Wie alt wir werden, hängt von sehr vielen verschiedenen Faktoren ab. Einer davon, den wir nicht selbst beeinflussen können, sind unsere Gene.
Aber zu welchem Anteil bestimmt das uns mitgegebene Erbmaterial, wie lange wir leben? Möglicherweise stärker, als bisher angenommen.
- Wissenschaftliche Studien zur Relevanz dieses Faktors haben die Erblichkeit der Lebensdauer oft auf ungefähr 20 bis 30 Prozent geschätzt. Doch es gibt wenig aktuelle Erkenntnisse dazu, auch aufgrund der schwierigen Forschungslage (schließlich geht es um die ganze Länge des Menschenlebens).
- Beliebte Studienobjekte sind dabei Zwillinge, da sie entweder völlig identische Gene haben (eineiige Zwillinge) oder zu 50 Prozent gleiche Gene (zweieiige Zwillinge). Außerdem wachsen sie bis zu einem gewissen Grad unter gleichen Bedingungen auf.
- Bisherige Untersuchungen dieser Art könnten externe Faktoren, die zum Tod führen, nicht stark genug berücksichtigt haben, also etwa Kriege, Unfälle und Krankheiten. Das legt zumindest eine neue Studie nahe, die Ende Januar veröffentlicht wurde.
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Im Dienste der Wissenschaft: Massenhaft schwarze Bälle werden in ein Wasserreservoir geschüttet
Was die aktuelle Studie besagt
Es geht um wissenschaftliche Erkenntnisse unter Leitung des Molekularbiologen Uri Alon vom Weizmann-Institut in Israel, wie Xataka.com berichtet.
Im Abstrakt der jüngst bei Science veröffentlichten Studie dazu heißt es folgendermaßen:
- Aktuelle Schätzungen der Erblichkeit der menschlichen Lebensspanne sind [...[ niedrig – Zwillingsstudien beziffern sie auf lediglich 20 bis 25 Prozent, und jüngere umfangreiche Stammbaum-Untersuchungen lassen vermuten, dass sie sogar bei nur sechs Prozent liegt.
- Wir zeigen hier auf, dass diese Schätzungen durch extrinsische Mortalität verzerrt werden – also durch Todesfälle, die auf äußere Faktoren wie Unfälle oder Infektionen zurückzuführen sind. Mithilfe mathematischer Modellierung und der Analyse von zusammen sowie getrennt aufgewachsenen Zwillingskohorten korrigieren wir diesen Faktor.
- Dabei zeigt sich, dass die Heritabilität der menschlichen Lebensspanne in Bezug auf die intrinsische Mortalität bei über 50 Prozent liegt. Eine derart hohe Heritabilität ist vergleichbar mit der der meisten anderen komplexen menschlichen Merkmale sowie der Erblichkeit der Lebensspanne bei anderen Spezies.
Um zu diesen Ergebnissen zu kommen, wurden jahrzehntelange Aufzeichnungen erneut von den Wissenschaftlern analysiert.
Ein Abgleich der Daten mit Zahlen zu Geschwistern von 444 US-amerikanischen Hundertjährigen soll zu vergleichbaren Ergebnissen geführt haben. Demnach tritt hohe Langlebigkeit in solchen Familien signifikant häufiger auf, sodass sie nicht allein durch Zufall oder die gleiche Umgebung zu erklären sei.
Xataka fasst das Ganze folgendermaßen zusammen:
Auf diese Weise korrigiert die Studie, was Experten als frühere Schätzungsverzerrungen bezeichnen. Das heißt, die bisherigen Zahlen von 20-25 Prozent waren an sich nicht falsch, beinhalteten aber zu viel Pech
.
Völlig eindeutig ist indes, dass Menschen in vielen Regionen der Welt durch den technologischen und medizinischen Fortschritt deutlich älter werden als früher, was den rasanten Anstieg der Bevölkerungszahlen erklärt. Mittlerweile gibt es mehrere Milliarden Menschen auf der Erde:
Wir dachten, es gäbe 8 Milliarden Menschen auf dem Planeten - bis Forscher anfingen, nachzurechnen
Ebenfalls unstrittig ist, dass man selbst viel dafür tun kann, möglichst alt zu werden. Auch wenn wir unseren Genen und vielen externen Einflussfaktoren grundsätzlich zunächst ausgeliefert sind.
Egal, ob es um ausreichend Bewegung, eine gesunde Ernährung oder genügend Erholung für einen potenziell gestressten Geist geht: Wer auf sich achtet, erhöht die Chancen auf ein langes (und glückliches) Leben.

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