Ein Handy hat meine Kompaktkamera für immer ersetzt – mein Langzeitfazit zum Xiaomi 15 Ultra

Kolumne: Nach sechs Monaten steht für mich fest: Eine dedizierte Kompaktkamera ist zukünftig nicht mehr notwendig.

Das Xiaomi 15 Ultra ist eines der besten Handys, die gleichzeitig als leistungsfähige Kompaktkamera eingesetzt werden können. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Das Xiaomi 15 Ultra ist eines der besten Handys, die gleichzeitig als leistungsfähige Kompaktkamera eingesetzt werden können. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Das Xiaomi 15 Ultra ist das erste Flaggschiff-Handy, das ich mir seit etwa acht Jahren gegönnt habe. Das Letzte war das Sony Xperia XZ Premium und danach habe ich eigentlich nur Handys aus der Mittelklasse gekauft. 

Der Grund dafür war einfach: Ich habe neben meiner Systemkamera auch immer eine kleinere Premium-Kompaktkamera besessen, wie etwa die Fujifilm X70 oder die Ricoh GR. Auf eine High-End-Kamera in einem Smartphone konnte ich also schon immer verzichten. 

Dann kam das Xiaomi 15 Ultra um die Ecke und brachte mich ins Grübeln: Sind wir an einem Punkt angekommen, an dem ein Handy eine hochwertige Kompaktkamera ersetzen kann?

Weil ich sowieso auf der Suche nach einem neuen Handy war und die Neugier zu groß war, habe ich es mir schließlich gekauft, um es selbst herauszufinden.

Mein Fazit nach sechs Monaten: Dieses Handy werde ich so schnell nicht ersetzen.

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Das Kamerasystem ist unglaublich flexibel

Das Xiaomi 15 Ultra hat vier Kameras eingebaut, die nicht nur eine beeindruckende Bildqualität liefern, sondern auch einen sehr großen Brennweitenbereich abdecken. Es ist als hätte ich mehrere Objektive dabei:

UltraweitwinkelHauptkameraTelePeriskop-Tele
Optisch14 mm23 mm70 mm100 mm
Digital28 mm75 mm200 mm
35 mm90 mm400 mm
50 mm

Das umfangreiche Kamerasystem steht ziemlich stark vom Gehäuse ab. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Das umfangreiche Kamerasystem steht ziemlich stark vom Gehäuse ab. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Die Hauptkamera verwendet einen großen 1-Zoll-Typ-Sensor mit 50 Megapixeln. Fotos profitieren von einem hohen Detailgrad und es ist möglich, nahe Motive vor einem verschwommenen Hintergrund freizustellen, ohne den Porträt-Modus zu verwenden. Außerdem liefert das Handy selbst bei schlechten Lichtbedingungen beeindruckende, rauscharme Fotos ab. 

Dank des großen Bildsensors ist es möglich Motive ohne den Portrait-Modus freizustellen. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Dank des großen Bildsensors ist es möglich Motive ohne den Portrait-Modus freizustellen. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Die Ultraweitwinkel-Kamera ist die schwächste des Xiaomi 15 Ultra, aber die Bildqualität ist bei guten Lichtbedingungen kaum von den anderen unterscheidbar. Erst bei schlechtem Licht beginnt das Rauschen bei dieser Kamera deutlich früher als bei den anderen. Das ist mir vor allem beim Filmen aufgefallen.

Die Ultraweitwinkel-Kamera liefert bei gutem Licht detailreiche Ergebnisse ab. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Die Ultraweitwinkel-Kamera liefert bei gutem Licht detailreiche Ergebnisse ab. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Die Telekamera bietet mit 70, 75 und 90 mm Zugriff auf drei besonders beliebte Porträt-Brennweiten. Am liebsten verwende ich sie aber für Makroaufnahmen. Mit diesem Objektiv kommt man unglaublich nah an Motive heran, und der Autofokus erkennt sehr zuverlässig kleine Insekten und stellt sie kontinuierlich scharf. 

Mit der 3x-Tele lassen sich wunderbar Makroaufnahmen schießen. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Mit der 3x-Tele lassen sich wunderbar Makroaufnahmen schießen. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Die Periskop-Telekamera ist neben der Hauptkamera das zweite große Highlight des Xiaomi 15 Ultra. Der Bildsensor ist so groß wie der von vielen Hauptkameras von anderen Handys (1/1.4-Zoll) und hat eine hohe Auflösung von 200 Megapixeln. 

  • Es macht richtig Spaß, so schnell und einfach an entfernte Motive heranzuzoomen. Die Kombination aus hoher Auflösung, Periskop-Konstruktion und großem Bildsensor sind genial und macht es möglich.
  • Dank KI-Hochskalierung sind selbst Fotos bei 200 und 400 mm brauchbar. Deswegen verwende ich das Handy sogar gelegentlich als eine kompakte Wildlife-Kamera. 
  • Die optische Bildstabilisierung ist selbst bei 400 mm exzellent, was beim Fotografieren von kleinen Vögeln besonders praktisch ist. 

Für mich ist das Xiaomi 15 Ultra eine extrem schnelle Kamera mit einer nutzbaren Brennweite von 14 bis 400 mm. Für eine Immer-Dabei-Kamera ist das unschlagbar. 

Ein praktischer Bonus, der für Handys gegenüber dedizierten Kameras spricht: Mein Handy ist dauerhaft online und synchronisiert meine Fotos sofort mit meinem NAS-Server daheim. Ich spare mir also das Übertragen von Dateien.

Schnellschuss-Modus, Video- und Foto-Editor

Das Handy hat drei Features, die ich nicht mehr missen möchte.

