Als Valve vor fünf Jahren mit der Index die erste und bislang einzige eigene VR-Brille auf den Markt brachte, sorgte mehr die Soft- als die Hardware für Aufsehen: Begleitend erschien mit Half-Life: Alyx der beste VR-Shooter bis zum heutigen Tage.
Die Index selbst war zwar ein für die Zeit tolles und sehr bequemes Headset, konnte aber nicht für einen VR-Durchbruch sorgen. Zu teuer, zu aufwendig, kabelgebunden auch noch und die Controller kosten noch einmal extra - muss das so, echt jetzt?
Was muss der laut Gerüchteküche noch für dieses Jahr erwartete Index-Nachfolger mit dem Codenamen Deckard anders machen; was muss die neue Valve-VR bieten, um dem Platzhirsch Meta Quest 3(s) wirklich gefährlich zu werden? Schauen wir doch mal.
Was wissen wir bisher über Valve Deckard?
Offizielle Informationen von Valve gibt es keine, wir wollen euch aber trotzdem kurz auf den aktuellsten Stand der Leaks und Spekulationen bringen. Valve Deckard könnte noch Ende 2025 erscheinen, so der für seine recht zuverlässigen Aussagen bekannte @gabefollower bei X-Twitter. Er nennt zudem einen Preis von 1.200 US-Dollar für ein Full-Bundle.
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Dazu soll es einige bei Valve entwickelte Spiele oder Demos geben. Hat da jemand von euch an Half-Life gedacht? Toll wäre es, mit einem Half-Life 3 in VR oder auch nur Alyx 2 rechnen wir indes nicht - würden uns aber sehr gerne irren.
Auch die Controller sind neu und erinnern eher an die der Meta Quest als an die Index-Controller. Vollständiges Fingertracking wird damit wohl entfallen. Es sei denn, Valve arbeitet wie Meta mit einem Tracking per Headset-Kamera, was auch für potenzielle MR-Fähigkeiten nützlich wäre. Mit der inzwischen bewährten Button-Anordnung, digitalem Steuerkreuz und Daumensticks lässt sich auch ein Konsolencontroller im Zweifel ersetzen, praktisch für Flatgames (wie VR-Nutzer die klassischen Monitor-Games nennen) auf virtuellen Leinwänden.
Zur Info: MR steht dabei für Mixed Reality, ein jüngst von Apples Vision Pro bekannter gemachter Begriff. Kameras im Headset bringen dabei eine Live-Ansicht der realen Umgebung ins Headset statt den Nutzer komplett abzuschotten.
GabeFollower schreibt von SteamOS als Betriebssystem, das für VR fit gemacht worden sein soll - das Linux-System vom Steam Deck in optimiert also. Als Prozessor soll dem X-User und YouTuber SadlyItsBradley zufolge ein Qualcomm Snapdragon 8 Gen3 zum Einsatz kommen.
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Gegenüber dem Snapdragon XR2 Gen2 der Meta Quest 3 würde das spürbar mehr CPU- und GPU-Leistung sowie eine um eine Generation modernere GPU bedeuten. Die beiden Displays wirken hingegen eher schwachbrüstig angesichts des spekulierten Preises: Zwei 2,8 Zoll LCDs mit je 2.160 x 2.160 Pixeln bei 120 Hz. Hier hatten viele auf OLED gehofft.
Das Tracking wird wohl mit Kameras in der VR-Brille und ohne Zusatzstationen wie Lighthouse realisiert, was den Installationsaufwand stark verringert. Für den Betrieb der Valve Index waren noch zwei nicht günstige externe Stationen nötig, die das Tracking ermöglichten, Headsets wie Meta Quest setzen hingegen auf in der Brille verbaute Kameras.
Das könnte Valve Deckard bieten:
- Qualcomm Snapdragon 8 Gen3
- 2x LCD mit 2.160 x 2.160 Pixeln
- 120 Hz Refreshrate
- (Wireless) Verbindung zum Gaming-PC
- Demos oder vollwertige Spiele direkt von Valve
- Preis: 1.200 US-Dollar
Eventuell wird zudem ein Wireless-Dongle angeboten (oder gleich anstelle einer PC-Kabelverbindung beigelegt), der bequem in den PC gesteckt werden kann, um eine störungs- und latenzarme Wirelessverbindung zum Streamen vom PC via SteamLink zu ermöglichen. Flatgames auf virtueller Leinwand sollen sich aber auch autark, also ohne verbundenen PC, spielen lassen.
