Rot wirkt böse, gar keine Frage – doch aus physikalischer Sicht ist es geradezu die Farbe der Verlierer. Darth Vader mag ganze Korridore in blutrotes Glühen tauchen, wissenschaftlich gesehen ist seine Klinge aber eher eine müde Funzel.
Die Kyberkristalle der Sith laufen auf Sparflamme
Wer schon einmal versucht hat, mit roten LEDs den Weg auszuleuchten, kennt das Problem: Es mag zwar stimmungsvoll anmuten, aber so richtig hell wird es nicht: Rotes Licht strahlt pro Photon mit viel weniger Energie als etwa blaues – und zwar um satte 40 Prozent.
Im Star-Wars-Universum sammeln Jedi ihre klaren Kyberkristalle traditionell auf Ilum. Die Verbindung
zwischen Kristall und Träger bestimmt deren Farbe. Die Sith hingegen züchten ihre Steine künstlich, fluten sie mit Hass und Zorn und hinterlassen dabei Kristallfehler, die sie destabilisieren. Synthetische Exemplare bluten
– Kylo Rens flatternde Fackel ist das vielleicht prominenteste Beispiel.
Doch selbst makellose Sith-Kristalle ändern nichts am Kernproblem des laschen Lasers.
Wenig Wumms, dafür Durchhaltevermögen
Ein Lichtschwert ist entgegen landläufiger Meinung kein Laserschwert, auch wenn einige die beiden Begriffe gleichsetzen. Es handelt sich um eine Plasmawaffe, und die Physik dahinter hat euch Dennis vor zwei Monaten in seinem Artikel vorgestellt.
Auf Conventions schleudern Tisch-Teslaspulen lila Blitze in die Luft – ein hübsches Beispiel für unkontrolliertes Plasma, zischende Lichtrüssel, die sofort wieder verpuffen:
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Damit sich ein Lichtschwert nicht genauso verhält, muss das ionisierte Gas in einem Magnetfeld gefangen und zu einem eleganten Strahl geformt werden. Damit das nicht nur in einem Lichtbogen-Feuerzeug endet, müsste sich im Griff eines Real-World-Lichtschwerts daher ein schlanker, ringförmiger Magnetspulen-Käfig, nämlich ein winziger Tokamak-Reaktor, verstecken – so weit die Theorie.
Prof. Alex Baker beleuchtet die Physik der Lichtschwertfarben (ab Minute 7) sehr anschaulich in seiner Sondervorlesung:
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Die kühleren Klingen des Sith ließen sich zwar mit leichteren Magnetspulen bändigen – doch fehlt ihnen die extreme Energiedichte, mit der ein blau-violettes Schwert in Sekunden durch jede Stahltür schmilzt. Man stelle sich das Schwert des Imperators vor, das bereits auf halber Länge verpufft.
Die ausdauernden Energiesparlampen der Sith haben offensichtliche Nachteile:
- kühleres Plasma bedeutet geringere Schnittkraft
- der Plasmadruck ist im Keller, die Klinge ist
weich
– ergo weniger Blockkraft - Flashbang-Effekt nahe Null – die Schwerter der Sith wirken im Kampf wie Kerzenschein
Um eine rote Klinge herzustellen, die den Jedis ebenbürtig ist, bräuchte es mehr Power und damit zusätzliche Hardware. Da die rot strahlenden Gasteilchen nur wenig Energie abgeben, hilft es lediglich den Plasma-/Teilchendruck stark zu erhöhen. Dafür bräuchte Vader allerdings:
- eine größere Gaskartusche
- ein gesteigertes Akkupack, um das Gas zu beheizen
- einen stärkeren Magneten, um die Teilchen zu bändigen
- mehr Kühlkapazität
Im Klartext: Ein rotes Plasma auf die Stufe seines blauen Pendants zu heben, erfordert jede Menge Technik in der Gürteltasche des dunklen Lords – und wir alle wissen, wie schwer der Mann schon ohne Zusatzgepäck atmet.
Warum hat eigentlich nur Mace Windu ein violettes Schwert?
Samuel L. Jackson bestand am Set von Episode II darauf, dass Mace Windu ein violettes Lichtschwert erhält, damit man ihn in der riesigen Kampfszene wiederfindet
. Dabei ahnte er nicht, dass Purpur die Physiker-Edition unter den Klingen ist. Physikalisch betrachtet schwingt Windu somit den „heißesten“ Laser auf dem Feld.
Wenn Game-Engines die Wissenschaft ernst nehmen müssten
Die Sith mögen Meister des dramatischen Auftritts sein, doch wenn sich das nächste Duell an den Gesetzen der Plasmaphysik orientiert, stehen die Chancen schlecht für Team Red.
Stellt euch ein Star-Wars-RPG vor, in dem Klingenfarbe Balancing bedeutet: Sith würden plötzlich überwiegend in der Defensive spielen, auf Ausdauer statt im Burst-Mode. Jedi-Wächter könnten sich nur noch auf kurze, aber hitzige Gefechte einlassen. Lauert euch ein violetter Roguelike-Boss auf, ist Timing gefragt: Treffer sind tödlich – doch nur solange dessen Kühlung nicht zusammenbricht.
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