Nach 114 Jahren zeigt ein Scan der Titanic, wie tapfer die Crew bis zum Ende um ihr Schiff gekämpft hat [Best of GameStar]

Viele Mythen ranken sich um die Titanic. Nun hilft die Wissenschaft, einige Geschichten vom Boden des Meeres zu bergen.

Ein Scan aus tausenden Einzelbilder zeigt das Wrack der Titanic auf dem Grund des Nordatlantiks (Bildquelle: Magellan, YouTube) Ein Scan aus tausenden Einzelbilder zeigt das Wrack der Titanic auf dem Grund des Nordatlantiks (Bildquelle: Magellan, YouTube)

Mitte April vor 114 Jahren sank die Titanic in einer schrecklichen Katastrophe auf den Grund des Nordatlantiks. Ein 3D-Scan des Wracks lässt uns nicht nur erschaudern, sondern holt auch Geschichten aus 3.800 Metern unter Wasser an die Oberfläche.

Ein 3D-Scan bringt Erkenntnisse über die letzten Stunden der Titanic

Über ein Jahrhundert liegt das Wrack der Titanic auf dem Grund des Atlantiks. Aber erst vor 40 Jahren wurde es auf 41.7325° N, 49.9469° W entdeckt.

Hier liegt die das Wrack der Titanic in 3.800 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund. (Bildquelle: Google Maps) Hier liegt die das Wrack der Titanic in 3.800 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund. (Bildquelle: Google Maps)

Seit wenigen Jahren fördert die britische Firma Magellan Bilder des gesunkenen Schiffs zutage, und das, ohne dafür Menschen an den Meeresboden zu schicken.

Für die Dokuserie Titanic: The Digital Resurrection hat das Unternehmen mithilfe von Unterwasserrobotern über 700.000 Bilder von der Titanic aufgenommen und zu einem 3D-Scan zusammengesetzt – Millimeter für Millimeter entstand ein digitaler Zwilling des Wracks.

Die spektakulären Aufnahmen zeigen den Bug der Titanic fast unversehrt, aufrecht ruhend im Schlamm – während das Heck 600 Meter weiter als wirres Metallchaos am Grund des Meeres liegt.

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Den Titanic-Forscher Parks Stephenson erinnert die Spurensuche mithilfe des Scans im Interview mit der BBC an True Crime:

Es ist wie ein Tatort: Man muss die Beweise im Zusammenhang mit ihrem Fundort sehen.

Und zwischen all den rostigen Platten, verbogenen Rohren und den Fundsachen, die um das Wrack herum von der Katastrophe zeugen, offenbart sich auch eine stille Heldengeschichte.

Mittlerweile, im Frühjahr 2026, wurden diese Daten mit neuen Aufnahmen der RMS-Titanic-Inc.-Expedition von 2024 abgeglichen. Das Ergebnis ist traurig: Ein großer Teil der ikonischen Reling am Bug, die im ersten Scan noch intakt schien, ist mittlerweile weggebrochen und liegt im Schlamm.

Ein offenes Ventil erzählt von Helden

Auf dem zerborstenen Heck, wo kaum etwas an Deck noch intakt ist, entdecken Forscher im 3D-Scan ein offen stehendes Dampfventil. Das sei gemeinsam mit gewölbten Dampfkesseln im Schiffsinneren ein Hinweis darauf, dass im Moment des Untergangs noch Dampf im Stromgeneratorsystem floss.

Die Details bestätigen laut BBC, was auch Überlebende berichteten: Die Lichter an Bord der Titanic blieben bis zuletzt an.

Parks Stephenson interpretiert das als einen Versuch der Crew, die Überlebenschancen der anderen zu erhöhen:

Sie hielten das Chaos so lange wie möglich in Schach – und all das wird gewissermaßen durch dieses geöffnete Dampfventil auf dem Heck symbolisiert.

Ohne Strom wäre es auf dem sinkenden Luxusliner komplett dunkel gewesen. Passagiere hätten sich nicht mehr in den Gängen zurechtgefunden. Und die Crew hätte die wenigen verfügbaren Rettungsboote kaum ins Wasser lassen können.

Das hatten die 706 Überlebenden laut BBC dem Einsatz eines Ingenieurteams unter der Leitung von Joseph Bell zu verdanken, das im Bauch des Schiffs zurückblieb, um Kohle in die noch zugänglichen Kessel zu schaufeln.

Diese neuen Scans untermauern die historische Forschung von 2025/2026, die zeigt, dass die Ingenieure sogar Barrikaden errichteten, um das eindringende Wasser von den Dynamos fernzuhalten. Sie alle starben.

Im Wrack verbergen sich noch mehr Geschichten

Der 3D-Scan des Wracks vermag es also nicht nur von der großen Katastrophe, sondern auch von tapferen Einzelpersonen zu erzählen – und das gut 16 Jahre, nachdem die letzte Überlebende gestorben ist.

Parks Stephenson erklärt:

Die Titanic ist die letzte überlebende Augenzeugin der Katastrophe und sie hat immer noch Geschichten zu erzählen.

Doch die vollständige Analyse der 700.000 Fotos wird noch Jahre in Anspruch nehmen. Die Titanic sei eine langsame Erzählerin:

Sie erzählt uns jedes Mal nur einen kleinen Teil ihrer Geschichten, erklärt Park Stephenson gegenüber der BBC. Aber jedes Mal lässt sie uns mit dem Wunsch nach mehr zurück.

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