Seit Jahren, ja fast schon immer, verbinden wir Tech, Apps und mehr mit Unternehmen aus Nordamerika oder Asien.
Das ist eigentlich schade, da wir auch in Europa Firmen haben, die nicht einfach nur Alternativen sind, sondern auch besser sein können. So steht unter anderem die Datensouveränität oder die Privatsphäre der Nutzer oft im Mittelpunkt, was man von vielen großen Übersee-Konkurrenten nicht behaupten kann.
Vor einigen Monaten habe ich deswegen angefangen, nach und nach europäische Optionen zu entdecken und selbst auszuprobieren. Einer meiner ersten Schritte: weg von Google Chrome.
Aufgrund von Community-Empfehlungen bin ich schließlich bei Vivaldi gelandet. Der Browser hat mich im Allgemeinen überzeugt, aber besonders gefällt mir die Android-App.
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Die Menschen hinter Vivaldi
Vivaldi Technologies ist ein unabhängiges Softwareunternehmen mit Hauptsitz in Norwegen und Island.
- Das Team: Es besteht aus Mitarbeitern von 25 Nationalitäten, die über sieben Länder verteilt arbeiten. Ein wesentliches Merkmal der Unternehmensstruktur ist der Verzicht auf externe Investoren, wodurch die Firma laut eigenen Angaben operative Unabhängigkeit wahrt und keinen kurzfristigen Gewinnmaximierungszwängen unterliegt.
- Geschäftsmodell und Datenschutz: Die Finanzierung erfolgt primär durch Partnerverträge mit Suchmaschinen und Lesezeichen-Anbietern sowie durch Spenden der weltweit rund vier Millionen Nutzer. Ein zentraler Pfeiler der Entwicklung ist der strikte Verzicht auf Nutzer-Tracking und Profilbildung. Damit grenzt sich das Team bewusst von Geschäftsmodellen großer Technologiekonzerne ab, die auf der Monetarisierung persönlicher Daten basieren.
- Produktansatz: Technisch setzt Vivaldi auf eine hohe funktionale Dichte: Werkzeuge, die bei anderen Browsern meist über Erweiterungen nachgerüstet werden müssen, sind hier fest integriert. Das Ziel ist ein Browser, der sich ohne Kompromisse bei der Privatsphäre an die individuellen Arbeitsabläufe der Nutzer anpasst.
Drei praktische Funktionen der Android-Version, die mir besonders gut gefallen
In erster Linie ist Vivaldi ein Browser wie viele andere. Ich kann mit der App das Internet durchforsten, Suchanfragen stellen, Inhalte konsumieren und arbeiten.
All das funktioniert genauso, wie ich es von Google Chrome gewohnt bin. Das ist kein Wunder, denn unter der Haube von Vivaldi steckt Chromium; so ganz weg von Google bin ich also noch nicht.
Trotzdem gibt es einige Features, die ich hervorheben möchte, weil ich sie von mobilen Browsern nicht gewohnt bin und die für mich richtig praktisch waren.
Integrierte Tracking- und Werbeblocker: Beim Vivaldi-Browser habt ihr die Möglichkeit, Tracker und Werbung automatisch zu blockieren. Schon beim ersten Start werdet ihr gefragt, ob ihr die Funktion dafür aktivieren wollt oder nicht.
In den Einstellungen lassen sich sogar verschiedene Quellen für die beiden Blocker aussuchen. Eine Integration wie diese, ganz ohne Erweiterungen, war für mich neu, vor allem bei einem Android-Browser.
Tabs im Desktop-Stil: In der Android-Version von Vivaldi ist es möglich, eine Tableiste im Stile von Desktop-Browsern einzublenden. Also horizontal angeordnete Tabs, zu denen ihr mit einem Fingertipp wechselt. Der horizontale Spielraum ist beim Smartphone-Display aber eher begrenzt, weshalb die Tabs auf Symbole reduziert werden.
Trotzdem habe ich über die letzten Wochen dieses Feature lieben gelernt, da sich der Browser somit ähnlicher zum Desktop-Browser anfühlt. Eine echte Tableiste ist einfach viel praktischer als der Tab-Wechsel-Bildschirm anderer Browser (den es hier auch gibt, wenn der euch eher liegt).
Screenshots ganzer Seiten: Auf den meisten aktuellen Handys habt ihr die Möglichkeit, scrollende Screenshots zu erstellen. In der Praxis funktioniert das allerdings nicht immer richtig; oft kann ich nicht ganz nach unten scrollen oder es dauert ewig, weil das Scrollen immer wieder stockt.
Beim Vivaldi-Browser gibt es eine Funktion, um ganze Webseiten mit nur einem Fingertipp abzufotografieren, ganz ohne zeitaufwendiges Scrollen.
Eine Sache nervt etwas: In zufälligen Abständen kommt es vor, dass eine Seite nicht lädt. Auch das Wechseln vom Tab oder eine Aktualisierung helfen nicht. Ich schließe die App dann immer mit dem Android-Multitasking-Manager und starte sie neu, was das Problem behebt. Sollte jemand das Problem kennen, schreibt es mir gern in die Kommentare und ob ihr dafür eine Lösung gefunden habt.
Bonus für Desktop-Version: Einerseits gefällt mir der Look der Desktop-Version sehr, vor allem im randlosen Modus mit seitlicher Tableiste. Andererseits halte ich es für nützlich, dass das VPN von Proton in den Browser integriert ist – ganz ohne Installation.
Inzwischen bin ich für viele meiner Dienste, wie etwa E-Mail, Passwort-Manager und KI (Lumo) zu Proton gewechselt, und dass der Browser das VPN des Unternehmens einfach bereitstellt, ist sehr praktisch, auch wenn ich ihn eher selten benötige.
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Vivaldi ist für mich nicht nur eine Alternative, sondern auch eine Entscheidung
Zu guter Letzt war einer meiner wichtigsten Gründe meine Motivation dafür, die persönliche Abhängigkeit von Big Tech zu reduzieren. Natürlich bringen unsere europäischen Alternativen nichts, wenn sie technisch gesehen schlechter sind oder mich in meinem Alltag zu sehr ausbremsen.
Das war zum Glück bei Vivaldi nicht der Fall – gut, der Browser basiert eben auf demselben Unterbau, den Google Chrome auch hat; die Nabelschnur zu Google ist also noch nicht vollständig durchtrennt.
Dafür setzen europäische Produkte oft einen stärkeren Fokus auf Datenschutz und Privatsphäre, was mir persönlich gut gefällt. Der Wechsel des Standardbrowsers ist dabei ein kleiner, aber vor allem nicht unbequemer Schritt Richtung Datensouveränität.
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