Schnellschuss-Modus: In diesem Modus werden Rahmenlinien angezeigt, die mr zeigen, was sich außerhalb des Bildes befindet. Optisch erinnert mich der Modus an die Sucher der Leica-M-Kameras – von denen das Handy offensichtlich inspiriert wurde.

Der Modus bietet aber echte praktische Vorteile:

  • Die Auslöseverzögerung ist praktisch nicht vorhanden. Es ist möglich, extrem schnell mehrere Schnappschüsse hintereinander zu machen.
  • Über diesen Modus sind Brennweiten-Voreinstellungen verfügbar, die in der Fotografie besonders beliebt sind, wie etwa 28, 35, 50 oder 90 mm. 

Das Sucherbild ist von Leica-M-Kameras inspieriert. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Das Sucherbild ist von Leica-M-Kameras inspieriert. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Video-Editor: Die Galerie-App des Xiaomi 15 Ultra hat einen umfangreichen Video-Editor mit an Bord, den ich jede Woche verwende, um meine Videos vom Training zu schneiden. Die Oberfläche erinnert etwas an CapCut, aber alle Funktionen sind kostenfrei verfügbar. Selbst beim Schneiden und Bearbeiten von 4K-Videos arbeitet die App flüssig, was dank der schnellen Hardware des Handys möglich ist.

Umfangreicher Foto-Editor: Noch beeindruckender ist der integrierte Foto-Editor der Galerie-App. Nicht nur bietet er die üblichen Funktionen, die ich von Desktop-Apps wie Adobe Lightroom kenne (unter anderem Dynamik, Sättigung, Helligkeit, Rauschen und Schärfe), sondern viele weitere, weshalb ich meine Fotos (auch RAW-Dateien) nur noch auf dem Handy bearbeite:

Auf diese zwei Apps will ich nicht mehr verzichten: der Foto- und Video-Editor von Xiaomi. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Auf diese zwei Apps will ich nicht mehr verzichten: der Foto- und Video-Editor von Xiaomi. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

  • Tolle Farb- und Schwarzweiß-Filter, die an analoge Fotografie erinnern. Einige davon stammen aus dem Hause Leica.
  • KI-Funktionen: Es ist spielend einfach, das Foto über die Ränder zu erweitern, Objekte zu entfernen oder den Himmel auszutauschen. Besonders gut gefiel mir die automatische KI-Verbesserung, die niedrig auflösende Fotos hochskaliert.
  • Alle Funktionen sind kostenlos und lokal: Fotos müssen also nicht erst in eine Cloud hochgeladen werden, sondern werden direkt auf dem Handy verarbeitet. 

Eckiges Bokeh?

Obwohl mich die Periskop-Telekamera sehr beeindruckt hat, ist mir ein Detail später aufgefallen, das mich ziemlich stört.

Die Bokeh-Bälle sind nicht rund, sondern eckig –  und nein, ich meine keine neuen Pokébälle aus der Kantoregion. Bokeh-Bälle sind die kreisrunden Highlights in den verschwommenen Bildbereichen. 

Weil die Blendenöffnung des Objektivs eckig und nicht rund ist, sind das auch die Bokeh-Bälle und das sieht … gewöhnungsbedürftig aus. 

Natürlich könnte man auch sagen, dass die Fotos dadurch einzigartig aussehen, aber so richtig warm werde ich mit dem Look nicht. 

Bloatware und Werbung

Eine weitere Sache, die mich am Handy gestört hat, hat nichts mit der Kamera zu tun. HyperOS, das Betriebssystem, ist zwar in der Bedienung schnell, aber die Werbung und Bloatware ging ganz schön auf die Nerven.

Vor allem das Hintergrundbild-Karussell, das mich immer wieder penetrant danach gefragt hat, ob ich es verwenden möchte, war ein echter Störfaktor. Es ließ sich auch nicht ganz einfach deinstallieren, da eine Einstellung auf dem Handy dafür fehlt. Zum Glück ging das über den Play Store.

Allerdings gibt es vorinstallierte Xiaomi-Apps, die sich nicht deinstallieren lassen, wie etwa den Mi-Browser. 

Mein Fazit nach 6 Monaten: Hoffentlich werden es 6 Jahre

In der Fotografie ist eine Tatsache besonders schön: Selbst eine Kamera von vor 15, 20 oder sogar mehr Jahren wird heute und in der Zukunft schöne Fotos abliefern können. Das ist beim Xiaomi 15 Ultra nicht anders.

Die Fotos können sich heute und in vielen Jahren immer noch sehen lassen. Selbst wenn das Handy in sechs Jahren keine Sicherheitsupdates mehr erhält, wird es für immer eine exzellente Kompaktkamera bleiben – notfalls offline. 

Und mit Smartphone-Objektiven kann man sogar noch etwas mehr aus dem Handy herausholen. TipptKlickt auf das Bild, wenn ihr mehr dazu erfahren möchtet. Und mit Smartphone-Objektiven kann man sogar noch etwas mehr aus dem Handy herausholen. Tippt/Klickt auf das Bild, wenn ihr mehr dazu erfahren möchtet.

Wenn ihr auf der Suche nach einem Handy seid und euch die Kamera besonders wichtig ist, dann macht ihr mit diesem Gerät nichts falsch. Ihr müsst euch allerdings mit dem überladenen Betriebssystem anfreunden – es ist so ziemlich das Gegenteil von »Stock-Android«. 

Wenn ihr erfahren wollt, wie sich die anderen Aspekte des Handys schlagen, dann schaut dafür gerne in meinen oben verlinkten Test. 

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