Eine Nachricht hat die Heimkino-Welt gestern in Staunen versetzt: TCL will Sonys TV-Sparte übernehmen. Kurz und gut: Sony und TCL beabsichtigen, ein Joint Venture zu gründen, um gemeinsam TVs unter der Sony-Marke zu entwickeln und zu vertreiben.
Mich persönlich hat die Nachricht weniger verwundert.
Falls euch die Details nicht interessieren und ihr direkt zu meiner persönlichen Meinung springen wollt, klickt hier: Fazit: Was bedeutet das für uns?
Die Zeichen standen auf Sturm.
- Sonys weltweiter Marktanteil bei Fernsehern ist rückläufig. TV-Verkäufe am Ende des Fiskaljahres 2025 sind um 9,6 Prozent eingebrochen (via Bangkok Post).
- Der weltweite Marktanteil 2024 lag bei 1,9 Prozent, so die japanische Wirtschaftszeitung. Damit belegte Sony den zehnten Platz; TCL lag mit 13,8 Prozent auf Platz zwei. Einsame Spitze war Samsung mit einem Anteil von 16 Prozent.
Und auch unter Tech- sowie Heimkino-Kolleginnen und -Kollegen munkelte man stets, dass Sony im Fernseher-Business strauchelt – schon vor meiner Zeit 2016.
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Man könnte sagen: »Made in Japan« ist bei TVs am Ende. In den letzten Jahren und Jahrzehnten haben sich etliche Größen aus der Sparte zurückgezogen: Sharp, Toshiba, Hitachi, Pioneer, sogar Panasonic tritt mittlerweile kürzer – und jetzt auch Sony.
Doch was bedeutet das für uns? Ich gebe euch eine Einschätzung.
Warum macht Sony das eigentlich?
Weiter oben habe ich bereits gesagt, dass der Schritt mich nicht weiter überrascht. Es herrscht nämlich eine Schere in der TV-Sparte von Sony.
- Einerseits schnitten Sonys Fernseher stets mit sehr guten Noten ab, national (Computer Bild) wie international (rtings). Sonys A95L war ein verdammt guter OLED-TV und die hauseigene Acoustic-Surface-Technologie, die das Display als Speaker nutzt, fand ich hervorragend.
- Andererseits haben die Verkäufe nie die Qualität der TVs widergespiegelt. Wieso also das Segment nicht abstoßen?
Des Weiteren kommt hinzu, dass die Marge bei TVs sehr klein und die Konkurrenz gleichzeitig groß ist. Darüber hinaus macht Sony sein Geld in anderen Bereichen: Konsolen mit der PlayStation, Filme (vor allem mit Spider-Man), Anime mit Crunchyroll und über sein Plattenlabel Sony Music.
Sprich: Den Fokus auf Inhalte zu legen und den Hardware-Markt abzugeben, ist ein cleverer Schritt – vor allem, da die Namen »Sony« und »Bravia« bei einer Zusammenarbeit mit TCL beibehalten würden.
Und TCL dürfte von der Fusion ebenfalls profitieren. Es stimmt zwar, dass der chinesische Hersteller mit die meistverkauften Geräte weltweit hat, aber der Marke haftet auch ein gewisser Budget-Titel an. Gute TVs, aber das Premium-Abzeichen fehlt.
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OLED: Die Lichtgestalt für Gamer oder übertriebener Hype?
Premium holt sich TCL jetzt mit der Sony-Marke ins Haus. Der schnellste Weg, Oberklasse-Fernseher anzubieten, ist, Expertise einzukaufen. Wenn man für den Preis einen hochangesehenen Namen gleich mitkaufen kann, umso besser.
Das Sorgenkind OLED
Wo meine Glaskugel den Dienst versagt, ist bei OLED. Wo der Zusammenschluss von Sony und TCL nachvollziehbar ist, verhalten sich die beiden in Sachen OLED wie Wasser und Öl.
- Sonys OLED-TVs gehören mit zu den besten, die man für Geld kaufen kann. Der Bravia 8 II von 2025 räumte ab, holte beispielsweise die volle Punktzahl bei den Kolleginnen und Kollegen von What HiFi. Ich kann nur unterstreichen, wie gut die OLEDs der Japaner sind.
- TCL lässt die Finger von OLED. Sie haben kein einziges Gerät im Portfolio und haben mehrmals beteuert, dass Mini-LED die bessere Technologie sei.
Ich glaube, TCL würde sich selbst in den Fuß schießen, sollten sie Sonys OLEDs zukünftig ignorieren. Ja, auch Sony überraschte damit, dass das Flaggschiff letztes Jahr Mini-LED und nicht OLED war. Das trübt allerdings nicht die Tatsache, dass Sonys OLEDs verdammt gute TVs sind.
Fazit: Was bedeutet das für uns?
So sehr die Nachricht über Sonys Aufgabe ihrer TVs die Tech-Welt auch erschüttert hat: Ich glaube, dass am Ende alle davon profitieren.
Sony ist eine Sparte losgeworden, die vermutlich ein Klotz am Bein war. TCL hat einen Weg ins Premium-Segment gefunden. Und bedenkt man, dass TCL mittels CSOT (China Star Optoelectronics Technology) die Branche ohnehin schon mit TV-Panels versorgt, ändert sich da gar nicht so viel für uns.
Sony sorgt für den Namen und die Qualität, TCL legt den Fokus auf Entwicklung und Distribution und wir bekommen im besten Fall bessere TVs – Budget wie Premium. Das wäre das Optimum.
Die Frage bleibt am Ende: Wird TCL nur einen teuren Sony-Anzug tragen oder werden sich kommende Fernseher noch nach Sony anfühlen? Sonys Rolle in der TV-Welt ist nicht zu unterschätzen, für viele haben ihre Fernseher einen gewissen eigenen Vibe.
Eine Sache ist allerdings glasklar: Sony-Fernseher werden sich verändern. Die Frage ist nur, ob zum Besseren oder zum Schlechteren.







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