Steigende Strompreise: Wie viel teurer wird das PC-Gaming 2022?

Nicht nur im Hardware-Bereich steigen die Kosten, sondern unter anderem auch beim Strom. Wir rechnen nach, was das für unser Hobby PC-Gaming bedeuten kann.

von Nils Raettig,
10.01.2022 17:46 Uhr

Als wären die horrenden Kosten für Gaming-Grafikkarten nicht schon schlimm genug, kommen steigende Strompreise erschwerend hinzu. Keine gute Mischung, wenn man bedenkt, dass nicht nur die Leistung, sondern trotz besserer Effizienz auch der Stromverbrauch von neuer Spiele-Hardware tendenziell steigt, siehe das jüngste Beispiel der RTX 3090 Ti mit 1.275-Watt-Stromanschluss.

Bei dieser Grafikkarte handelt es sich aber um einen Extremfall, zumal ein großer Unterschied zwischen theoretisch möglicher Maximalaufnahme und dem tatsächlichen Verbrauch unter Last besteht. Grund zur Panik gibt es also nicht, aber das Hobby PC-Gaming wird nicht nur durch hohe GPU-Preise, sondern auch durch steigende Energiekosten teurer.

Von welchen Preissteigerungen wir hier 2022 ungefähr reden und wie viel ein typischer Gaming-PC hierzulande in verschiedenen Szenarien pro Jahr kostet, erfahrt ihr in diesem Artikel. Das meiste Geld spart ihr natürlich ganz ohne Rechner, so wie im Falle unseres Autors Sascha Penzhorn wollt ihr euch für diesen Weg aber sicher nicht entscheiden:

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Steigende Stromkosten: Der Extremfall

Welchen Strompreis ihr zahlt und wie sehr er 2022 steigt, variiert von Fall zu Fall, grobe Einordnungen sind aber möglich. Besonders schlecht kann die Situation derzeit in jedem Fall für Neukunden sein, wie das Beispiel des Stromanbieters E.ON zeigt.

Die folgende Tabelle vergleicht meine eigenen Energiekosten zum Vertragseinstieg 2019 und die aktuellen Kosten mit dem derzeitigen Angebot für Neukunden laut Tariffinder der E.ON-Webseite im gleichen Postleitzahl-Bereich. Die übliche Preiserhöhungsrunde habe ich dabei für dieses Jahr noch nicht mitgemacht:

Strompreis bei E.ON in Essen (Bruttoangaben)

Preis Ende 201928,55 Cent pro kWh99,96 Euro Grundpreis
Aktueller Preis31,22 Cent pro kWh 138,74 Euro Grundpreis
Preis für Neukunden61,63 Cent pro kWh 238,71 Euro Grundpreis

Als Neukunde zahlt man in diesem Fall also fast das Doppelte (!), manche Anbieter verlangen sogar noch mehr. Das kann insbesondere deshalb problematisch sein, weil im Zuge der schwierigen Lage teils kleinere Stromanbieter Verträge mit Privatkunden rückwirkend aufkündigen. Dann wird also gezwungenermaßen ein neuer Anbieter nötig.

Politik und Verbraucherschutz kritisieren diese hohen Kosten für Neukunden, wie unter anderem der Spiegel berichtet. Ob und wenn ja wann und in welcher Form das Auswirkungen auf die Lage hat, bleibt abzuwarten. Bestehende Kunden müssen gleichzeitig mit deutlich geringeren, aber dennoch nennenswerten Preiserhöhungen rechnen.

So sind die durchschnittlichen Stromkosten laut dem Vergleichsportal Verivox in den letzten zwölf Monaten um 22 Prozent gestiegen. Eine Entspannung der Lage ist trotz Senkung der EEG-Umlage (Umlage zur Förderung der Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz) von 6,5 auf 3,7 Cent pro Kilowattstunde derzeit nicht in Sicht.

Was bedeutet das für die Kosten eines Gaming-PCs?

Für unsere beispielhaften Rechnungen gehen wir ungefähr von der Leistungsaufnahme eines PCs mit RTX 3070 und Core i9 9900K aus. Für unsere beispielhaften Rechnungen gehen wir ungefähr von der Leistungsaufnahme eines PCs mit RTX 3070 und Core i9 9900K aus.

