiel in der App durchgespielt und selbst Personen ohne Vorwissen kitzeln noch mehr aus dem Ult Wear heraus.

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