Schluss mit Schlaglöchern und zu vielen Baustellen? In Texas wird ein Asphalt mit recyceltem Kunststoff getestet, der Hitze und Verkehr viel besser standhält

Ein plastikhaltiger Asphalt könnte Straßen stabiler machen und gleichzeitig Müll loswerden.

Hier werden die letzten Schritte beim Bau einer plastikhaltigen Straße getan. (Bildquelle: The Conversation – Sahadat Hossain) Hier werden die letzten Schritte beim Bau einer plastikhaltigen Straße getan. (Bildquelle: The Conversation – Sahadat Hossain)

Es ist nichts Neues, dass Plastikmüll so schnell nirgends hingeht und ein großes Problem für die Umwelt darstellt. Doch was wäre, wenn der Plastikmüll, der in den Meeren schwimmt und Deponien überhäuft, bald unter unseren Autoreifen liegt?

Genau das ist die Idee von Sahadat Hossain, Bauingenieur an der University of Texas at Arlington. Wie er das umsetzt und was es nutzen soll, berichtet er selbst bei The Conversation.

Die Zukunft von Plastik liegt in Straßen

Laut dem UN Environment Programme werden jedes Jahr weltweit über 400 Millionen Tonnen Plastik produziert. Weniger als 10 Prozent davon werden recycelt. Der Rest landet auf Deponien, wird verbrannt oder treibt durch Gewässer.

Da kommt Hossains Idee ins Spiel: Er ersetzt rund acht bis zehn Prozent des Erdöl-Bitumens in Asphalt durch eingeschmolzenes Plastik, also wiederverwertete Alltagsgegenstände wie Einwegplastiktüten, Plastikflaschen und andere Haushaltskunststoffe.

Wie funktioniert’s? Der Prozess läuft in drei Schritten ab: 

  1. Plastik reinigen.
  2. Plastik zerkleinern.
  3. Plastik bei hohen Temperaturen in den Asphalt einmischen. 

Das bindet das Plastik fest in die Straßenmasse ein und kein loses Material bleibt zurück.

Wie viel Plastik wird genutzt? Als Beispiel nennt Hossain eine einseitige, rund 1,6 Kilometer lange Teststrecke in Rockwall, Texas. Dort wurden 4,5 Tonnen Plastikmüll verwendet. 

Was bringt das genau?

Der plastikhaltige Asphalt soll dem klassischem Straßenbelag in mehreren Punkten überlegen sein:

  • Hitzeresistenz und Langlebigkeit: Während der Hitzewelle im April 2024 zeigten Teststrecken in Dhaka, Bangladesch, keinerlei Risse, während umliegende Straßen sichtbare Schäden davontrugen. Die Temperaturen stiegen damals auf über 40 Grad Celsius über einen Zeitraum von 24 Tagen.
  • Weniger Reparaturkosten: Städte könnten durch die Reduzierung von Rissen und anderen Schäden viel Geld sparen.
  • Ressourcenschonung: Weniger Bedarf an neuem Erdöl-Bitumen.

Mit bloßem Auge nicht zu erkennen: Hier ist bereits recyceltes Plastik hinzugefügt. (Bildquelle: The Conversation – Sahadat Hossain) Mit bloßem Auge nicht zu erkennen: Hier ist bereits recyceltes Plastik hinzugefügt. (Bildquelle: The Conversation – Sahadat Hossain)

Berechtigte Sorge: Was passiert, wenn die Straße abnutzt? Hossains eigene Labordaten zeigen nur eine minimale Freisetzung von Mikroplastik. Seine Studie aus dem Jahr 2024 kommt zu dem Ergebnis, dass der Kunststoff im Asphalt tausendmal weniger Partikel freisetzt als abgenutzte Reifen.

Dennoch: Die Forschung läuft weiter. Hossain gibt offen zu, dass seine Methode eine konsistente Versorgung mit sauberem, sortierten Plastik voraussetzt. Die Infrastruktur dafür existiert noch lange nicht überall.


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Wie geht es weiter?

Neben dem Campus der University of Texas at Arlington und der Teststrecke in Rockwall gibt es bereits Interesse aus weiteren US-Städten und dem Ausland. Ein Patent wurde beantragt, eine kommerzielle Verwertung langfristig geplant.


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Für Hossain ist das mehr als ein Ingenieursprojekt: Er wuchs in einem einkommensschwachen Viertel Bangladeschs nahe einer Mülldeponie auf und sah als Kind, wie Abfall die Gesundheit seiner Nachbarn zerstörte.

»Diese Arbeit dreht sich nicht nur um Straßen oder Recycling. Es geht um Würde und darum, Müll von den Orten fernzuhalten, an denen Menschen leben.«

Es bleibt abzuwarten, wie schnell sich die Technologie durchsetzt. Die ersten Praxistests sind vielversprechend und die Ausgangslage beim Plastikmüll ist so kritisch, dass jede technisch fundierte Lösung ernsthaft geprüft werden sollte.

Was haltet ihr von der Idee? Schreibt es gerne unten in die Kommentare!

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