Zahlen zum Energieverbrauch von verschiedenen Geräten zu vergleichen, kann sehr spannend sein, auch mit Blick auf das mögliche Sparpotenzial im eigenen Haushalt.
Ich bin aber kürzlich auf einer Webseite über einen Vergleich gestolpert, den ich kritisch beurteile. Er sagt aus, dass ein Elektroofen so viel Strom verbraucht wie 65 gleichzeitig angeschlossene Kühlschränke.
Warum das ein Vergleich ist, der hinkt, schauen wir uns in diesem Artikel kurz an.
Ein Kühlschrank der besonderen Art: Zwei Mal zu klopfen gibt Einblick ins Innere
0:31
Herstellervideo: Der neue LG InstaView Kühlschrank soll euch viel Geld sparen
Inwiefern die Aussage stimmt
Der momentane Stromverbrauch eines einzelnen Elektroofens kann in der Tat im Bereich der Größenordnung von 65 angeschlossenen Kühlschränken liegen.
Das gilt aber nur dann, wenn man sich auf ihren ungefähren Stromverbrauch im aktiven Betrieb in Kilowattstunden (kWh) bezieht.
- Werte des Elektroofens: Beim Heizen für eine Temperatur von 200 Grad Celsius erreichen ältere Öfen Verbrauchswerte von etwa 2,5 kWh in der ersten Stunde, also für die Kombination aus dem Aufheizen und dem Halten der Temperatur in dieser Zeit. Gleichzeitig gilt, dass moderne Modelle teils mit deutlich weniger als der Hälfte davon auskommen können.
- Werte eines Kühlschranks: Ein Kühlschrank mit Gefrierfach kommt dagegen eher auf einen Verbrauch von 0,03 bis 0,05 kWh in einer Betriebsstunde. Dabei ist bereits berücksichtigt, dass der Verbrauch eines Kühlschranks generell dadurch schwankt, dass der Kompressor immer nur zeitweise zum Abkühlen anspringt.
- Der schwierige Vergleich: Rechnet man den Mittelwert von 0,04 kWh in einer Stunde auf 65 Kühlschränke hoch, kommt man auf 2,6 kWh - und damit ungefähr auf den oben angesprochenen Wert für einen (nicht sehr effizienten) Elektroofen beim einstündigen Heizen mit 200 Grad Celsius.
Warum der Vergleich hinkt
Während ein Kühlschrank permanent läuft (wenn auch nicht mit permanent aktivem Kompressor), macht man einen Ofen nur kurzzeitig und bei Bedarf an.
Auf die längere Sicht kommt es an: Selbst, wenn man den Ofen jeden Tag eine Stunde lang benutzen würde, relativiert sich die Vergleichsdimension mit Kühlschränken im Hinblick auf den monatlichen Stromverbrauch drastisch:
- 65 Kühlschränke mit Gefrierfach erreichen auf Basis unserer angenommenen Werte (die eher höher liegen) zusammen in 30 Tagen etwa 1.800 kWh.
- Ein älterer Ofen kommt selbst bei unrealistisch häufiger Nutzung von einer Stunde an jedem Tag nur auf 75 kWh.
- Nur ein einzelner Kühlschrank mit Gefrierfach erreicht übrigens circa 28,8 kWh.
Da wohl die wenigsten täglich ihren Ofen eine Stunde lang benutzen dürften, liegen typische Verbrauchswerte eines Elektroofens und eines Kühlschranks im Durchschnitt für den Haushalt recht nahe beieinander, statt so einen riesigen Unterschied aufzuweisen, wie es das Zitat aus der Überschrift suggeriert.
Die genauen Werte kommen auf die jeweiligen Geräte an, wobei gilt: Je älter und je größer ein Modell, desto höher ist tendenziell der Verbrauch.
Für den Vergleich zwischen einem Kühlschrank und einem Elektroofen lässt sich aber in jedem Fall sagen, dass sie sehr unterschiedlich genutzt werden und bei den meisten im Schnitt einen recht ähnlichen Anteil am Gesamtverbrauch im Haushalt aufweisen dürften.
Um beim Heizen mit einem Ofen etwas Energie zu sparen, empfiehlt es sich übrigens, auf das Vorheizen zu verzichten und Umluft zu nutzen, da bei dieser Art des Heizens weniger hohe Temperaturen nötig sind.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.