Ihr irrt euch alle und solltet euch darüber freuen. Ihr habt das wahre Ausmaß des Grauens noch nicht gehört oder sogar gespürt. Wir werden euch an dieser Stelle eine Gewissheit nehmen, die ihr wahrscheinlich seit dem ersten Filmabend mit Jurassic Park in euch tragt.
Denn würdet ihr einen echten Tyrannosaurus rex hören, wünschtet ihr euch die Version aus den Filmen sehnlichst herbei. Hört gleich selbst warum, und lest, wie die Forschung längst ausgestorbene Klänge wieder zum Leben erweckt.
So klingen die klassischen T-Rex-Varianten aus der Popkultur, einmal recht altmodisch in Jurassic World Evolution 3 und dann etwas moderner in Prehistoric Kingdom. Die ikonische Szene aus Jurassic Park dröhnt grollend hier auf YouTube:
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Der T-Rex demonstriert sein Brüllen in Jurassic World Evolution 3 und Prehistoric Kingdom
Wie Totes zu brüllen lernt
Für alle folgenden Darstellungen verfügen wir natürlich nicht über Live-Aufnahmen. Es gibt heute auch schlicht keine mit damals exakt vergleichbaren Tiere mehr. Die Dinosaurier waren für sich genommen besonders, aber zwei Faktoren helfen uns dabei, ihre Stimmen zumindest im Ansatz wiederzuerwecken:
- die Physik hinter der bekannten Anatomie
- die Verwandtschaft zu heutigen Lebewesen
- Vögel, allernächste Nachfahren. Es handelt sich bei ihnen um lebende Dinosaurier. Ein T-Rex ist genetisch sogar enger mit einem Spatzen verwandt, als mit einem ihm vermeintlich viel näher stehenden Stegosaurus.
- Krokodile/Alligatoren. Gemeinsam mit den Vögeln bilden sie die Gruppe Archosauria (via britannica).
- Echsen, Schlangen, Schildkröten. Der Abstand zwischen ihnen und den Riesen von damals ist bereits in mehr als nur einer Hinsicht groß, aber dennoch teilen sie sich Eigenschaften und entsprechende, zugrundeliegende Genetik.
Tief brummendes Gurren
Forschende beschäftigen sich seit mehreren Jahrzehnten bereits damit, aus den Überresten, vornehmlich Fossilien, sowie obigen Verbindungen, Hörbares zu gewinnen (via Sandia und nature).
Was sind Fossilien? Bei Fossilien handelt es sich um Überreste einst mal lebender Organismen (Pflanzen oder Tiere) oder von Spuren von Ihnen. Die Prozesse für ihre Entstehung variieren, aber es besteht eine generelle Altersgrenze, ab wann die Forschung von Fossilien spricht: älter als 10.000 Jahre (via Klett).
Vereinfacht zusammengefasst gehen die Forscher zwei Wege: Zum einen nutzen sie CT-Scans von einstigen Knochen, um deren Struktur zu vermessen. Gemeinsam mit den weitestgehend bekannten Skeletten der Saurier lässt sich dann das Weichgewebe um Hohlräume, Muskeln, Luftsäcke und Co. im Computer simulieren.
Hinzu kommt unser Wissen zu den Geräuschen von Vögeln und Alligatoren und wie diese entstehen. Denn jeder Dino, auch ein T-Rex, hat mit der uns vertrauten Weise gearbeitet, um Töne zu erzeugen. Luft verhielt sich damals nicht anders als heute.
- Vögel zeigen, wie sich mit Luftsäcken und geschlossenem Schnabel extrem laute und variable Töne erzeugen lassen.
- Krokodile/Alligatoren demonstrieren, wie mit geschlossenem Maul sehr tiefe, grollende Laute entstehen.
Funfact: Forscher nehmen inzwischen sogar an, dass die meisten Dinosaurier wie auch der T-Rex auf Brüllen wie in den Filmen verzichteten. Sie rissen zumindest dafür nicht den Rachen auf, wie es Löwen, Hunde oder auch Bären machen, sondern erzeugten Töne bei geschlossenem Kiefer.
Dank einer Zusammenführung von (Paleo-)Biologie, Physik, Computerwissenschaften und weiteren Feldern sowie etwas Fantasie nähern wir uns an. Das folgende Video lässt euch das rekreierte Brüllen und Schnauben eines T-Rex anhören. Darüber hinaus bietet es eine ganze Palette an weiteren Stimmen. Aber Achtung: Auch wenn die generelle Richtung wohl stimmt, sollten wir uns nicht auf Details versteifen.
Link zum YouTube-Inhalt
Generell müssen wir uns die Geräusche aus dem Rachen von Dinosauriern wahrscheinlich wie eine sehr bassige, also im Tonspektrum tief liegende Mischung von Vögeln und Krokodilen vorstellen. Viele Tiere, so auch der T-Rex dürften die Fähigkeit besessen haben, Töne im sogenannten Infraschall-Bereich zu erzeugen. Das sind die Frequenzen, die wir nicht mehr hören, aber durchaus noch spüren können – wie ein akustisches Beben, welches unsere Eingeweide vibrieren lässt.
Das Resultat dürften gutturale, bedrohlich, ja buchstäblich urzeitliche Geräusche gewesen sein. Am oberen Ende des Klangspektrums saßen wohl albtraumhafte grummelnde Geräusche, wie ein dumpf zischendes Dröhnen; subjektiv empfunden vielleicht auch wie eine zum Leben erwachte zähflüssige Substanz, die sich windend, zeitweise verzerrt gurrend wie eine Taube, aus einem knurrenden Rachen ergießt.
Wie entstand das Filmbrüllen vom T-Rex? Jurassic Park nutzte hierfür verzerrte, tiefer gelegte Geräusche von Hund, Löwen oder auch die eines Elefantenbabys. Letzteres Tröten diente als Hauptbestandteil des ikonischen Brüllens.
Interessanterweise geht das Film-Franchise Jurassic World durchaus in eine realistische Richtung, allerdings nicht beim Brüllen. Wenn ihr aber zum Beispiel hier auf YouTube reinhört, dann klingen manche der Raubsaurier inzwischen deutlich kehlig-dröhnend und brachialer im Vergleich zum gerade heiseren Schreien eines frühen T-Rex. Vor allem bei Atemgeräuschen nähern sich hier Fiktion und wahrscheinliche Vergangenheit nach neuester Forschung an.
Über den rekonstruierten Klang eines Tyrannosaurus rex hinaus spannt das obige Video sowie die Forschung dahinter eine faszinierende Klangkulisse auf. Wie anders, zeitweise schlicht skurril für unsere Ohren, aber irgendwie auch Furcht einflößend muss es damals auf Erden geklungen haben?
Schreibt uns eure Meinung gerne mal in die Kommentare! Wie empfindet ihr das wahrscheinlich halbwegs reale Brüllen eines T-Rex oder die sonstigen Rufe oder sonstigen Laute seiner Artgenossen?
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