Sehr viele Menschen dürften mindestens einen USB-Stick besitzen. Dank des USB-C-Anschluss ist es damit unter anderem möglich, Daten vom Handy unkompliziert zu speichern und auf andere Geräte zu übertragen.
Doch wie so oft steckt auch hier der Teufel im Detail.
Das offensichtlichste Detail ist der jeweilige Anschluss: je moderner, desto schneller. In der Praxis kann allerdings jede noch so hohe theoretische Datenrate gnadenlos ausgebremst werden.
Bei einem No-Name-Stick rechnet man vielleicht eher mit einer solchen Bremse. Aber auch bei USB-Sticks von bekannten Herstellern wie Kingston oder Sandisk rate ich euch, vor dem Kauf genau hinzuschauen, insbesondere beim Controller.
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USB ist nicht gleich USB: Ein Beispiel
Um zu verdeutlichen, was ich meine, schauen wir uns einmal den USB-Stick Ultra Dual Drive Luxe von Sandisk näher an.
Zum Release im Jahr 2020 wurde er mit einer Datenrate von bis zu 150 MB/s beim Lesen beworben, was unter anderem Bilder von damaligen Produktverpackungen und die Angaben im Preisvergleichsportal Geizhals zeigen. In einem Test von ComputerBild entsprach das auch ungefähr den erreichten Werten.
Dass man sich von solchen Angaben nicht blenden lassen sollte, zeigt dieser Test ebenfalls, denn die Schreibraten sind wesentlich niedriger, mit Messungen im Bereich von 30 MB/s. Das entspricht ungefähr dem, was wir von Sticks mit USB 2.0 kennen – dieser Stick unterstützt aber USB 3.2 Gen 1.1.
Zum Vergleich: USB 2.0 kommt in der Theorie auf bis zu 60 MB/s und in der Praxis meist auf maximal 30 bis 40 MB/s. USB 3.2 Gen 1.1 erreicht theoretisch 625 MB/s und tatsächlich eher 400 MB/s, wenn es keine Bremse gibt wie im Falle des Dual Drive Luxe.
Daten schreiben vs. Daten lesen
Wenn ihr Daten auf einen USB-Stick kopiert, kommt seine Schreibgeschwindigkeit zum Tragen. Kopiert ihr Daten dagegen von einem Stick auf ein anderes Gerät, greift die maximale Lesegeschwindigkeit. Beide Werte sind somit für einen USB-Stick wichtig.
Grundsätzlich ist es ganz normal, dass die echten
Werte vom theoretischen Maximum ein gutes Stück entfernt sind, weil der Umgang mit Daten durch das Betriebssystem und die genaue Art der Daten (z.B. eine große Datei vs. viele kleine Dateien) für eine unumgängliche Verlangsamung sorgen.
Aber ein meist gut verstecktes technisches Detail führt dazu, dass der Abstand so groß werden kann wie im Falle des Dual Drive Luxe.
Was USB-Sticks nervig ausbremsen kann
Grundsätzlich gibt es mehrere Faktoren, die USB-Sticks langsam machen können, etwa der genau verbaute Flash-Speicher, fehlender oder zu kleiner Cache für besonders schnellen Datenzugriff oder Probleme mit dem Überhitzen, was vor allem bei großen Datenmengen ein wichtiger Faktor sein kann.
Doch sehr häufig ist bereits das zentrale Gehirn
eines USB-Sticks in Form des Controllers das Problem:
- Controller in günstigen USB-Sticks setzen überwiegend auf das langsame BOT-Protokoll (Bulk-Only Transport), das es bereits seit über 25 Jahren gibt. Damit können Befehle nur nacheinander bearbeitet werden, was die maximal mögliche Übertragungsrate vor allem beim Schreiben stark ausbremst.
- Controller in teureren Modellen verwenden dagegen UASP (USB Attached SCSI Protocol) für parallele Datenströme. Damit sind deutlich höhere Datenraten möglich.
