Für 1,2 Milliarden Euro baut Deutschland das teuerste und modernste Forschungsschiff der Welt – mit einem Loch im Rumpf

Sie soll als Königin der Ozeanforschung ab den 2030ern global unterwegs sein, die Polarstern 2. Der Neubau bricht Rekorde und hat reichlich Neuerungen an Bord.

Die Polarstern 2 soll die führende Plattform der internationalen Ozeanforschung werden.
Bildquelle: Alfred-Wegener-InstitutThyssenkrupp Marine Systems (alle Bilder) Die Polarstern 2 soll die führende Plattform der internationalen Ozeanforschung werden. Bildquelle: Alfred-Wegener-Institut/Thyssenkrupp Marine Systems (alle Bilder)

Ein Forschungseisbrecher der Superlative, die Polarstern 2. Das Alfred-Wegener-Institut (AWI) setzt als global führende Forschungsgruppe große Hoffnungen in einen Neubau, der die astronomisch anmutende Summe von fast 1,2 Milliarden Euro kostet. Sie ist damit das teuerste Wissenschafts-Schiff der Welt.

Wir nehmen euch gedanklich mit an Bord und erklären, wodurch sich dieses Schiff auszeichnen soll – und was es mit einem Loch im Schiffsboden auf sich hat.

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Königin der Polar- und Meeresforschung

Wie das AWI in einer Pressemitteilung erläutert, strebt es mit der Polarstern 2 an, auch in Zukunft Forschung auf höchstem wissenschaftlichem und technischem Niveau zu ermöglichen.

Die Geldmittel hierfür gab der Haushaltsausschuss kurz vor Weihnachten 2024 frei. Die Haupteinsatzgebiete des Forschungseisbrechers liegen naturgemäß in den Polarmeeren. Hier soll unter anderem fortgeführt werden, womit ihre Vorgängerin, die Polarstern, zu Weltruhm gelangte: multidisziplinäre Polar-, Meer- und Klimaforschung.

Die Polarstern 1 wurde 1982 in Dienst gestellt und Anfang der 2000er grundlegend überholt. Sie soll 2030 von ihrer Nachfolgerin abgelöst werden. Für den Bau verantwortlich zeichnet thyssenkrupp Marine Systems.

Eckdaten Polarstern 2

  • Länge: 160 Meter (Polarstern 1: ca. 118 Meter)
  • Maximaler Tiefgang: 11,10 Meter (Polarstern 1: 11,21 Meter)
  • Breite: 27 Meter (Polarstern 1: 25 Meter)
  • Forschungseisbrecher, der dickeres Eis als seine Vorgängerin brechen kann. Dank seines komplett neuen Antriebskonzeptes vermag das Schiff außerdem besser im Eis zu manövrieren. Ferner ist es dazu in der Lage, rückwärts fahrend Schollen zu brechen.
  • Ähnlich wie die Polarstern 1 kann die Neue rund 90 Tage autonom auf den Weltmeeren unterwegs sein und so auch im ewigen Eis der (Ant-)Arktis überwintern. Im Notfall oder mit vorhergehender Planung sind auch längere Zeiten möglich.
  • Sie soll an 300 Tagen im Jahr unterwegs sein und auch die Versorgung der Neumayer-Station III in der Antarktis fortführen.
  • Der Antrieb erhält seine Energie von einem Dieselgenerator. Dieser produziert allerdings nur Strom, der wiederum das Schiff sowie die Elektromotoren versorgt. Mitinstalliert sind Batterien, dank denen das Schiff für zwei bis drei Stunden die Position halten und die Messinstrumente nutzen kann, ohne Betrieb der Verbrenner.

Befeuert werden die Generatoren auch mit Methanol. Der potenziell bald schon in großen Mengen grün herstellbare Erdöl-Ersatz ist einer der Hoffnungsträger für die Schifffahrt.

An Bord des neuen Schiffes finden sich abseits aller gängigen Räume für Forscher und Besatzung 13 Labore für unterschiedliche Zwecke, darunter auch eines speziell zur Forschung an Fischen. Als multidisziplinäre Forschungsplattform sind auch Helikopter und umbenannte Drohnen eingeplant. Hinzu kommen ferngesteuerte und autonome Unterwasserroboter.

Apropos Besatzung: Die Seefahrts-Seite der Mission liegt in den Händen einer 50-köpfigen Crew der Reederei F. Laeisz, die auch schon die Polarstern 1 bemannt. Zusätzlich können maximal 90 Forscherinnen und Forscher mit an Bord gehen, wobei meistens eher 50 bis 60 mitfahren werden.

Polarstern, die Vorgängerin Die aktuelle Polarstern bei einem Einsatz im Eis.

Polarstern 2 So soll sie bei der Fahrt durchs Eis aussehen, die Polarstern 2.

Aufenthaltsräume Auch für Komfort soll gesorgt sein.

Lobby So soll die Lobby des Neubaus aussehen.

Nachtfahrt Die Polarstern 2 soll das, hier abgebildete, aktuelle Flaggschiff des AWIs in allem übertreffen: als Schiff, als Forschungsplattform, als Eisbrecher und natürlich auch in Sachen Klimaverträglichkeit.

Moonpool – Allzeit-Zugang zur Unterwasserwelt

Ein Feature, das für den Laien seltsam anmutet, aber von höchstem Wert für die Wissenschaft ist und mit Laboren auf einer Eben steht, ist der sogenannte Moonpool.

Dabei handelt es sich um einen Zu- und Ausgang im Boden des Schiffsrumpfs.

  • Hierdurch können Taucher oder auch der ebenfalls miteingeplante Unterwasserroboter selbst mitten im Eis direkt entlassen oder an Bord genommen werden.
  • Bei klassischen Absetzmethoden, die hinter oder neben dem Schiffsrumpf erfolgen, schränken Wetter oder auch Eisbedeckung die Abläufe teils stark ein.

Was mit der alten Polarstern passiert, stehe noch nicht fest, erklärt Annika Kropp vom AWI auf Nachfrage. Dies sei auch nicht Angelegenheit des Forschungsinstituts, sondern obliege der Entscheidung der Bundesregierung. Die Polarstern 2 wird zwar dem AWI gehören, aber ihr Vorgänger ist im Besitz des Forschungsministeriums in Berlin.

Sie soll aber so lange im Dienst bleiben, bis ihre Nachfolgerin voll einsatztauglich ist. Hierfür wird angestrebt, ihre derzeit bis 2027 laufende Zulassung erneut zu verlängern.

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