Lohnt sich das Schlaftracking? Nach über einem Jahr mit Smartwatch und Ring habe ich damit aufgehört – das ist mein Fazit

Sind Wearables wirklich hilfreich, um langfristig besser zu schlafen? Meine Erfahrungen und Erkenntnisse dazu teile ich hier.

Für GameStar Tech habe ich fünf Smart-Ringe getestet. Natürlich habe ich nicht alle gleichzeitig getragen. (Bildquelle: Patrick S. GameStar Tech) Für GameStar Tech habe ich fünf Smart-Ringe getestet. Natürlich habe ich nicht alle gleichzeitig getragen. (Bildquelle: Patrick S. / GameStar Tech)

Über ein Jahr lang trug ich einen Smart-Ring am Finger und eine Smartwatch am Handgelenk. Hinzu kam sporadisch ein intelligentes Armband wie Whoop – ein Fitness-Tracker ganz ohne Display.

Einerseits wollte ich möglichst breit gefächert über diese neuen Wearables auf GameStar Tech berichten. Vielmehr war ich allerdings persönlich davon getrieben, diese Dinger zu testen.

Ich habe mit Schlafproblemen gekämpft und wollte dem auf den Grund gehen, denn: Stress, Sorgen oder Ängste gab es weitgehend keine. Trotzdem lag ich manchmal Nächte lang wach.

Also habe ich es versucht. Solche Tracker helfen dabei, sich mit dem eigenen Schlafverhalten zu befassen, wie mir der Schlafforscher Dr. Albrecht Vorster bereits bestätigte:

»Das Tracken mit Hilfe solcher Gadgets kann dazu führen, sich zunächst einmal mit dem eigenen Schlafverhalten auseinanderzusetzen.«

Hier konnten mir die Geräte durchaus den nötigen Schubser in die richtige Richtung geben.

Patrick Schneider
Patrick Schneider

Patrick trägt seine Smartwatch nur noch beim Laufen. Er lässt sich von den Mini-Computern zu sehr im Alltag ablenken und bevorzugt ohnehin am Handgelenk eine klassische Armbanduhr. Ebenso hat unser Autor den Schlaftrackern nun Lebewohl gesagt und vermisst sie keine Sekunde.

Sie bieten ihm schlicht keinen Mehrwert mehr. Für GameStar Tech wird er sie aber weiterhin testen und bestmöglich über die Entwicklungen dieser kleinen Begleiter berichten.

Wo mir das Schlaftracking im Ansatz helfen konnte

Ja, diese Geräte schätzen »nur« den Schlaf beziehungsweise die Schlafphasen auf Basis verschiedener Metriken wie Bewegung oder Herzfrequenz. Je nach Gerät funktioniert das inzwischen aber sehr gut, wie schon ein älteres Video von Kollegin Vera zeigte.

Video starten 11:59 Schlaftracker versus Schlaflabor - Wie genau sind Apple Watch und Co.?

Darauf möchte ich aber nicht hinaus.

Was mir im Ansatz wirklich geholfen hat, war die Erkenntnis eines bestimmten Musters. Das Gerät wertet über Monate hinweg fleißig die Daten aus und zeigt mir, zu welcher Zeit und unter welchen Bedingungen ich am besten schlafe.

»Das weiß man doch auch so!« Jein.

Die Teile sammeln allerhand Daten. Vorteil: Muster, Trends und Gesundheitsdaten ergeben ein umfassendes Gesamtbild. Nachteile: je nach Hersteller landen die Daten mitunter auf Servern außerhalb der EU. Die Teile sammeln allerhand Daten. Vorteil: Muster, Trends und Gesundheitsdaten ergeben ein umfassendes Gesamtbild. Nachteile: je nach Hersteller landen die Daten mitunter auf Servern außerhalb der EU.

Wusstet ihr, dass der sogenannte Chronotyp teilweise genetisch bedingt ist? Studien mit insgesamt über 100.000 Personen haben gezeigt, dass Dutzende Genvarianten beeinflussen, ob wir als »Lerchen« (Frühaufsteher mit Leistungshoch am Morgen) oder als »Nachteulen« (Spätaufsteher mit Leistungshoch am Abend) geboren werden.

Diese Information habe ich durch smarte Ringe wie Oura, RingConn und Co. erhalten.

Dabei spielen natürlich auch das Alter, der Lebensstil und soziale Verpflichtungen eine wichtige Rolle. Wer jedoch ständig gegen seine biologische Uhr ankämpft, arbeitet im Grunde gegen seine eigene Genetik.

Und das habe ich oftmals getan. »Geh doch mal früher ins Bett«, wie man heute noch viel zu oft liest und hört. Das hilft jedoch nicht immer, wenn der eigene Körper das Schlafhormon Melatonin erst spät ausschüttet.

Ich weiß nicht mehr, wann ich das letzte Mal vor 23:00 Uhr fest eingeschlafen bin, während meine Partnerin sich stellenweise bereits vor 21:00 Uhr an der Schwelle zum Traumland befindet.

Whoop bietet ein solches Logbuch für den Schlaf. Dort könnt ihr einige Daten zur letzten Nacht ergänzen. Whoop bietet ein solches Logbuch für den Schlaf. Dort könnt ihr einige Daten zur letzten Nacht ergänzen.