Welches Protokoll im Falle eines bereits bei euch vorhandenen USB-Sticks unterstützt wird, findet ihr übrigens schnell heraus:
- Klickt rechts auf das Startmenü, öffnet den Gerätemanager und geht in den Bereich
Speichercontroller
. - Taucht dort nach dem Anschluss eures USB-Sticks ein neuer Eintrag
Per USB anschlossenes SCSI (UAS)-Massenspeichergerät
auf, unterstützt euer Model UASP (siehe auch das Bild unten). - Sticks ohne UASP erscheinen nach dem Anschluss dagegen nur unter
Laufwerke
ohne einen neuen Eintrag bei den Speichercontrollern.
Wie Hersteller das Problem größer machen
Beim Verkauf von USB-Sticks werden die theoretisch maximal erreichten Datenraten wenig überraschend besonders prominent in den Vordergrund gestellt. Wozu das führen kann, zeigt erneut der oben bereits erwähnte USB-Stick Ultra Dual Drive Luxe von Sandisk.
Mittlerweile gibt Sandisk für dieses Modell eine maximale Lesegeschwindigkeit von 400 MB/s statt der 150 MB/s an, von denen zum Release noch die Rede war. Offenbar kommt nun ein anderer oder angepasster Controller zum Einsatz, mit dem solche Werte teils tatsächlich machbar sind.
Doch aktuelle Messungen wie von ssd-tester.de zeigen nicht nur, dass bereits das Erreichen der 400 MB/s Lesegeschwindigkeit mit dem Stick sehr schwer ist, sondern auch, dass es bei der Schreibgeschwindigkeit maximal etwa 170 MB/s sind – vermutlich unter anderem aufgrund des BOT-Protokolls.
Es sollte beim Dual Drive Luxe also weiterhin skeptisch machen, dass es auf der Sandisk-Webseite nur eine Angabe zur Lesegeschwindigkeit gibt, nicht aber zur Schreibgeschwindigkeit.
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Tipps zum Kauf eines wirklich schnellen USB-Sticks
Ob ein USB-Stick auf BOT oder UASP setzt, verraten die Datenblätter meist nicht. Selbst den genauen Controller herauszufinden, gestaltet sich oft schon schwierig. Im Zweifel bleibt euch nur, den Hersteller direkt zu fragen, welches Protokoll unterstützt wird.
Es gibt aber Tipps, mit denen ihr unabhängig davon gute Chancen habt, einen wirklich flotten USB-Stick zu bekommen:
- Schaut bei den Herstellerangaben genau hin: Nehmt bevorzugt einen Stick, für den sowohl die Lese- als auch die Schreibrate ausgewiesen ist und achtet darauf, dass sie nicht zu weit auseinander liege (und nicht zu weit weg von dem, was der jeweilige Anschluss theoretisch ungefähr hergibt).
- Sucht nach echten Benchmarks von dem USB-Stick. Abseits klassischer Tests findet ihr passende Screenshots von Benchmark-Tools mittlerweile gerne auch in den Bewertungen bei Amazon. Solche Messdaten sollten im Schnitt nicht zu stark von den Herstellerangaben abweichen.
- Achtet auf Begriffe wie
External SSD
: Nutzt ein Hersteller UASP, spiegelt sich das teils im Namen des Produkts wider. Statt nur von einemUSB-Stick
zu sprechen, ist dann beispielsweise vonExternal SSD
die Rede, weil ein schneller Controller verwendet wird, den man eher von SSDs als von USB-Sticks kennt.
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Um ein letztes Mal auf das Beispiel von Sandisk zurückzukommen: Der zu einer ähnlichen Zeit wie der Dual Drive Luxe erschienene Extreme Pro mit gleicher Schnittstelle (USB 3.2 Gen 1.1) zeigt, wie es besser geht.
Bei diesem Modell werden sowohl die Lese- als auch die Schreibgeschwindigkeit ausgewiesen (420 MB/s und 380 MB/s) und Benchmarks von ssd-tester.de verdeutlichen, dass sie so auch in etwa erreichbar sind.
Es lohnt sich also, bei USB-Sticks vor dem Kauf genau hinzuschauen und im Zweifel lieber etwas mehr Geld für ein wirklich schnelles Gerät mit UASP auszugeben, um sich nicht mit einem langsamen Stick mit dem veralteten BOT-Protokoll herumplagen zu müssen.

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