Sie wartet auf ihren Untergang. Nach Ruhm zur See und langem Warten am Pier wartet ein Triumph besonderer Natur. Sie gilt bis heute als Meilenstein der Schifffahrt und doch endet sie bald als Wrack am Meeresboden – mit voller Absicht.
Doch der Untergang des schnellsten Transatlantikliners aller Zeiten (bis heute Trägerin des Blauen Bandes des Nordatlantiks) erfüllt einen Zweck. Sie soll der Wissenschaft als unterseeisches Laboratorium für eines der wohl wichtigsten Projekte der Meeresforschung dienen.
Mehr zu den Gründen ihres nassen Begräbnisses, ihrer Geschichte, den wichtigsten Fahrten und der bis heute außerordentlichen Technik der SS United States erfahrt ihr in einem großen Special bei uns.
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Taucher nehmen uns mit zur größten Korallenkolonie der Erde
Schiffsgrab als Forschungslabor
Sie hat sich für ihren Untergang herausgeputzt – wenn auch auf unorthodoxe Weise: Der einstige Stolz der amerikanischen Handelsmarine trägt ein neues Gewand. Ihre zwei früher aus dem Aufbau herausragenden Schornsteine sind gekappt und ihr Inneres ausgehöhlt.
Die 1951 vom Stapel gelaufene SS United States harrt am Liegeplatz in Mobile (Alabama) aus, um als Ausgangspunkt für das größte künstliche Korallenriff der Welt zu dienen.
Ihre finale Fahrt – wenn auch geschleppt – soll nach Angaben der Verantwortlichen in der zweiten Novemberwoche 2026 stattfinden und ihr könnt vielleicht live dabei sein. Schließlich planen die Verantwortlichen, alles mittels Drohnen und Unterwasserkameras aufzunehmen. Ob aber eine Übertragung per Internetstream stattfindet, ist derzeit noch offen – wir halten euch hier auf dem Laufenden.
Mit dem Abschluss des Spektakels endet aber nicht das Interesse an dem Wrack. An ihrem finalen Ruheort angekommen, wird die SS United States regelmäßig besucht werden – und das nicht nur von Sporttauchern als Touristenattraktion. Forscher wollen beobachten, wie sich das Riff bildet, und über zwei Jahre hinweg die Veränderung des Rumpfes studieren.
Es ist ein Forschungsfeld an einem Relikt der Vergangenheit für die Zukunft: Korallenriffe stehen schließlich weltweit unter Stress. Erwärmt sich das Wasser, stoßen Korallen ihre symbiotischen (einander nützenden) Algen ab und bleichen aus; zugleich erschwert die Versauerung der Meere den Aufbau ihrer Kalkskelette.
Ein versenkter Schiffsrumpf bietet festen Untergrund, wo sonst nur Sand liegt, auf dem sich Schwämme, Weichkorallen und andere Riffbewohner ansiedeln können. Und gesunde Riffe brauchen wir, denn sie nützen uns auf vielerlei Weise:
- Lebensraum für rund 4000 Fisch- und 800 Steinkorallenarten
- Große Artenvielfalt, die sich erforschen lässt
- Fanggründe für die Fischerei
- Küstenschutz (bei flachen, tropischen Riffen)
Schiffe begünstigen das Wachstum von Korallenkolonien, indem sie auf einer großen Fläche eine stabile und dauerhafte Struktur bereitstellen. Dabei hilft die spezielle, facettenreiche Oberfläche von Schiffen zusätzlich: Sie eröffnet sozusagen unzählige kleinste Kerben, in denen Korallen sich festsetzen und ihre Neubesiedelung beginnen können.
Letztlich darf hierfür aber nur der Rumpf des Schiffes ohne seine gesamte Ausstattung übrig bleiben. Alles andere hat auf dem Grund des Golfes von Mexiko nichts zu suchen. Damit das 302 Meter lange Schiff aber gerade absinkt und mit dem Kiel eben auf dem Meeresboden zu liegen kommt, mussten der Rumpf sowie die Schiffsinnereien vorbereitet werden. So sorgen Ingenieure beispielsweise dafür, dass das Wasser nach kontrollierter, beidseitiger Öffnung des Rumpfes die Decks auffüllt.
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Gesunken aber nicht verloren
Im Vorfeld der geplanten Versenkung des Liners kümmerten sich Fachleute um seinen Erhalt für die Archive – in Form von Daten und Einzelteilen. Sie dokumentierten historisch bedeutsame Bauteile und erstellten hochauflösende Laserscans des Schiffes. Zudem werden noch weitere Teile für zukünftige Ausstellungen in Museen buchstäblich vor dem Untergang bewahrt. Eine soll zum Beispiel in Destin-Fort Walton Beach entstehen.
Der genaue Versenkungsort liegt 22 Seemeilen südwestlich von Destin und 32 Seemeilen südöstlich von Pensacola im Golf von Mexiko, in einer Tiefe von ca. 55 Metern. Das Oberdeck ruht dann etwa 18 Meter unter der Oberfläche – ideal, um als Tourismus-Stätte für Sporttaucher zu dienen. Wann der einstige Superliner und Rekordhalter taggenau abtaucht, steht bislang nicht fest, es hänge vom Wetter ab.
Der schnellste Ozeanliner der Seefahrtsgeschichte hat derweil seine Schuldigkeit am Pier bereits getan. Nun wartet die SS United States, um zum letzten Mal die Leinen zu lösen.

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