Was muss Valve Deckard bieten, um der Quest gefährlich zu werden?
Aktuell hat kaum ein VR-Headset eine Chance, der Quest 3(s) gefährlich zu werden: Meta hat den Preis sehr niedrig angesetzt, bietet eine ausreichend gute Qualität und vor allem einen hochwertig gefüllten Store. Und dazu noch PCVR-Support, unter anderem dank Valves Eigenentwicklung SteamLink.
Vielen Käufern der Quest ist die Nutzung kabellos und ohne PC sehr wichtig, dazu kommt Tragekomfort und eine ausreichende Akkulaufzeit. Die letzten beiden Punkte erfüllt Meta eher durchschnittlich, hier wären für Valve leicht Punkte zu holen.
Die geleakten Zeichnungen von Valve Deckard versprechen einen hochwertigen Headstrap und hoffentlich ausreichend Tragekomfort. Der Ersteindruck wirkt besser, als bei dem labbrigen Gurt der Meta Quest 3(s) - dem ersten Teil, das die meisten Nutzer austauschen.
Um autarken Spielspaß zu bieten, braucht Deckard eigene Rechenpower und ein passendes Betriebssystem. Statt wie die Konkurrenz auf Android scheint Deckard auf SteamOS zu vertrauen - mutig, aber machbar, zumal Linux auch auf ARM-CPUs wie dem Snapdragon läuft.
Das Spieleangebot im Store entscheidet
Knifflig wird es beim Store. Valve und Steam haben ein massives Angebot an Flatgames für Windows und mittlerweile dank Steam Deck auch Linux. Für die interessieren sich viele VR-Gamer jetzt aber nur sekundär.
Versucht Valve den Steam-Deck-Ansatz, native Windowsspiele mittels Proton und anderen Tools linuxtauglich zu gestalten, um so den Vorrat bereits existierender SteamVR-Games anzapfen zu können? VR verzeiht kleine grafische Bugs oder Latenzen nur wenig, auch das wäre daher mutig, aber machbar.
Aber eventuell ist die Option, das inzwischen zu Metas Portfolio gehörende Beat Saber bieten zu können, ja ein Motivator - das Rhythmusgame ist jedenfalls schon länger ein guter Benchmark beispielsweise für sauberes Tracking und geringe Latenzen.
Valve Deckard könnte am Preis scheitern
Wer im Jahr 2025 eine VR-Brille sucht, kann aus einem reichhaltigen Angebot schöpfen: Kleine und sehr handliche Modelle wie die Bigscreen Beyond, deren jetzt vorgestelltes zweites Modell sogar noch kleiner geworden ist beispielsweise. Die Brillen des chinesischen Herstellers Pimax, wenn es um mehr Sichtfeld und erstklassige Bildqualität geht. Pico für alle, denen Meta suspekt ist und TikTok nicht. Oder eben den Platzhirsch Meta Quest.
Aber wenn es um dauerhaften Spaß geht, der nun einmal aus der verfügbaren Software generiert wird, trennt sich die Spreu vom Weizen. Nur Käufer aus Nischenmärkten wie Flugsimulationen zu generieren, dürfte eine komplette Hardware-Neuentwicklung kaum rechtfertigen.
Bei der Hardwareausstattung sieht es des bisherigen Leaks und Gerüchten zufolge sehr gut aus für Deckard. Ob schlecht in der Werbung präsentierbare Features wie Eyetracking aber den hohen Preis von voraussichtlich 1.200 Dollar rechtfertigen?
Es ist fraglich, ob ein so teures Headset eine Chance im Massenmarkt hat. Und da ist es fast egal, was die Hardware leistet. Selbst ein exklusives Half-Life 3 in VR würde daran wenig ändern, wenn nicht das restliche Softwareangebot ebenfalls hochkarätig ausfällt.
Vor allem aber ist es spannend, ob und wie Valve das Steam Deck mit in die VR zieht. Als Videobrille für Steamgames würde sich Deckard bestimmt gut eignen - reichen wird das aber nicht.
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