Ich habe meine Apple Watch vor 5 Jahren abgelegt – und will nie mehr zu einer Smartwatch zurück

2016 wollte ich unbedingt eine Apple Watch, 2021 bin ich zurück zur klassischen Armbanduhr. Auch fünf Jahre später vermisse ich die vermeintliche Zukunft am Handgelenk nicht.

Seit gut fünf Jahren trage ich wieder klassische Armbanduhren. Unterm Strich vermisse ich meine Apple Watch überhaupt nicht. (Bildquelle: GameStar Tech) Seit gut fünf Jahren trage ich wieder klassische Armbanduhren. Unterm Strich vermisse ich meine Apple Watch überhaupt nicht. (Bildquelle: GameStar Tech)

Vor fünf Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal ohne Smartwatch leben würde. Ich hatte schließlich die Zukunft gesehen!

Ich besaß die Apple Watch Series 2 und später die Series 4, kannte jede Animation der Aktivitätsringe und war stolz auf jede neue Erfolgsserie – und trotzdem bin ich heute wieder ganz bei klassischen Armbanduhren gelandet.

Wenn ihr meinen alten Artikel zum Smartwatch-Abschied lest, versteht ihr, warum.

Am Anfang war die Euphorie

Am Anfang war da die typische Tech-Euphorie: Nachrichten und Anrufe direkt am Handgelenk, Fitness-Funktionen, Musik-Streaming. Alles neu, alles spannend.

Dann kam die Realität: Die Uhr fühlte sich oft träge an, viele Apps öffneten sich nur langsam und Anwendungen wie DHL oder Facebook verschwanden nach und nach von der Watch, weil sich eigenständige Apps seinerzeit offenbar nicht lohnten.

Gleichzeitig hat mich damals schon genervt, wie sehr die Uhr meinen Alltag kommentiert. Schritte, Kalorien, »Zeit aufzustehen« – viele Benachrichtigungen habe ich bereits wenige Monate nach dem Start mit der Apple Watch deaktiviert.


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Eine vermeintliche Kleinigkeit brachte mein Fass zum Überlaufen

Der endgültige Wendepunkt war für mich eine scheinbar kleine Sache mit den Aktivitätsringen: Ich wollte mithilfe der Uhren für mehr Bewegung in meinem Leben sorgen und täglich meine Ringe füllen. Ich bin sogar bei Platzregen raus, um noch die letzten Schritte einzusammeln.

Eine monatelange Erfolgsserie riss dann an einem Tag ab – wegen drei fehlender Kalorien. Ja, eine Kleinigkeit. Aber die hat mich so frustriert, dass das für mich zum Scheideweg wurde.

Der ständige Blick auf die Uhr

Der Vorfall war aber nur das Zünglein an der Waage, es gab weitere Dinge, die mich nervten: Das häufige Vibrieren am Handgelenk und der ständige Blick auf die Uhr.

Meine Mutter fragte mich beim Besuch regelmäßig, ob ich los müsse, weil ich auf die Uhr schaute – in Wahrheit war es »nur« eine Benachrichtigung. Aber genau dieses Missverständnis hat mir gezeigt, wie häufige Smartwatch-Blicke mitunter auf andere wirken, gerade auf Menschen ohne Smartwatch-Bezug.

Ein letzter smarter Einsatzzweck

Ganz losgelassen habe ich die Apple Watch damals trotzdem nicht. Bis vor einigen Monaten habe ich sie hin und wieder für Touren mit dem E‑Bike aus der Schublade geholt. Ich kann die Apple Watch nämlich mit der Bosch-App und meinem E-Bike koppeln, sie zeichnet bei einer Tour dann die Fitnessdaten auf und legt sie am Ende in der Health-App ab.

In der Praxis habe ich allerdings gemerkt, dass ich mir diese Werte nie wieder ansehe. Die Daten existieren zwar, aber sie haben keinen Einfluss auf meinen Alltag. Und wenn ich eine Funktion nicht nutze, obwohl sie theoretisch verfügbar ist, ist sie für mich am Ende unnütz.


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Zurück zu Casio

Als ich meine Apple Watch weglegte, habe ich direkt meine alte G-Shock aus der Schublade geholt, die auch nach Jahren der Nichtnutzung anstandslos lief. Damit habe ich auch meine Liebe zu den klassischen (Casio-)Uhren wiederentdeckt, die in den 90ern ein echtes Statussymbol bei uns waren ... damals in der siebten Klasse mit 13 Jahren.

Statt einer einzelnen Smartwatch habe ich inzwischen mehrere klassische Uhren in unterschiedlichen Designs und Farben und kann mir je nach Laune aussuchen, worauf ich heute Lust habe.

Das Beste: Die Dinger laufen einfach, selbst meine Kindheitsuhr von 1998 – alle paar Jahre eine neue Knopfzelle, das war es. Diese Art von Langlebigkeit ist für mich ein krasser Gegensatz zur Apple Watch Series 4, deren Akkukapazität inzwischen unter 80 Prozent liegt und die mich gerade so durch den Tag bringt, wenn ich sie doch noch einmal trage.

Bei klassischen Uhren habe ich außerdem das Gefühl, dass sie zwar da sind, mich aber »in Ruhe« lassen. Ich muss sie nicht jede Nacht laden und ich muss mir keine Gedanken um irgendwelche Updates machen.

Ich trage sie, schaue auf die Zeit oder nutze die Stoppuhr – fertig. Klingt banal, aber genau diese Einfachheit habe ich nach Jahren mit einer Smartwatch vermisst.

Casio AE-1200WH-1AVEF
Casio AE-1200WH-1AVEF
Wasserdichte Armbanduhr mit Hintergrundbeleuchtung und Funktionen wie Countdown-Timer, Wecker und Weltzeit.
Casio Databank
Casio Databank
Ein Casio-Klassiker mit Taschenrechner, Kalender, Alarm und weiteren Funktionen.
Casio LA670WGA-9DF
Casio LA670WGA-9DF
Klassische Casio-Armanduhr in Gold mit Funktionen wie Timer und Alarm.

Was sich im Alltag verändert hat

Was sich dadurch insgesamt verändert hat? Vor allem mein Gefühl von Ruhe. Eine Smartwatch will ständig etwas von mir: ein Ping hier, eine Erinnerung dort, ein freundlicher Hinweis, dass ich zu lange sitze. Wenn ich heute auf meine Uhr schaue, tue ich das nicht, weil irgendeine App meine Aufmerksamkeit einfordert.

Trotzdem bin ich weit davon entfernt, Technik pauschal abzulehnen. Ich mag mein E‑Bike, meinen Saugroboter, mein Smart Lock. Aber ich bin damals vor fünf Jahren an dem Punkt angekommen, an dem ich kritischer aussortiere, wo ich Dauervernetzung wirklich brauche und wo sie mich eher stört.

Ob das für immer so bleibt, kann ich nicht sagen. Neue Smartwatches und Health-Gadgets wecken bei mir immer noch den Technik-Reiz. Gerade die robusten Garmin-Smartwatches finde ich ziemlich cool.

Stand heute sehe ich aber keinen Einsatzzweck, der stark genug wäre, um meine alte Apple Watch aus der Schublade zu befreien oder ein neues Modell zu kaufen – schließlich habe ich ja auch mein Handy immer dabei.

Ich bewege mich ohne Ringe, schlafe ohne Schlafanalyse und trage Uhren, die einfach nur die Zeit anzeigen – und genau das fühlt sich für mich nach der angenehmsten Form von Digital Detox an: nicht komplett offline gehen, sondern bewusst entscheiden, wo Technik Platz in meinem Leben hat und wo nicht.


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