Darüber hinaus verfügen viele dieser Geräte über eine Art Schlaftagebuch, so auch Whoop oder Oura. Wenn eine Nacht besonders gut oder schlecht war, trage ich weitere Details ein.

Abends Sport, der den Körper zunehmend auf Trab hält? Noch etwas zu essen um 21:30 Uhr? Beides führte bei mir nachweislich zu schlechterem Schlaf.

Wann Schlaftracker für mich obsolet wurden

Im Gespräch mit einer Ärztin sind mir zwei Sätze im Gedächtnis geblieben:

  1. Lass die smarten Geräte und elektronischen Spielereien abends beiseite.
  2. Statt zu tracken, baue dir lieber eine Schlafroutine auf.

Während ich den ersten Satz schon vor dem Besuch beherzigt hatte, filterte mein Gehirn das Wort Routine sofort heraus. Der Begriff wird inzwischen in so vielen Communities inflationär benutzt: Sport, Arbeit, mentale Gesundheit und auch Schlaf.

Die Ironie dabei ist: Genau das war für mich schließlich die Lösung. Denn Menschen sind oftmals eben doch einfach gestrickt.

Seit Monaten mache ich mehr Sport, in der Regel zur gleichen Zeit. Meine Ernährung ist umgestellt und folgt demselben Ablauf – teilweise esse ich jeden morgen das Gleiche.

Sport war für mich ein Teil der Lösung. Das muss natürlich nicht für alle gelten. (Bildquelle: Patrick S. GameStar Tech) Sport war für mich ein Teil der Lösung. Das muss natürlich nicht für alle gelten. (Bildquelle: Patrick S. / GameStar Tech)

Auch mein Abendritual ist inzwischen gefestigt. Zur selben Uhrzeit bewege ich mich ins Schlafzimmer. Das signalisiert meinem Gehirn, dass es Zeit zum Schlafen ist. Im Grunde habe ich also beherzigt, was Dr. Albrecht Vorster sagte.

»Schlussendlich sollten wir uns darauf konzentrieren, unser Verhalten dem Schlaf gegenüber zu verbessern, sprich: gleichmäßige Schlafenszeiten, Aufstehen beim Wachliegen, weniger Alkohol, mehr Sport. Auch Abend-Rituale wie ein Buch lesen fördern den Schlaf.«

Seit dieser bewussten Veränderung haben Tracker für mich keinen Mehrwert mehr. Ich schlafe inzwischen hervorragend und brauche dafür keine Bestätigung. Privat habe ich die Wearables weitgehend von meiner Hand und meinem Handgelenk verbannt – und mir fehlt absolut nichts.

Lediglich zum Laufen verwende ich eine Sportuhr zur Distanzmessung.

Sind die Teile also doch nutzlos?

In den letzten Jahren sind zahlreiche Smart-Ringe auf den Markt gekommen, darunter Modelle von Oura, RingConn, Ultrahuman, Samsung oder Luna. (Bildquelle: Patrick S.GameStar Tech) In den letzten Jahren sind zahlreiche Smart-Ringe auf den Markt gekommen, darunter Modelle von Oura, RingConn, Ultrahuman, Samsung oder Luna. (Bildquelle: Patrick S./GameStar Tech)

Nicht zwangsläufig: Wearables sind aus meiner Sicht in der Startphase hilfreiche Werkzeuge. Sie decken Muster auf, spiegeln den eigenen Lebensstil wider und können potenziell sogar Warnsignale wie Schlafapnoe oder ungewöhnliche Pulsabweichungen frühzeitig sichtbar machen.

Wo sie jedoch an ihre Grenzen stoßen: Ein Tracker misst Daten, er löst keine Probleme. Eine Zahl auf dem Display macht eine schlechte oder gute Nacht nicht besser. Manchmal ist sogar das Gegenteil der Fall.

Wer sich morgens vom »Sleep-Score« verrückt machen lässt, rutscht schnell in eine Orthosomnie, also die krankhafte Angst vor schlechtem Schlaf, die von Perfektionsdrang und App-Daten getrieben wird.

»Sie (die Tracker) können auch dazu führen, den Schlaf überzubewerten oder sogar eine falsche Ängstlichkeit dem Schlaf gegenüber zu entwickeln.«
Dr. Albrecht Vorster

Am Ende muss man sich fragen, in welcher Phase man steckt:

  • Sinnvoll sind sie möglicherweise als Einstieg: Wenn ihr erfahren möchtet, wie sich Koffein am Spätnachmittag, das Glas Wein am Abend oder unregelmäßige Bettgehzeiten auf die Erholung auswirken, seid ihr hier mitunter richtig. Oder wie sich andere Gewohnheiten wiederum positiv auf den Schlaf auswirken.
  • Überflüssig werden sie nach meiner Erfahrung bei der Umsetzung: Sobald die Muster erkannt sind, liegt der Ball bei einem selbst.

Schließlich ist es auch eine Frage des Geldes. Die Geräte sind alles andere als günstig. Neben einem stolzen Preis verlangen einige Hersteller zusätzliche monatliche Abo-Gebühren. Und euch sollte bewusst sein, dass eure persönlichen Daten den Kontinent unter Umständen verlassen.

Für mich waren die Geräte wie Stützräder am Fahrrad. Sie haben mir geholfen, die richtige Richtung zu finden. Der Rest lag aber hauptsächlich an mir.

Gute Nacht.


Kommentare(2)
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