Bevor wir einen Blick auf die beispielhaften Berechnungen werfen, ist das Wort beispielhaft nochmal zu betonen. So hängt die Leistungsaufnahme eines Gaming-PCs nicht nur von der verwendeten Hardware, sondern auch von anderen Faktoren wie dem jeweiligen Spiel und der verwendeten Auflösung und der Detailstufe ab. Wie ihr sie für euren konkreten Fall ermitteln könnt, erfahrt ihr im Abschnitt Wie berechne ich meine eigenen Stromkosten?.

Basis der folgenden Angaben ist ein vergleichsweise hoher Verbrauch von 300 Watt. Für einen schnellen Spiele-PC in fordernden Titeln ist das aber nicht ungewöhnlich. So einen Wert findet ihr beispielsweise in unserem Test der Geforce RTX 3070 in Kombination mit Intels Core i9 9900K beim Spielen von Anno 1800 in WQHD.

Beispielshaft sind außerdem die (recht lange) Spielzeit von vier Stunden jeden Tag und die genannten Strompreise. Der erste Wert ist ein aktueller Durchschnittswert laut Verivox (siehe den Link weiter oben), der zweite steht für eine theoretische Preiserhöhung von 15 Prozent und der dritte für Kosten im Bereich des eben beschriebenen Extremfalls für Neukunden.

Gaming-PC: Beispielhafte Stromkosten im Jahr bei täglich vier Stunden Spielzeit und 300 Watt Verbrauch

0,35 Cent pro kWh153 Euro
0,40 Cent pro kWh175 Euro
0,65 Cent pro kWh285 Euro

Wie berechne ich meine eigenen Stromkosten?

Um die Berechnung für euren PC durchzuführen, könnt ihr euch auch an Testberichten mit Messungen zur Leistungsaufnahme wie unseren oder an Wattrechnern wie dem von Netzteilhersteller be Quiet orientieren. Falls ihr die Komponenten eures PCs nicht genau kennt, helfen Systemtools wie beispielsweise HWInfo. Für eine genauere Ermittlung kommt ihr um ein Messgerät aber nicht herum.

Damit könnt ihr den Verbrauch eurer Gaming-Hardware inklusive Peripherie wie Monitor und Lautsprecher über einen längeren Zeitraum messen. Außerdem deckt ihr damit auch die Phasen ab, in denen ihr zwar nicht spielt, aber euren PC dennoch nutzt, etwa zum Arbeiten oder zum Schauen von Videos. Der Stromverbrauch sinkt dann zwar oft auf Wattwerte im zweistelligen Bereich, aber Kleinvieh macht ja bekanntermaßen auch Mist.

Mit der folgenden Formel werden aus eurem Strompreis und der ungefähren Leistungsaufnahme eures PCs sowie der Spielzeit pro Tag die jährlichen Kosten in Euro berechnet:

(Stromverbrauch des PCs / 1.000) x Strompreis pro kWh x Spielstunden pro Tag x 365 Tage

An einem konkreten Beispiel aus der Tabelle oben sieht die Rechnung folgendermaßen aus:

(300 Watt / 1.000) = 0,3 (kW) x 0,35 (Cent pro kWh) x 4 (Spielstunden pro Tag) x 365 (Tage im Jahr) = 153,3 Euro

Wer halb so lange spielt, hat dementsprechend auch halb so hohe Kosten und umgekehrt. Verbraucht der PC unter Spielelast dagegen 400 Watt, steigt die Summe um ungefähr 50 Euro an; sind es Werte im Bereich von 200 statt 300 Watt, wie es ungefähr auch mit einer aktuellen Konsole wie der PlayStation 5 der Fall ist, werden im Jahr etwa 50 Euro weniger fällig und so weiter.

Die Energiekosten für das Hobby (PC-)Gaming werden also nicht nur durch die (steigenden) Strompreise, sondern auch durch eure genaue Hardware und die individuelle Spieldauer in starkem Maß beeinflusst.

Seid ihr bereits von deutlich höheren Energiepreisen betroffen? Und wie viel Geld gebt ihr im Jahr ungefähr für den Strom zum Betrieb eurer Gaming-Hardware aus? Schreibt es gerne in die Kommentare!

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