Wenn es eine Sache gibt, die bei Handys kontinuierlich besser wird, dann sind es definitiv die Kameras. Dabei schlagen die Smartphone-Unternehmen oftmals einen anderen Weg ein als etablierte Kamerahersteller.
Handys werden stärker mit physischen Grenzen konfrontiert und setzen daher auf viele Software- statt Hardware-Lösungen.
2026 könnte sich jetzt ein neuer Trend etablieren, der die Lücke zwischen den zwei weiter verkleinern soll: Handys mit »kontinuierlichem Zoom«. Was ist das eigentlich und was bringt es euch?
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Wie der Zoom bei Handykameras funktioniert
Wenn ihr bei eurem Handy näher an entfernte Motive heranzoomt, macht ihr das in Wirklichkeit gar nicht – zumindest nicht physisch. In eurem Handy werden keine optischen Glaselemente verschoben, um den Bildausschnitt zu verändern, wie es bei Kameras üblich ist.
In Wirklichkeit schaltet euer Smartphone zwischen den verschiedenen Kameras durch, die feste Bildausschnitte zeigen:
- Die Hauptkamera (1x) zeigt meistens einen weitwinkligen Bildausschnitt, der etwa einer 24-mm-Brennweite bei einer Vollformatkamera entspricht.
- Die Ultraweitwinkel-Kamera (0,5x bis 0,7x) zeigt meistens einen Bildausschnitt mit 15 bis 18-mm-Brennweiten-Äquivalent.
- Die Tele-Linsen zeigen meistens den Bildausschnitt eines 70- oder 100-mm-Objektives.
Die Objektive, die in Handys verbaut sind, nennt man »Festbrennweiten« – sie können ihre Brennweite also nicht verändern, nicht zoomen.
Die Zwischenstufen werden digital ermöglicht und nicht optisch. Das ist immer mit Qualitäts- oder Auflösungsverlust verbunden.
Was bei Handys mit kontinuierlichem Zoom anders ist
Inzwischen gibt es zwei aktuelle High-End-Smartphones, die einen echten kontinuierlichen Zoom in ihre Handys verbaut haben: Xiaomi 17 Ultra und Sony Xperia 1 VII.
Das Sony-Handy kann zwischen 85 und 170 mm optisch zoomen, ohne auf die digitale Vergrößerung zurückgreifen zu müssen. Im Inneren werden wie bei einem echten Zoom-Objektiv Glaselemente bewegt, um den Bildausschnitt zu verändern.
Das Xiaomi 17 Ultra ist das neueste Smartphone mit diesem Feature. Beim Vorgänger, dem Xiaomi 15 Ultra, waren zwei Tele-Kameras verbaut: eine mit 70-mm- und eine mit 100-mm-Brennweite. Beim 17 Ultra ist auf der Rückseite nur noch eine Telekamera vorhanden, aber diese kann optisch zwischen 75 und 100 mm zoomen.
Bei diesen beiden Handys sind also echte Zoomobjektive verbaut – keine Festbrennweiten, die digital vergrößern.
Optischer Zoom für bessere Qualität – oder nicht?
Einerseits ist es erfreulich, dass Handykameras weniger Software-Tricks verwenden müssen, um Features von dedizierten Kameras zu realisieren.
Periskop-Objektive haben etwa ermöglicht, lange optische Konstruktionen in dünne Smartphone-Gehäuse zu integrieren.
Der größte Vorteil eines echten Zoomobjektivs ist die bessere Bildqualität in den Zwischenstufen – theoretisch.
In der Realität dürfte sich der Vorteil von optischem Zoom relativieren:
- Zoomobjektive sind komplex und immer ein Kompromiss gegenüber einer Festbrennweite, die perfekt auf den Bildsensor abgestimmt werden kann. Die meisten haben nicht dieselbe Bildqualität über den gesamten Zoombereich.
- Viele Smartphones verwenden Bildsensoren mit hoher Auflösung (einige sogar bis 200 Megapixel), um digitale Vergrößerungen mit möglichst wenig Qualitätsverlust zu ermöglichen.
- Zoomobjektive haben meistens eine variable Blende. Das heißt, die Menge an Licht, die den Sensor erreicht, reduziert sich, je weiter ihr hineinzoomt. Dann muss entweder die Belichtungszeit verlängert werden (mehr Bewegungsunschärfe oder höheres Risiko für Verwacklungen) oder die ISO-Empfindlichkeit erhöht werden (mehr Bildrauschen).
Es ist gut möglich, dass 2026 immer mehr Hersteller einen kontinuierlichen Zoom in ihre Handys verbauen werden, aber ob dieses Feature in der Praxis einen so großen Unterschied macht, darf noch bezweifelt werden.
Einen ähnlichen Trend haben wir letztes Jahr beobachtet: Einige Handy-Hersteller haben eine variable Blende in ihre Handys verbaut. So kann man die Tiefenschärfe bei Smartphones wie bei dedizierten Kameras verändern, etwa um den Hintergrund etwas weniger unscharf darzustellen. In der Praxis war der Unterschied jedoch gering, weil die Geräte nur eine Veränderung von einer bis zwei Blendenstufen ermöglichten.
Der Unterschied in der Hintergrund-Unschärfe ist zwischen F1.4 und F2.0 beim Honor Magic6 Pro bemerkbar, aber nicht signifikant. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Der größte Vorteil von kontinuierlichem Zoom bei Handys dürfte Filmer und Filmerinnen freuen: Beim Zoomen muss das Handy während der Aufnahme nicht zwischen zwei verschiedenen Bildsensoren wechseln; es kommt nicht zu einem Sprung im Bildausschnitt während der Aufnahme.
Welche Kamera-Features, die üblich sind für dedizierte Kameras, wünscht ihr euch für zukünftige Handys? Schreibt es uns gern in die Kommentare!
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