TikTok ist schon lange mehr als nur eine Plattform für Kurzvideos. Spätestens seit der Einführung des eigenen Shops hat sich die App zu einer beliebten Alternative zu Temu, AliExpress und Co. entwickelt.
Doch hier hört die Vision des chinesischen Mutterkonzerns ByteDance noch lange nicht auf. Das Unternehmen plant, das soziale Netzwerk zu einer echten All-in-one-Plattform auszubauen.
Neben den bekannten Features sollen künftig auch Spiele, Suchmaschinen, eine digitale Karte und vieles mehr direkt in der Anwendung angeboten werden.
Wie genau das aussehen kann, lässt sich aktuell in den USA beobachten. Dort testet TikTok bereits die ersten Features und hat im Mai mit TikTok Go etwa eine Seite zum Buchen von Hotels eingeführt.
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Das Experiment in den USA zeigt: So könnte die Zukunft von TikTok aussehen
Das große Vorbild für TikToks Zukunftspläne existiert bereits in China in Form der »WeChat«-App. Diese vereint soziale Netzwerke, Messenger, Bezahlsysteme und Onlineshops in einer einzigen Anwendung.
Genau diesen Weg schlägt ByteDance nun im Westen ein, mit dem Ziel, TikTok zu einer zentralen Anlaufstelle zu machen, sodass andere Apps gar nicht mehr benötigt werden. Dafür hat die Plattform zahlreiche neue Features geplant – und teilweise schon umgesetzt.
TikTok GO: Hotels und Erlebnisse buchen
Im Mai wurde in den USA das Feature »TikTok Go« gestartet, das die Plattform in eine Reise- und Entdeckungs-App verwandelt. Auf dieser könnt ihr direkt über Videos, die Suchfunktion oder eine spezielle Standortseite Hotels, Attraktionen und Ausflüge entdecken oder sofort buchen.
Fintech: Bezahlen und Kredite vergeben
Mit der Fintech
-Erweiterung geht TikTok weit über den Entertainment-Bereich hinaus und nimmt eine Rolle im Finanzsektor ein. In Brasilien hat die Plattform dafür bereits zwei Lizenzen bei der Zentralbank beantragt, um sowohl digitale Bezahlung zu ermöglichen, als auch Kredite vergeben zu können.
Ergänzung durch Such- und Entertainment-Angebote
Um die Allzweck-Anwendung zu vervollständigen, erweitert TikTok seine Angebote als Gaming-Plattform und eigenständige Suchmaschine. Mit Minispielen und einer verbesserten Suchfunktion sollen zusätzliche Apps auf eurem Smartphone nach und nach überflüssig gemacht werden.
Darum stehe ich einem Deutschland-Release kritisch gegenüber
Rein technisch gesehen ist die Vorstellung einer »Super-App« für mich sehr faszinierend. Auch die Möglichkeit, nur noch eine Anwendung für alles zu brauchen, klingt auf den ersten Blick extrem komfortabel – aber mindestens genauso gefährlich.
Wenn TikToks neue Features nach Deutschland kommen, dann nur, weil der amerikanische Testlauf erfolgreich war und ByteDance an einer Ausbreitung in Europa arbeitet.
Mit der Bekanntheit der Marke sehe ich eine echte Erfolgschance in den Zielen von TikTok – doch dieser Erfolg hat eine Kehrseite, und zwar die dadurch mögliche Monopolstellung des Konzerns.
Es geht nicht nur um Datensicherheit: Das Problem mit der Marktmacht
Das größte Problem liegt in der extremen Konzentration von Macht und Daten. Wenn ihr alles über eine einzige App erledigt, weiß das Unternehmen dahinter ganz genau, was ihr sucht, wohin ihr reist, welche Einkäufe ihr getätigt habt und wie eure finanzielle Lage aussieht.
Mit dieser riesigen Datenbasis erlangt ein Konzern eine ungesunde Übermacht. TikTok müsste dafür nicht einmal ein illegales Monopol aufbauen – es reicht völlig, wenn die App durch reine Bequemlichkeit zum Standard für euren Alltag wird.
Für innovative Alternativen oder lokale Anbieter wird es dann fast unmöglich, überhaupt noch gegen diese Plattform-Macht anzukommen.
Schützt uns das EU-Recht vor dieser Gefahr?
Nun könnte man einwenden: In Deutschland und der EU gibt es doch strenge Gesetze wie das Kartellrecht und den neuen Digital Markets Act (DMA), der Tech-Riesen im Handeln einschränkt. Und ja, rein rechtlich darf TikTok euch nicht in seinem eigenen Ökosystem einsperren.
Doch die Realität zeigt, dass es in der Vergangenheit immer wieder Konzerne gegeben hat, die Gesetze bis an die Grenze ausgereizt haben.
Der Kampf zwischen der EU-Kommission und Giganten wie Google ist unter anderem ein derartiges Katz-und-Maus-Spiel. Bis eine neue Monopol-Taktik von den Behörden erkannt, geprüft und sanktioniert wird, vergehen oft Jahre – die ein Unternehmen für die Vormachtstellung nutzen kann.
Auch wenn das EU-Recht als Bremse funktioniert, bleiben die Pläne von ByteDance aus meiner Sicht eine reale Bedrohung für den europäischen Digitalmarkt.
- Passend zum Thema:
- TikTok: Verlauf finden und löschen - So geht's
- Ich bin auf einen alten TikTok-Hype aufgesprungen und habe jetzt einen Smartphoneschutz mit nützlichen Features – und genauso vielen Problemen
- TikTok soll laut EU seine App weniger suchtfördernd gestalten – und ein Feature entfernen, das fast jedes soziale Netzwerk nutzt.
Die schiere Masse an sensiblen Daten in den Händen eines einzigen Konzerns lässt sich auch durch Gesetze nicht einfach wegregulieren – und das birgt eine gewaltige Gefahr.
Sollten die »Super-App«-Features von TikTok den Sprung zu uns schaffen und vom Markt angenommen werden, darf das nur unter extrem strengen Auflagen und fortlaufenden Kontrollen geschehen.
Ein kleiner Lichtblick:
Am Ende muss das alles jedoch nicht so negativ kommen. Immerhin gibt es zahlreiche Alternativen, die sich bereits etabliert haben und einen gewissen Status genießen.
Häufig liegt es schließlich auch an der eigenen Bequemlichkeit, und ein Wechsel zu einer anderen App klingt nicht unbedingt nach etwas, worauf die meisten große Lust haben.
Ein guter Weg wäre es zudem, weiterhin auf alternative Apps zurückzugreifen, die beispielsweise beim Thema Datenschutz besser vorgehen und nicht von den immergleichen Tech-Giganten stammen.
Und selbst wenn ihr – genau wie ich – weiterhin bei einigen der bekannten Hotel-, Messenger-, Karten- oder Bezahldienste bleibt, ist es immerhin besser, seine Daten verteilt zu haben, statt einem einzigen Unternehmen die eigene Lebensgeschichte anzuvertrauen.





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